|
|
Werner Helsper,
Rolf-Torsten Kramer, Sven Thiersch, Carolin Ziems
Bildungshabitus und Übergangserfahrungen bei Kindern
in:
ZfE,
Sonderheft 12-09, S. 126-152
Zusammenfassung:
Der Beitrag erschließt auf der Grundlage eines qualitativen
Längsschnitts mit Schülerinnen und Schülern von der 4. bis zur 7. Klasse die
Übergangserfahrung von der Grundschule in die Sekundarstufe. Die
Übergangserfahrungen der Kinder werden für fünf kontrastreiche Schulen in
den Blick genommen: ein "exklusives" Gymnasium mit Auswahlverfahren, ein
"normales" städtisches Gymnasium, eine Gesamtschule, eine Sekundarschule
sowie eine Hauptschule. In der Rekonstruktion der kindlichen individuellen
Orientierungsrahmen können überraschenderweise bereits für die Zehnjährigen
vier klar konturierte Habitusfigurationen bestimmt werden. der Habitus der
Bildungsexzellenz und -distinktion, der Habitus der Bildungsstrebenden in
drei Varianten, der Habitus der Bildungskonformität und -notwendigkeit und
schließlich der Habitus der Bildungsfremdheit in drei Formen. Der Beitrag
kann erstens zeigen, dass die Anwahl und die Antizipation, die
Übergangserfahrung und die Ankunft sowie die Chancen- und die
Risikopotenziale in den neuen Schulen nur im Gesamtzusammenhang der
kindlichen Habitusformen und deren Schulpassung zu verstehen sind. Zweitens
kann er verdeutlichen, dass den kindlichen Habitusformen - so vorläufig sie
auch ausgeprägt sein mögen - eine eigenständige Bedeutung für den Übergang
zukommt.
Schlüsselwörter:
Bildungshabitus, Übergang, Schulkarriere und qualitativer Längsschnitt
|
|
|
|
Abstract:
Educational Habitus and Students' Experiences of
the Transition to Secondary Education
Drawing on a qualitative longitudinal study of
grade 4 to 7 students, this article examines students' experiences of the
transition from elementary to secondary education. The analysis focuses on
five contrasting schools: an "exclusive", highly selective Gymnasium,
a "normal" urban Gymnasium, a comprehensive school, a
Sekundarschule, and a Hauptschule. Surprisingly, reconstruction
of the students' individual orienting frameworks reveals that even
10-year-olds already show four clearly delineated habitus configurations:
the habitus of educational excellence and distinction, the habitus of
educational aspiration (tree variants), the habitus of educational
conformity and necessity, and finally the habitus of educational alienation
(tree variants). The data show, first, that selection and anticipation, the
experience of transition and arrival, and potential opportunities and risks
in the new schools can be properly understood only in the overall context of
these forms of habitus and their fit with the school attended. Second, they
show that the students' forms of habitus - as temporary as they may be -
have independent significance for the transition to secondary education.
Keywords:
Educational habitus, transition, school careers,
qualitative longitudinal study
|
|
|
|
|
Kai Maaz, Gabriel Nagy
Der Übergang von der Grundschule in die weiterführenden Schulen des
Sekundarschulsystems: Definition, Spezifikation und Quantifizierung primärer
und sekundärer Herkunftseffekte
in:
ZfE,
Sonderheft 12-09, S. 153-182
Zusammenfassung:
Die vorliegende Studie befasst sich mit der Analyse von primären und
sekundären Effekten der sozialen Herkunft beim Übergang in die Sekundarstufe
I. Das theoretische Modell von Boudon wurde um Faktoren erweitert, die für
das deutsche Bildungssystem bedeutsam sind (Noten und Übergangsempfehlung).
