|
Boris Geier
und Birgit Riedel
Ungleichheiten
der Inanspruchnahme öffentlicher frühpädagogischer Angebote.
Einflussfaktoren und Restriktionen elterlicher Betreuungsentscheidungen
in:
ZfE,
Sonderheft 11-08, S. 11-28
Zusammenfassung:
Angesichts der erwarteten Bildungswirkung von frühpädagogischen
Angeboten stellt sich die Frage nach den Gründen für eine unterschiedliche
Inanspruchnahme. Der vorliegende Beitrag rückt die Betreuungsentscheidungen
der Eltern in den Mittelpunkt und verfolgt die These, dass diese in komplexe
Bedingungs- und Motivstrukturen eingebettet sind. Zur Überprüfung dieser
These wurde auf der Basis aktueller DJI-Surveydaten analysiert, inwiefern
soziodemographische Faktoren, die familiale Lebenssituation, alternative
Betreuungsoptionen sowie Überzeugungen und Präferenzen der Eltern ihre
Entscheidungen beeinflussen. Die Befunde zeigen neben dem Einfluss
familialer und sozioökonomischer Faktoren, dass Einstellungen und
Erwartungen der Eltern einen eigenständigen Erklärungswert haben. Die
Bedeutung einzelner Faktoren variiert stark mit dem Alter der Kinder.
Hervorzuheben ist die Relevanz bildungsbezogener Überlegungen, die für
Eltern früh eine Rolle spielen. Umgekehrt spiegeln auch die Gründe für eine
Nicht-Inanspruchnahme sowohl angebotsseitige Restriktionen als auch
spezifische Betreuungspräferenzen der Eltern wider.
Schlüsselwörter:
Kinderbetreuung, Inanspruchnahme von Kindertageseinrichtungen, soziale
Ungleichheit
|
|
|
|
Abstract:
Inequities in the utilization of institutional childcare services. What
influences parental childcare decisions?
The article deals with parents' childcare decisions focusing on differences
in the utilization of institutional childcare services. It starts from the
assumption that parental childcare decisions are embedded in social and
cultural contexts and shaped by parental beliefs and preferences. Using data
from a recent survey factors are identified which explain for variations in
the use of institutional childcare services. Results indicate that beyond
socioeconomic and family factors attitudes and preferences of parents play a
distinguishing role. The relative impact of these factors highly varies with
the age of children. Generally, parents tend to use institutional childcare
services at an earlier age of their children if they think they support
children' s development. Reasons for not using institutional childcare
services reflect parental preferences as well as supply-side factors.
Keywords:
Childcare services, parental childcare decisions, social inequalities
|
|
|
|
|
|
|
Grit Mühler und C. Katharina Spieß
Informelle Förderangebote. Eine empirische
Analyse ihrer Nutzung in der frühen Kindheit
in:
ZfE,
Sonderheft 11-08, S. 29-46
Zusammenfassung:
In Deutschland nutzt über die Hälfte aller Kinder unter sechs Jahren
informelle Förderangebote, wie z.B. Eltern-Kind-Gruppen, Kinderturnen
oder frühkindliche Musik- und Kunsterziehung. Basierend auf den
repräsentativen Mikrodaten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP)
untersucht der vorliegende Beitrag, welche Faktoren die Inanspruchnahme
informeller Förderangebote bei Kindern im Vorschulalter in Ost- und
Westdeutschland beeinflussen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass Kinder aus
westdeutschen Haushalten mit höherem Einkommen und höherem mütterlichen
Bildungsniveau eher informelle Förderangebote nutzen. Bei Kindern im
Alter von 3-5 Jahren haben informelle Förderangebote eher einen
komplementären Charakter, d.h., sie ergänzen den Besuch einer
Kindertageseinrichtung. Die Analysen weisen ferner auf einen statistisch
signifikanten Zusammenhang zwischen der Nutzung informeller
Förderangebote und dem adaptiven Verhalten von Kindern hin: Kinder, die
turnen oder schwimmen, weisen ceteris paribus höhere Entwicklungsmaße
auf als Kinder, die keine sportliche Frühförderung erfahren. Unsere
Untersuchung leistet damit einen ersten Beitrag für die multivariate
Analyse der Inanspruchnahme von informellen Bildungsangeboten ab dem
ersten Lebensjahr bis zum Schuleintritt.