Bildungsungleichheit entsteht durch das Zusammenwirken der sozialen
Herkunft, der objektiven und bewerteten Schülerleistung, der
Schullaufbahnempfehlung und des gezeigten Übergangsverhaltens. Es konnte
gezeigt werden, dass die soziale Herkunft einen Effekt auf den Übergang, die
Vergabe der Schullaufbahnempfehlungen, der Benotung und die objektiven
Leistungen hat. Um zu untersuchen, an welchen Stellen der soziale
Hintergrund auf den Übergang Einfluss nehmen kann, wurden die primären und
sekundären Effekte zerlegt. Während die primären Effekte ausschließlich als
indirekte Effekte wirksam werden, wirken die sekundären Effekte als
indirekte und direkte Effekte. In Bezug auf die betrachteten Konsequenzen
(Leistungsbewertung, Empfehlung und Übergang) wurden folgende Ergebnisse
ermittelt: Primäre und sekundäre Effekte konnten für jede der drei
betrachteten abhängigen Merkmale nachgewiesen werden. Bei der
Leistungsbewertung war der relative Anteil des primären Effekts größer als
der des sekundären. Bei der Empfehlungsvergabe waren beide Effekte gleich
groß und beim Übergangsverhalten der sekundäre größer als der primäre. Damit
konnte erstmals gezeigt werden, wie sich die soziale Herkunftseffekt
zusammensetzt und welche relative Bedeutung primäre und sekundäre Effekte
haben.
Schlüsselwörter:
Soziale Ungleichheit, primäre und sekundäre Disparitäten,
Herkunftseffekte, Bildungsungleichheit, Bildungssystem
|
|
|
|
Abstract:
The Transition from Elementary to Secondary
Education in Germany: Definition, Specification, and Quantification of the
Primary and Secondary Effects of Social Background
This study analyzes the primary and secondary
effects of social background at the transition to lower secondary education
in Germany. To this end, Boudon's theoretical model was extended to include
factors of specific relevance to the German education system (grades and
tracking recommendation). Educational inequality results from the
interaction of social background, objective student achievement and grades
awarded, the tracking recommendation of the elementary school, and the
actual transition behaviour. Analyses showed that social background affects
transition behaviour, the tracking behaviour, the tracking recommendations
made, grading, and objective achievement. Primary and secondary effects were
then decomposed to identify the points at which social background influences
the transition to secondary education. Whereas primary effects were indirect
in all cases, secondary effects were both indirect and direct. Primary and
secondary effects were found for each of the three outcomes considered
(grades awarded, tracking recommendations, and transition behaviour). For
grades awarded, the relative proportion of primary effects was larger than
that of secondary effects. For tracking recommendations, both effects were
of the same size. For transition behaviour, the relative proportion of
secondary effects was larger than that of primary effects. The article thus
provides first insights into the composition of social background effects
and the specific impact of primary and secondary effects.
Keywords:
Social inequality, primary and secondary
disparities, background effects, educational inequality, education system
|
|
|
|
|
Wolfgang Wagner,
Andreas Helmke, Friedrich-Wilhelm Schrader
Die Rekonstruktion der Übergangsempfehlung für die Sekundarstufe I und der
Wahl des Bildungsgangs auf der Basis des Migrationsstatus, der sozialen
Herkunft, der Schulleistung und schulklassenspezifischer Merkmale
in:
ZfE,
Sonderheft 12-09, S. 183-204
Zusammenfassung:
Basierend auf den Daten aus 51 Klassen der 4. Klassenstufe in
Rheinland-Pfalz, die mithilfe von Schulleistungstests und Fragebögen
untersucht wurden, werden anhand von multinomialen logistischen
Mehrebenenanalysen Übertrittsempfehlungen und -entscheidungen rekonstruiert.
Erwartungsgemäß spielt dabei auf der Individualebene die soziale Herkunft -
im Gegensatz zum Migrationsstatus - über die Leistung hinaus eine bedeutsame
Rolle. Die Übergangsempfehlung erweist sich als starker Prädiktor für die
Bildungsgangwahl, wobei die individuelle Schulleistung sowie partiell auch
die soziale Herkunft bedeutsam bleiben. Auch unter Kontrolle der
Übergangsempfehlung bleibt der leistungsbezogene Referenzgruppeneffekt bei
der Bildungsgangwahl bestehen. Für das durchschnittliche Leistungsniveau von
Klassen ergeben sich - entsprechend der postulierten Referenzgruppeneffekte
- negative Assoziationen mit den Übertrittsempfehlungen und -entscheidungen.
Schlüsselwörter:
Bildungsentscheidungen, Übergänge, Übergangsforschung, soziale
Ungleichheit, Bildungsungleichheit, Schulklassenkontext,
Big-fish-little-pond-Effekt, Referenzgruppeneffekte
|
|
|
|
Abstract:
Reconstruction of Recommendations and Choices at
the Transition to Secondary Education: Ethnic Criteria, Social Background,
Achievement, and Class Composition
Based on data from 51 grade 4 classes in
Rhineland-Palatinate that were administered academic achievement tests and
questionnaires, multinomial logistic multilevel analyses were used to
reconstruct transition recommendations and choices. As expected, at the
individual level, the social background - in contrast to ethnic criteria -
played an important role over and above achievement. The recommendation
proved to be a strong predictor for the choice of the school track, though
both individual achievement and - to some extent - social background
remained significant. Even when the recommendation was controlled, the
achievement-related reference group effect for the choice of school track
persisted. In line with the hypothesized reference group effects, the
class-mean level of achievement was negatively associated with transition
recommendations and choices.
Keywords:
Educational decisions, transition to secondary
education, transition research, social inequality, educational inequality,
class context, big-fish-little-pond effect, reference group effects
|
|
|
|
|
Cornelia Kirsten, Jörg
Dollmann
Sekundäre Effekte der ethnischen Herkunft: Kinder aus türkischen Familien am
ersten Bildungsübergang
in:
ZfE,
Sonderheft 12-09, S. 205-229
Zusammenfassung:
Boudons analytische Unterscheidung zwischen primären und sekundären
Effekten der sozialen Herkunft lässt sich auf die ethnische Herkunft
erweitern. Hiervon ausgehend wird am Beispiel des ersten Bildungsübergangs
im deutschen Schulsystem untersucht, ob sich das für Kinder aus türkischen
Zuwandererfamilien im Vergleich zu Kindern ohne Migrationshintergrund
bestehenden nachteilige Übertrittsmuster in erster Linie als Folge von
Leistungsdisparitäten ergibt oder ob es zusätzliche durch die
Bildungsentscheidungen der Akteure beeinflusst wird. Anhand einer
Primärdatenerhebung zu Kölner Grundschulkindern wird gezeigt, dass sich die
bestehenden Unterschiede vollständig auf Disparitäten in den schulischen
Leistungen (primäre Effekte) und auf mit der sozialen Herkunft verbundene
unterschiedliche Übergangsbedingungen (sekundäre soziale Effekte)
zurückführen lassen. Anstelle einer zusätzlichen Benachteiligung weisen
türkischstämmige Viertklässler aufgrund ihrer ausgeprägten
Bildungsmotivation nun sogar höhere Chancen auf, einen der anspruchsvolleren
Sekundarschulwege einzuschlagen. Diese Befunde werden in Anlehnung an Boudon
als positive sekundäre Effekte der ethnischen Herkunft interpretiert.
Schlüsselwörter:
Schülerinnen und Schüler türkischer Herkunft, primäre und sekundäre
Effekte, Disparitäten im schulischen Erfolg, erster Bildungsübergang
|
|
|
|
Abstract:
Secondary Effects of Ethnic Origin: Students From
Turkish Families at the Transition to Secondary Education
Boudon's analytic distinction between primary and
secondary effects of social origin can be extended to ethnic origin. On this
basis, this article examines whether the less favorable patterns of
transition from elementary to secondary education observed for students from
Turkish immigrant families - relative to German children - are attributable
primarily to differences in achievement or whether educational decisions
also play a role. Analysis of primary data obtained from elementary students
in Cologne shows that the differences observed can be fully attributed to differences
in academic achievement (primary effects) and to differential conditions at
the transition associated with social background (secondary social effects).
Rather than being at an additional disadvantage, because grade 4 students
from Turkish backgrounds are highly motivated to succeed educationally, they
in fact have higher chances than their German peers of enrolling in a more
demanding secondary track. Drawing on Boudon, these findings are interpreted
as positive secondary effects of ethnic origin.