Schlüsselwörter:
Frühe Kindheit, informelle Förderangebote, Mikrodaten, Nutzung
frühkindlicher Förderangebote
|
|
|
|
Abstract:
The attendance of informal early education activities
- an empirical analysis
More than half of the children in Germany under the age of six attend
some sort of informal early education activities other than formal early
education in daycare centers or family daycare. Among these activities are
parent-child-playgroups, sport programs for children or early music or art
education. Using representative micro-level data from the German
Socio-Economic Panel (SOEP) our study analyses factors which are correlated
with the use of informal education activities by families in East and West
Germany. Our results show that children in West German households with a
high income and higher maternal education use such activities more often.
For pre-schoolers aged 3-5 years informal education activities are
complementary to the attendance of daycare centers. Moreover, our analyses
show a significant relationship between the use of such activities and the
adaptive behavior of children. Children who attend sport programs score
higher in early development scales compared to children who do not
participate in early sports. Thus, our study contributes to the literature
providing an empirical analysis of informal activities for children from
birth until school entry.
Keywords:
Attendance of early education activities, early childhood, early education
activities, micro-data |
|
|
|
|
Detlef Diskowski
Bildungspläne für Kindertagesstätten - ein neues und noch unbegriffenes
Steuerungsinstrument
in:
ZfE,
Sonderheft 11-08, S. 47-62
Zusammenfassung:
Der Autor beschreibt das Steuerungsdefizit in der Kindertagesbetreuung,
der ihre Herkunft aus der Fürsorge bis heute anhaftet. Der Staat hat sich
zurückzuhalten, hat das Erziehungsrecht der Eltern und die Trägerhoheit zu
achten und zu fördern. Vor einem solchen Hintergrund stellt die Einführung
von Bildungsplänen eine neue und mit den Traditionen radikal brechende
Entwicklung dar. Das sich hiermit anbahnende Ende der fachlich-inhaltlichen
Beliebigkeit wird als Fortschritt angesehen, dessen Bedeutung für die
Kindertagesbetreuung kaum zu überschätzen sei. Im Mittelteil des Beitrags
wird anhand einiger ausgewählter Aspekte der Bildungspläne ein Überblick
über den Stand der Entwicklung gegeben. Im letzten Teil mahnt der Autor die
noch ausstehende Reflektion dieses neuen Steuerungsinstruments an. Diese sei
erforderlich, um Über- aber auch Unterschätzungen der möglichen Wirkungen zu
vermeiden. Eine solche Reflektion sollte eine mehrperspektivische sein, die
praktisch-pädagogische, konzeptionelle, theoretische wie auch
rechtlich-politische Aspekte einbezieht. Die empfohlene Weiterentwicklung
der Bildungspläne sollte sich auf die Herausarbeitung des träger- und
konzeptunabhängigen normativen Kerns konzentrieren und Vermischungen mit
pädagogischen Handlungskonzepten vermeiden.
Schlüsselwörter:
Bildungspläne, Kindertagesbetreuung, Kompetenzen, Steuerung |
|
|
|
Abstract:
Educational Plans for Kindergartens - A new
and unrecognized steering instrument
The author describes the lack of policy in childcare provision, where
the traditional elements of charity and social care still dominate.
According to this concept, government is therefore expected to stand back,
to respect the rights of parents in education, and to support and promote
the non-governmental providers of childcare. The introduction of educational
planning and of curricula is a new development that challenges this
tradition radically. We see the abolishment of educational arbitrariness as
progress that can hardly be overestimated in its importance for childcare.
The middle section of the article gives an overview of the current status of
development by citing selected aspects of educational curricula. In the last
section the author argues for the evaluation of this new steering instrument
in order to gain realistic information about its effects. Such evaluation
should be multi-dimensional, including pedagogical, conceptual, theoretical,
and legal and political aspects. The further development of educational
policy should then concentrate on a normative core and should avoid
interfering with the concepts and pedagogical action of daycare providers.
Keywords:
Child daycare, competences, educational curricula, steering |
|
|
|
|
Lilian Fried
Pädagogische Sprachdiagnostik für Vorschulkinder - Dynamik, Stand und
Ausblick
in:
ZfE,
Sonderheft 11-08, S. 63-78
Zusammenfassung:
Ausgangspunkt ist, dass die Pädagogische Sprachdiagnostik für
Vorschulkinder in Deutschland derzeit einen "Entwicklungsschub" erlebt. Als
Auslöser werden politische Motive genannt - insbesondere professions-,
gesundheits-, sozial- und bildungspolitische Motive. Vor diesem Hintergrund
wird der aktuelle Diskussionsstand bilanziert. Dabei wird auf vier
Vorarbeiten zurückgegriffen: (1) die Dokumentation und Analyse des
Bundesamts für Migration und Flüchtlinge der "Sprachförderangebote von Bund,
Ländern, Kommunen, Kreisen sowie privaten Trägern", (2) die Expertise zu
"Sprachstandserhebungen für Kindergartenkinder und Schulanfänger" von Fried,
(3) die Expertise zur "Sprachaneignung und deren Feststellung bei Kindern
mit und ohne Migrationshintergrund" von Ehlich et al. und (4) die Expertise
von Weinert, Doil und Frevert zu "Kompetenzmessungen im Vorschulalter". Es
werden Unterschiede zwischen den Herangehensweisen verdeutlicht und
gemeinsame Erkenntnisse sowie Folgerungen hervorgehoben. Im Abgleich mit der
internationalen Sprachtestforschung werden zukünftige Herausforderungen
identifiziert. Am Beispiel der "Sprachkompetenzmessung" wird angedeutet,
welch hohe Ansprüche damit verbunden sind.
Schlüsselwörter:
Messung linguistischer Kompetenzen, Sprachdiagnostik, Teststandards,
Vorschulalter |
|
|
|
Abstract:
Pedagogical Language Diagnostics for Preschool Children - Dynamics,
developments and future prospects
Starting point will be the fact that currently in Germany there is a
"developmental spurt" in educational language-specific diagnostics of
preschool children. This is seen to be triggered by political motives -
particularly those related to professions, healthcare, social and
educational policy. The state of current debates will be presented against
this background. For this, four studies will be analyzed: (1) the
documentation and analysis by the Federal Board of Migration and Refugees of
"Language acquisition provisions by the Federal Government, the Federal
States, municipalities, districts, as well as private institutions", (2) the
experts' report on "Language tests and assessments for kindergarten children
and school beginners" by Fried, (3) the experts' report by Ehlich et al. on
"Language acquisition and its analysis for children with and without a
migration background", and (4) the experts' report by Weinert, Doil and
Frevert on "Skills measurement during pre-school age". Differences between
the approaches will be explained and common insights as well as conclusions
will be emphasized. Future challenges will be identified by comparing this
analysis with international research. The high demands which are connected
with fulfilling these challenges will be demonstrated using the example of
"language competency measurement".
Keywords:
Language diagnostics, linguistic competence measurement, preschool age, test
standards |
|
|
|
|
|
Ingrid Gogolin
Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund
im Elementarbereich
in:
ZfE,
Sonderheft 11-08, S. 79-90
Zusammenfassung:
Die frühe Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund wird im
folgenden Beitrag mit Fokus auf den Aspekt der sprachlichen Entwicklung und
Förderung vorgestellt. Berichtet wird zunächst der Forschungsstand zur
Frage, welchen Einfluss das Aufwachsen mit zwei oder mehr Sprachen auf die
frühe Sprachentwicklung hat und was hieraus für die Förderung folgt. Sodann
wird das Problem der Aneignung bildungsrelevanter sprachlicher Fähigkeiten
behandelt, und es werden Argumente für längere Dauer und Kontinuität einer
systematischen Sprachförderung vorgestellt.