Keywords:
Students from Turkish families, primary and
secondary effects, disparities in school achievement, transition to
secondary education
|
|
|
|
|
Cornelia Gresch,
Jürgen Baumert, Kai Maaz
Empfehlungsstatus, Übergangsempfehlung und der Wechsel in die Sekundarstufe
I: Bildungsentscheidungen und soziale Ungleichheit
in:
ZfE,
Sonderheft 12-09, S. 230-256
Zusammenfassung:
Die Bundesländer in Deutschland unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht
in der Ausgestaltung des Bildungswesens beim Übergang von der Primar- in die
Sekundarstufe. Ein zentraler Unterschied bezieht sich auf die Bindungskraft
der Übergangsempfehlung. Während diese in einigen Ländern reinen
Vorschlagscharakter besitzt und die Eltern unabhängig von der Empfehlung das
Kind ohne Einschränkung auf einer höheren Schulform anmelden können, ist es
in anderen Ländern notwendig, dass das Kind weitere Leistungsnachweise
erbringt, sofern es auf eine höhere Schulform gehen möchte als die
empfohlene. Dieser Beitrag untersucht die Frage, wie diese unterschiedlichen
Regelungen unter Berücksichtigung der erhaltenen Empfehlung mit dem
tatsächlichen Übergangsverhalten nach der Grundschule zusammenhängen und ob
soziale Ungleichheit beim Übergang durch bindende Empfehlungen verstärkt
oder reduziert wird. Anhand der Übergangsstudie, durchgeführt am
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, wird das Übergangsverhalten in 13
Bundesländern analysiert. Es zeigt sich, dass Eltern aus sozial
privilegierten Verhältnissen ihr Kind häufiger auch ohne entsprechende
Empfehlung auf das Gymnasium schicken als Eltern aus weniger privilegierten
Verhältnissen. Dieser Effekt vergrößert sich zusätzlich in den
Bundesländern, in denen der Elternwille freigegeben ist und keine weiteren
Leistungsnachweise notwendig sind, um das Kind auf eine höhere Schulform zu
schicken als empfohlen.
Schlüsselwörter:
Übergangsempfehlung, Übergangsentscheidungen, Übergang, soziale
Ungleichheit, bindende Empfehlung
|
|
|
|
Abstract:
Teachers' tracking recommendations, their legal
status, and the transition to lower secondary education: Educational
decisions and social inequality
The German states differ in a number of respects
in the way the transition from elementary to secondary education is
organized. One major difference is whether or not the secondary tracking
recommendations made by elementary schools are binding. In some states, the
elementary school's recommendation of a secondary track is merely a
suggestion and parents have the right to enroll
their child in a higher secondary track if they choose to do so; in other
states, children aspiring to attend a higher secondary track than the one
recommended have to provide further evidence of their suitability for that
track. This article examines how these different regulations are related to
students' actual transition behavior at the end of elementary schooling and
whether binding recommendations increase or decrease social inequality at
the transition to secondary education. Drawing on data from a Transition
Study conducted at the Max Planck Institute for Human Development, the
article analyzes transition behavior in 13 German states. Results show that
children from socially privileged families are more likely than children
from less privileged backgrounds to be enrolled in an academic-track
Gymnasium without a corresponding recommendation. This effect is larger in
states in which parents are free to choose a secondary track and no further
evidence of student ability is required to enroll a child in a higher track
than recommended.
Keywords:
Tracking recommendations, tracking decisions,
transition to secondary education, social inequality, binding
recommendations, legal regulations
|
|
|
|
|
Volker Stocké
Adaptivität oder Konformität? Die Bedeutung der Bezugsgruppe und der
Leistungsrealität der Kinder für die Entwicklung elterlicher
Bildungsaspirationen am Ende der Grundschulzeit
in:
ZfE,
Sonderheft 12-09, S. 257-281
Zusammenfassung:
Der
Beitrag geht der Frage nach den Bestimmungsfaktoren der Entwicklungsdynamik
elterlicher Bildungsaspirationen am Ende der Grundschulzeit nach. Es wird
die relative Bedeutung der Schulleistung der Kinder und der perzipierten
Bildungsansprüche der elterlichen Bezugsgruppe analysiert. Außerdem werden
Hypothesen über den nach dem elterlichen Sozialstatus differenziell starken
Einfluss dieser Bestimmungsfaktoren getestet. Die Grundlage der Untersuchung
bilden die Daten des Mannheimer Bildungspanels (N = 819). Die Ergebnisse
zeigen, dass ein höherer Bildungs- und Berufsstatus der Eltern mit einer
Entwicklung hin zu ambitionierten Bildungsansprüchen einhergeht. Diese
Aspirationsentwicklung resultiert einerseits aus einer Anpassung an die
schulische Leistungsrealität der Kinder, wobei sich diese Adaptivität
erwartungsgemäß bei Eltern mit geringerem Sozialstatus als stärker erweist.
Die elterlichen Aspirationen entwickeln sich andererseits in Richtung auf
die Bildungsansprüche der elterlichen Bezugsgruppe. Entgegen der
theoretischen Erwartungen ist diese Konformität ebenfalls stärker bei
weniger vorteilhaftem Sozialstatus. Ein bedeutender Anteil der sozialen
Differenzierung in der elterlichen Aspirationsentwicklung am Ende der
Grundschulzeit lässt sich auf entsprechende Unterschiede in der
Leistungsentwicklung der Schüler und dem Aspirationsklima im sozialen
Kontext der Familien sowie auf die selektive Empfänglichkeit der
Sozialgruppen für diese Faktoren zurückfuhren.
Schlüsselwörter:
Bezugsgruppe, Bildungsaspirationen, soziale Ungleichheit,
Übergangsentscheidung
|
|
|
|
Abstract:
Adaptivity or conformity? The relevance of the reference group and of
children's actual achievement for the development of parents' educational
aspiration at the end of elementary schooling
This article examines the factors determining
parents' educational aspirations for their children at the end of elementary
schooling and development of those aspirations over time. It analyzes the
relative importance of the children's academic achievement and the perceived
educational aspirations of the parents' reference group. Further, it tests
the hypothesis that the impact of these factors differs depending on the
parents' social status. The research draws on data from the Mannheim
Educational Panel Study (N = 819). The results show that higher parental
educational and occupational status is associated with the development of
more ambitious educational aspirations.
To some extent, this development is the result of aspirations being adapted
to the children's actual academic achievement. In line with our
expectations, this process of adaptation is more pronounced in parents with
lower social status. However, parents also adapt their aspirations to those
of the reference group. Contrary to theoretical expectations, this
conformity is also stronger in families from less privileged social status.
Much of the social differentiation in the development of parental
aspirations at the end of elementary schooling is attributable to
differences in student learning progress, to the aspirational climate of a
family's social network, and to the selective receptivity of social groups
to these factors.
Keywords:
Reference group, educational aspirations, social inequality, tracking
decisions
|
|
|
|
|
Anne Milek, Oliver
Lüdtke, Ulrich Trautwein, Kai Maaz, Tobias C. Stubbe
Wie konsistent sind
Referenzgruppeneffekte bei der Vergabe von Schulformempfehlungen?
Bundeslandspezifische Analysen von Daten der IGLU-Studie
in:
ZfE,
Sonderheft 12-09, S. 282-301
Zusammenfassung:
Beim
Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schule handelt es sich im
deutschen Schulsystem um eine frühe Weichenstellung, die mit einem
weitreichenden Einfluss für die Bildungsbiografien von Schülerinnen und
Schülern verbunden ist. Der vorliegende Beitrag geht erstens der Frage nach,
inwiefern Schulformempfehlungen von Lehrkräften in einem systematischen
Zusammenhang mit dem mittleren Leistungsniveau einer Klasse stehen, und
untersucht zweitens, inwieweit Unterschiede in der Stärke dieser
Referenzgruppeneffekte zwischen Bundesländern identifizierbar sind. Mithilfe
von mehrebenenanalytischen logistischen Regressionsmodellen wurde anhand
einer Teilstichprobe (4.589 Schüler aus 248 Klassen der 4. Jahrgangsstufe)
des deutschen IGLU-E Datensatzes der Zusammenhang der von Grandschullehrern
ausgesprochenen Schulformempfehlung und der mittleren Klassenleistung,
vergleichend für die Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Hessen,
Nordrhein-Westfalen und der Referenzgruppe (bestehend aus Schülerinnen und
Schülern der Bundesländer Schleswig-Holstein, Sachsen, Saarland, Thüringen
und Rheinland-Pfalz), untersucht. Es zeigte sich für die Teilstichprobe ein
negativer Zusammenhang zwischen der mittleren Klassenleistung und der
Übergangsempfehlung der Lehrkräfte, welcher über die Schulnoten mediiert
wurde. Bundeslandunterschiede in der Größe der Referenzgruppeneffekte ließen
sich nicht zufallskritisch absichern.
Schlüsselwörter:
Referenzgruppeneffekt, Übergang, Schulformempfehlung
|
|
|
|
Abstract:
How Consistent are Reference Group Effects on Teachers' Recommendations at
the Transition to Secondary Education? State-Specific Analyses of PIRLS Data
The transition from elementary to secondary school in the German education
system is an early form of selection with far-reaching implications for
students' educational biographies. This article examines the extent to which
teachers' recommendations of a secondary track are systematically related to
the class-mean achievement level and whether differences in this reference
group effect can be detected between states. Based on a subsample of the
German PIRLS-E dataset (4,589 students from 248 grade 4 classes), multilevel
logistic regression models were used to examine the relationship between
the recommendations made by elementary school teachers and class-mean
achievement level across the states of Baden-Württemberg, Bavaria, Hesse,
North Rhine-Westphalia, and a reference group (composed of students from the
states of Schleswig-Holstein, Saxony, Saarland, Thuringia, and
Rhineland-Palatinate). Findings for the subsample show a negative
association between class-mean achievement and teachers' recommendations
that was mediated by school grades. State-specific differences in the size
of the reference group effects did not reach the level of statistical
significance.