Schlüsselwörter:
Migrationshintergrund, Zweisprachigkeit, Bildungssprache |
|
|
|
Abstract:
Support for Immigrant Minority Children of Pre School Age
The contribution presents the problem of fostering and education of
immigrant minority children of pre school age with a focus on the question
of language development and support. At first it presents research results
on language development in a bilingual or multilingual situation and draws
conclusions from this for the design of early language education programs.
At second, the problem of acquisition of "academic language" is discussed.
Considering research results, arguments for longer duration and continuity
of language education programs for ethnic minority children are presented.
Keywords:
Immigrant minorities, Bilingualism, Academic Language |
|
|
|
|
Kristin Krajewski, Agnes Renner, Gerhild Nieding,
Wolfgang Schneider
Frühe Förderung von mathematischen Kompetenzen
im Vorschulalter
in:
ZfE,
Sonderheft 11-08, S. 91-104
Zusammenfassung:
Nach aktuellen Kenntnissen über den Erwerb mathematischer Kompetenzen
bei Kindern sollte sich eine frühe Förderung am natürlichen
Entwicklungsverlauf mathematischer Kompetenzen orientieren. Vor diesem
Hintergrund wurde in einer Pilotstudie überprüft, inwieweit sich frühe
Mengen-Zahlen-Kompetenzen auf drei verschiedenen Ebenen durch das Konzept
"Mengen, zählen, Zahlen" (MZZ, Krajewski/Nieding/Schneider 2007) bei
Vorschulkindern fördern lassen. In der vorliegenden Untersuchung
interessierte im Besonderen, ob sich differenzierte Fördereffekte in
Abhängigkeit vom Alter der geförderten Vorschulkinder finden lassen. Es
zeigte sich eine generelle Überlegenheit der mit dem MZZ geförderten Kinder
gegenüber einer Kontrollgruppe ohne systematische Förderung. Darüber hinaus
fanden sich altersspezifische Fördereffekte insofern, als die jüngeren
Vorschulkinder vor allem auf der ersten Ebene früher
Mengen-Zahlen-Kompetenzen profitierten, während die mittlere Altersgruppe
auf den ersten beiden und die älteren Vorschulkinder v.a. auf der dritten
Kompetenzebene zulegten. Die Ergebnisse zeigen, dass eine differenzierte
mathematische Frühförderung möglich und besonders dann erfolgreich ist, wenn
sie sich am jeweiligen Entwicklungsstand der Kinder orientiert.
Schlüsselwörter:
Mathematische Entwicklung, Entwicklungsmodell, Mengen-Zahlen-Kompetenz,
mathematische Frühförderung, Trainingsstudie |
|
|
|
Abstract:
Early Training of Quantity - Number
Competencies in Preschool
Encouragement of the acquisition of early quantity-number competencies
should be guided by the natural numerical development. Keeping this in mind
the present study proved if the training concept "Quantities, counting,
numbers" (Krajewski/Nieding/Schneider 2007) can encourage early numerical
competencies via three levels in the last year of kindergarten, effectively.
Particularly, age effects should be considered. Results showed significant
effects in quantity-number competencies for the training group compared with
the control group without structured encouragement. Moreover, the youngest
preschoolers improved above all on the first level of competence, the
middle-aged preschoolers on the first and second level and the oldest
preschoolers on the third level of competence.