Keywords:
Reference group effect, transition to secondary education, teachers'
recommendations
|
|
|
|
|
Stefanie van Ophuysen, Heike Wendt
Zur
Veränderung der Mathematikleistung von Klasse 4 bis 6. Welchen Einfluss
haben
Kompositions- und Unterrichtsmerkmale
in:
ZfE,
Sonderheft 12-09, S. 302-327
Zusammenfassung:
Die
aktuelle Forschung zeigt, dass die Schulformen der Sekundarstufe I
differenzielle Entwicklungsmilieus darstellen, die in unterschiedlichen
Leistungszuwächsen der Schüler resultieren. Mögliche Erklärungsansätze
fokussieren auf die Klassenzusammensetzung (Komposition) und die
Unterrichtsgestaltung. Im vorliegenden Beitrag wird der Frage nach der
Bedeutung dieser Merkmale auf Klassenebene im Zusammenspiel mit der
Schulform nachgegangen und es wird geprüft, ob ein Schereneffekt bereits am
Beginn der Sekundarschulzeit beobachtbar ist. Im Rahmen des Dortmunder
DFG-Projektes „Grundschulübergang" wurden dazu bei 631 Schülern im
Längsschnitt jeweils am Ende der 4., 5. und 6. Klassenstufe Testleistungen
in Mathematik erfasst. Die klassenspezifischen Tests basieren auf Items aus
(inter-)nationalen Schulleistungsstudien, die über ein Ankeritem-Design
verlinkt wurden. Zur Darstellung schulformspezifischer Entwicklungsverläufe
werden diese Längsschnittdaten mittels HLM ausgewertet. Während
schulformspezifische Unterschiede in den Ausgangswerten die vornehmlich
leistungsbasierte Aufteilung auf die verschiedenen Schulformen
unterstreichen, bestätigt die Analyse der Zuwachsraten die Annahme eines
Schereneffektes bereits am Beginn der Sekundarstufe I. Die Überprüfung von
Kompositions- und Unterrichtseffekten weist auf hohe Konfundierung mit der
Schulform hin, sodass beide Merkmalsbereiche nur relativ geringe Anteile an
spezifischer Varianz aufklären können.
Schlüsselwörter:
Leistungsentwicklung, Testskalierung, Veränderungsmessung, hierarchische
lineare Modellierung, Unterrichts- und Kompositionsmerkmale
|
|
|
|
Abstract:
Change in Mathematics Achievement From Grades 4 to 6:
What is the Influence of Instructional and Composition Characteristics?
Research shows that secondary school types represent differential
developmental environments that lead to differential learning gains.
Attempts to explain this finding focus on class composition and
instructional practices. This article examines how these characteristics at
the class level are associated with school type and analyzes whether a
Matthew effect is already observable at the beginning of secondary
schooling. In the context of the
Dortmund-based DFG project Grundschulübergang on the transition from
elementary to secondary education, the mathematics achievement of 630
students was assessed at the end of grades 4, 5 and 6. The class-specific
tests were based on items from (inter-)national student achievement studies,
which were linked by an anchor-item design. The longitudinal data were
analyzed using HLM to identify developmental trajectories specific to the
school types. Whereas differences in baseline values across the school types
confirm that the selection of students to the different school types is
informed primarily by achievement, the analysis of growth rates corroborates
the hypothesis of a Matthew effect emerging at the very beginning of lower
secondary level. Tests for composition and instructional effects point to a
high degree of confounding with school type, with the effect that the two
characteristics explain only relatively small amounts of specific variance.