Keywords:
Mathematical development, developmental model, quantity-number competence,
early mathematical training, training study |
|
|
|
|
Sybille Stöbe-Blossey, Susanne Mierau, Wolfgang
Tietze
Von der
Kindertageseinrichtung zum Familienzentrum - Konzeption, Entwicklungen und
Erprobung des Gütesiegels "Familienzentrum NRW"
in:
ZfE,
Sonderheft 11-08, S. 105-122
Zusammenfassung:
Der Beitrag thematisiert die Funktionserweiterung von
Kindertageseinrichtungen zu Familienzentren. Über die klassische Aufgabe der
Bildung, Betreuung und Erziehung hinaus sollen Familienzentren als
Anlaufstellen für Beratungs-, Unterstützungs- und Bildungsangebote für
Eltern im Sozialraum fungieren und auf diesem indirekten Weg über die Eltern
einen zusätzlichen Beitrag zur Förderung von Kindern leisten. Der Beitrag
skizziert die internationale Einbettung dieser Entwicklung und thematisiert
im Engeren das Projekt Familienzentren NRW, das gegenwärtig ambitionierteste
Vorhaben dieser Art in Deutschland. Beschrieben werden u. a. Ansatz und
Ziele des Projekts sowie die Entwicklung eines Gütesiegels "Familienzentrum
NRW" als Prüfinstrument einer angemessenen Implementierung und als
Steuerungsinstrument für eine outputorientierte Finanzierung. Einen
Schwerpunkt bilden die Erfahrungen mit dem Gütesiegel in der Pilotphase mit
über 250 Einrichtungen. Der Beitrag schließt mit offenen Forschungsfragen
und verweist auf die Notwendigkeit einer intensiven Begleitforschung.
Schlüsselwörter:
Elternbildungsprogramme, Familienzentrum, Gütesiegel,
Kinderrageseinrichtungen, Unterstützung von Familien, Zertifizierung |
|
|
|
Abstract:
From Kindergarten to Family Center -
Concept, development and test of the
quality mark "Family Center NRW"
This article focuses on a new development in German early childhood care and
education centers, i. e. their functional extension to so-called "family
centers". Family centers are designed to provide support, counselling and
training for parents and thereby to foster children's development
indirectly, in addition to the direct care which education centers already
provide for children. Within the context of this international trend, the
article describes the project "Family-Center North-Rhine Westphalia"; the
most ambitious approach presently implemented in Germany. Concept and aims
of the project will be described as well as the development of a
certification procedure to secure appropriate implementation and quality
assurance. A central part of the article deals with the experiences
associated with the certification of 250 centers in a pilot phase. Finally,
open research questions which are crucial for the development of the whole
approach will be formulated.
Keywords:
Certification, early childhood care, education programs, family center,
family support programs, quality assurance |
|
|
|
|
Susanne Viernickel
Reformmodelle für die Ausbildung des frühpädagogischen Fachpersonals
in:
ZfE,
Sonderheft 11-08, S. 123-138
Zusammenfassung:
Seitdem Bildungserfahrungen in der frühen Kindheit nicht nur in
Fachkreisen, sondern auch in der gesamtgesellschaftlichen Wahrnehmung als
bedeutsam für die weitere Bildungsbiografie erkannt wurden, steht parallel
zur Entwicklung frühpädagogischer Curricula und Konzepte auch die Ausbildung
der in den Institutionen tätigen Fachkräfte auf dem Prüfstand. Aktuell
erfolgt ein rascher und weitgehend ungesteuerter Aufbau zahlreicher
Bachelor-Studiengänge im Bereich der Pädagogik der frühen Kindheit, während
der Diskurs über sinnvolle und notwendige Veränderungen der
Erzieherinnenausbildung nach wie vor in vollem Gange ist. In diesem Beitrag
wird nach einem kurzen Abriss der Geschichte und des aktuellen Stands der
fachschulischen Form der Erzieherinnenausbildung in Deutschland der
Diskussionsstand zur Anhebung des formalen Ausbildungsniveaus dargestellt.
Über eine strukturelle und inhaltliche Systematisierung der aktuell
existierenden und in Planung befindlichen Studienangebote wird danach der
Versuch unternommen, sich ihren profilbildenden Besonderheiten anzunähern
und Chancen und Risiken des aktuellen Entwicklungsprozesses zu
identifizieren. Schließlich werden Ansatzpunkte für die Qualitätssicherung
reflektiert.
Schlüsselwörter:
Akademisierung, Erzieherinnenausbildung, Frühpädagogik |
|
|
|
Abstract:
Reform Models for the Training of Staff for Early Childcare
Education and learning in the early years have become important topics in
scientific discourses and in society in general. This has promoted the
development and implementation of concepts and early childhood curricula and
has led to critical perspectives on the professional training of daycare and
kindergarten teachers in Germany. Several universities and colleges of
higher education have begun to offer degree programs in early childhood
education despite the many unsolved questions concerning sensible and
necessary changes to the educational system. This article starts out with a
brief outline of the history and actual state of affairs concerning early
childhood teacher training in Germany and provides some arguments for an
upgrading of the level of formal early childhood teacher education. It then
focuses on an analysis of existing degree programs and their similarities
and differences in both structure and content along with an appreciation of
their innovative potential and the possible risks involved. The article
closes with some reflections on quality management.
Keywords:
Early childhood education, teacher training |
|
|
|
|
Hans-Günther Roßbach, Katharina
Kluczniok, Susanne Kuger
Auswirkungen eines Kindergartenbesuchs auf den
kognitiv-leistungsbezogenen Entwicklungsstand von Kindern
in:
ZfE,
Sonderheft 11-08, S. 139-158
Zusammenfassung:
Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Diskussion um eine stärkere
Bildungsförderung im Kindergarten hat der Beitrag zum Ziel, den aktuellen
Forschungsstand über Auswirkungen eines Besuchs institutioneller
Betreuungsformen in der frühen Kindheit zu sichten. Auf der Basis methodisch
gut abgesicherter Längsschnittstudien wird zentral analysiert, welche
längerfristigen Auswirkungen institutionelle Betreuung und ihre Qualität im
Kindergartenalter auf den kognitiv-leistungsbezogenen Bereich bis in die
Grundschule hinein haben. Des Weiteren wird der Frage nachgegangen, ob sich
kompensatorische Fördereffekte bei Kindern aus benachteiligten Familien
identifizieren lassen und inwieweit die Anregungsqualität von Kindergarten
und Grundschule miteinander in Beziehung stehen. Im Ergebnis lassen sich
generell kurz- und längerfristige positive Auswirkungen eines
Kindergartenbesuchs festhalten. Benachteiligte Kinder profitieren von einem
Kindergartenbesuch insbesondere von einem qualitativ hochwertigen
Kindergartensetting. Ein inkonsistentes Bild ergibt sich im Hinblick auf das
Zusammenspiel von Kindergarten- und Grundschulqualität.
Schlüsselwörter:
Grundschule, Kindergarten, Qualität |
|
|
|
Abstract:
The Effects of Attending a Kindergarten on Children’s Cognitive and
Performance-Related Development
In view of the German discussion regarding a more curriculum guided
education in German preschooling, the present paper summarizes the current
state of international research and analyses the effects of childcare on
early childhood development. The paper analyses the long-term effects
institutional care and education during the preschool years - and its
quality - have on children's cognitive development and achievement in
primary school based on methodologically sound longitudinal studies.
Furthermore it analyses whether family risk factors can be compensated for
and to what extent quality in preschool and in primary school are
interrelated. We conclude that preschool attendance results in overall
positive outcomes in the short-run as well as in the long-run. Especially
children coming from at-risk-families seem to profit from high quality
childcare. However, results concerning the interrelatedness of quality in
preschool and primary school must be seen as inconsistent.