Keywords:
Learning
gains, test scaling, measurement of change, hierarchical linear modeling,
instructional and composition characteristics
|
|
|
|
|
Kirsten Aust, Rainer Watermann, Dietmar
Grube
Konsequenzen von Leistungsgruppierungen für die Entwicklungsverläufe des
allgemeinen und fachspezifischen Fähigkeitsselbstkonzepts nach dem Übergang
in die Sekundarstufe
in:
ZfE,
Sonderheft 12-09, S. 328-351
Zusammenfassung:
In
einer Längsschnittstudie wird untersucht, ob die Zuordnung zu
verschiedenen
Schul- und Klassentypen (Gesamtschule, Standardklassen des Gymnasiums sowie
mathematisch-naturwissenschaftliche und bilinguale Schwerpunktklasse)
gymnasialempfohlener Schüler nach dem Übergang in die Sekundarstufe I
unterschiedliche Entwicklungsverläufe des allgemeinen
Fähigkeitsselbstkonzepts sowie der fachspezifischen Selbstkonzepte in
Mathematik und Deutsch nach sich zieht. Im ersten Halbjahr nach dem
Schulwechsel nahmen 139 Fünftklässler eines Gymnasiums mit drei Standard-
sowie zwei Schwerpunktklassen und 99 gymnasialempfohlene Fünftklässler einer
Integrierten Gesamtschule an der Untersuchung teil. Analysen über fünf
Messzeitpunkte für das allgemeine und über drei Messzeitpunkte für das
fachspezifische Selbstkonzept legen nahe, dass es in den leistungsstarken
Schwerpunktklassen auf der Ebene des allgemeinen Selbstkonzepts, nicht
jedoch der fachspezifischen Selbstkonzepte in Mathematik und Deutsch zu
einem Absinken des Selbstkonzepts kommt.
Schlüsselwörter:
Selbstkonzept, Grundschulübergang, Leistungsgruppierung, Fischteicheffekt
|
|
|
|
Abstract:
Implications of Ability Grouping for Development in General and
Domain-Specific Self-Concepts of Ability After the Transition to Secondary
Education
This longitudinal study examines whether students assigned to different
school and class types (comprehensive school, standard Gymnasium
classes, Gymnasium classes with a mathematics / science or bilingual
profile) show differential developmental trajectories in general
self-concept of ability and domain-specific self-concepts in mathematics and
German after the transition to secondary education. All participants were
grade 5 students who had received a Gymnasium recommendation: 139
attending a Gymnasium with three standard classes and two classes
with special profiles and 99 attending a comprehensive school. General
self-concept of ability was measured at five points and domain-specific
self-concepts at three points in the first semester of secondary education.
The analyses reveal that students in high-ability classes with special
profiles showed a decrease in general self-concept of ability, but not in
mathematics or German self-concept.
Keywords:
Self-concept, transition,
ability grouping, big-fish-little-pond-effect
|
|
|
|
|
Franz Baeriswyl, Ulrich Trautwein,
Christian Wandeler, Oliver Lüdtke
Wie gut
prognostizieren subjektive Lehrerempfehlungen und schulische Testleistungen
beim Übertritt die Mathematik- und Deutschleistung in der Sekundarstufe I?
in:
ZfE,
Sonderheft 12-09, S. 352-372
Zusammenfassung:
Gegliederte Schulsysteme erfordern Zuweisungsverfahren, die eine gerechte
und pädagogisch sinnvolle Einstufung in eine Abteilung der weiterführenden
Schule gewährleisten. In verschiedenen Ländern/Kantonen Deutschlands bzw.
der Schweiz haben beim Übertrittsverfahren, neben Schulnoten und der
Übergangsempfehlung der Lehrkräfte, auch standardisierte Leistungstests
sowie Beurteilungen in Form von Grundschulgutachten einen Einfluss auf die
Übertrittsempfehlung. Der vorliegende Beitrag untersucht die Vorhersagekraft
dieser Elemente im Kanton Freiburg in Hinblick auf die Schulnoten in
Mathematik und Deutsch am Ende der obligatorischen Schulzeit in Klassenstufe
9. Insgesamt gingen die Daten von 621 Schülerinnen und Schülern in die
Untersuchung ein. Mehrebenenanalysen für kreuzklassifizierte Daten zeigten
eine besonders hohe Vorhersagekraft eines standardisierten Leistungstests
sowie der Schulnoten vom Ende der Grundschule. Aber auch die Beurteilung der
kognitiven Leistungsfähigkeit durch die Lehrkraft sowie - in geringerem
Ausmaß - die Einschätzung der schulischen Motivation trugen zur Vorhersage
der Noten in Klassenstufe 9 bei. Die Diskussion erörtert kritisch die Rolle
von standardisierten Leistungstests in Übertrittsverfahren.
Schlüsselwörter:
Schulempfehlungen, diagnostische Kompetenz, Schulübertritt
|
|
|
|
Abstract:
How Well do Subjective Teacher Recommendations and Test Scores at the
Transition to Secondary Education Predict Mathematics and German
Achievement?
Tracked school systems require a procedure that ensures fair and
educationally sound selection to a secondary school type. In Germany and
Switzerland, selection may be based
on
school grades, the recommendations of elementary school teachers,
standardized achievement tests or elementary school reports. This article
investigates the power of these measures to predict Swiss students’
mathematics and German grades at the end of compulsory schooling in grade 9.
Data from 621 students were collected in the Swiss canton of Freiburg.
Multilevel analyses for cross-classified data revealed that the predictive
power of a standardized achievement test and of grades at the end of
elementary schooling was particularly high. However, teachers’ assessments
of students’ cognitive abilities and – to a lesser extent – academic
motivation also contributed to predicting grades at the end of compulsory
schooling. The role of standardized achievement tests in selection to
secondary education is critically discussed.
Keywords:
Teacher recommendation,
diagnostic competence, school transfer
|
|
|
|
|
Claudia Schuchart
Warum interessieren sich Hauptschülerinnen und Hauptschüler für einen
Realschulabschluss? Eine Analyse individueller Überzeugungen unter
besonderer Beachtung geschlechtsspezifischer Differenzen
in:
ZfE,
Sonderheft 12-09, S. 373-397
Zusammenfassung:
In
vielen Bundesländern können leistungsstarke Hauptschüler nach einem in der
Regel zusätzlichen 10. Schuljahr einen Realschulabschluss erwerben und damit
ihre Ausbildungschancen verbessern. Allerdings wird diese Bildungsoption
nur von einem Teil der leistungsstärkeren Schüler genutzt, wobei Mädchen
aufstiegsorientierter sind als Jungen. Im vorliegenden Beitrag wird auf der
Basis der Theorie des geplanten Verhaltens (Ajzen, 1991) untersucht, auf
welche subjektiven Abschlusseinstellungen, Erwartungen des sozialen Umfelds
und Kontrollüberzeugungen der Wunsch nach einem Realschulabschluss
allgemein zurückgeführt werden kann und inwiefern sich Jungen und Mädchen
hinsichtlich dieser Überzeugungen unterscheiden. Genutzt wird ein Datensatz
aus einer Befragung niedersächsischer Hauptschüler aus dem Jahr 2008. Die
Ergebnisse zeigen, dass die abschlussbezogenen Überzeugungen substanziell
die Abschlussabsicht beeinflussen. Mädchen sind deutlich ambitionierter als
Jungen. Differenzen in den konkreten Überlegungen zeigen sich dahingehend,
dass Mädchen weniger Lernbelastungen erwarten und diese auch weniger
ungünstig einschätzen. Weiterhin nehmen sie höhere abschlussbezogene
Erwartungen ihrer peers wahr und neigen eher dazu, mit ihnen
übereinzustimmen.
Schlüsselwörter:
Hauptschule, Schulabschlüsse, Durchlässigkeit, Geschlecht
|
|
|
|
Abstract:
Why are Hauptschule Students Interested in Obtaining a Realschule
Qualification? An Analysis of Individual Beliefs Focusing on Gender-Specific
Differences
In many German states, high-achieving Hauptschule students have the
opportunity to stay on at school for an additional year to acquire the
Realschule qualification, thus improving their chances on the labor
market. However, only some high-achieving students take this opportunity,
with girls being more likely to do so than boys. Drawing on the theory of
planned behavior (Ajzen, 1991), this article investigates the subjective
attitudes to school qualifications, expectations of the social environment,
and control beliefs generally associated with the desire to obtain a
Realschule qualification, and to what extent boys and girls differ in
theses beliefs. The article draws on a dataset obtained from a sample of
Hauptschule students in Lower Saxony in 2008. Results show that
students' beliefs about educational qualifications substantially influence
their intended qualification. Girls are much more ambitious than boys.
Specifically, girls expect less workload than boys and have less
unfavourable attitudes to schoolwork. Moreover, girls perceive their peers
to have higher expectations concerning school qualifications and are more
likely to agree with them.
Keywords:
Hauptschule, school qualifications, permeability, gender
|
|
|