Keywords:
Kindergarten, preschool, quality, elementary school |
|
|
|
|
Susanne Kuger, Katharina
Kluczniok
Prozessqualität im Kindergarten - Konzept,
Umsetzung und Befunde
in:
ZfE,
Sonderheft 11-08, S. 159-178
Zusammenfassung:
Vor dem Hintergrund unterschiedlicher Definitionen von Qualität einer
vorschulischen Bildungs- und Betreuungseinrichtungen in einschlägigen
Untersuchungen entwickelt der vorliegende Beitrag auf theoretischer Basis
ein Konzept der Anregungsqualität in Kindergärten, das verschiedene
Dimensionen (Prozess-, Struktur- und Orientierungsqualität) spezifiziert und
systematisch zwischen globaler und bereichsspezifischer Förderung
unterscheidet. Empirisch umgesetzt wird dieses Konzept im Rahmen der
DFG-Forschergruppe "Bildungsprozesse, Kompetenzentwicklung und
Selektionsentscheidungen im Vor- und Grundschulalter". Der Beitrag berichtet
über das gefundene Qualitätsniveau in Kindergärten und analysiert
Abhängigkeiten der beobachteten Prozessqualitäten von Strukturmerkmalen
einer Einrichtung und Orientierungsmerkmalen des Fachpersonals. Auffällig
ist vor allem die verringerte Prozessqualität einer Kindergartengruppe bei
einem höheren Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund in einer Gruppe
(trotz günstigerer Rahmenbedingungen) und bei einem niedrigeren
Durchschnittsalter in der Gruppe, der durch gezielte pädagogische Maßnahmen
entgegengewirkt werden sollte.
Schlüsselwörter:
Kindergarten, Qualität, Vorschule |
|
|
|
Abstract:
Process Quality in Kindergarten - Concepts,
implementation and findings
The educational quality of early childhood care and education
institutions has been variably defined in the relevant investigations.
Therefore, this paper develops a theoretical concept of quality which
differentiates between quality dimensions (quality of processes, structures
and educational beliefs of teachers) and distinguishes global and
domain-specific aspects of process quality. This concept is being
implemented within the context of a research group on "Educational
processes, competence development and selection decisions at preschool and
primary school age" sponsored by the German Research Foundation. The paper
reports on the quality levels in the sampled kindergarten groups and
analyses the dependency of process quality on structural aspects of
kindergartens and on teachers' educational beliefs. The lower level of
process quality in kindergarten groups with a higher rate of children with a
migration background and with a younger mean age is remarkable and calls for
specific educational interventions.
Keywords:
Kindergarten, preschool, quality |
|
|
|
|
Pam Sammons, Yvonne Anders,
Kathy Sylva, Edward Melhuish, Iram Siraj-Blatchford, Brenda Taggart and
Sofka Barreau
Children's Cognitive
Attainment and Progress in English Primary Schools During Key Stage
2: Investigating the potential continuing influences
of pre-school
education
in:
ZfE,
Sonderheft 11-08, S. 179-198
Abstract:
This paper examines the longer term impact of preschool education and care
on children's cognitive attainment and progress in England using data for a
sample of over 2550 children drawn from 141 pre-school settings collected as
part of a major longitudinal government funded mixed methods study of
effective Pre-school and Primary School Education (EPPE 3-11). It explores
attainment outcomes measured at age 10 (year 5 of primary school) in reading
and mathematics and progress in these areas between ages 6 and 10 using
multilevel models. Several measures of pre-school experience - including
duration in months of attendance, quality of pre-school experience (measured
by systematic observations), and effectiveness of pre-school (derived from
value added analyses of young children's developmental progress in
pre-reading and early number concepts prior to primary school entry) - are
tested as predictors of later cognitive outcomes. The impact of the quality
of the primary school attended measured by independent value added
indicators of academic effectiveness is also explored. Small but significant
continuing positive effects on children's attainment and progress for
measures of pre-school quality and effectiveness are found. The analyses
identify child and family background factors that predict attainment and
progress, particularly the mother's highest qualification level and the home
learning environment. Significant primary school effects are also identified
and the combined influence of pre-school and primary school influences on
attainment is modelled. The policy implications of the results are
discussed.
Keywords:
Pre-school quality, pre-school effectiveness, home learning environment,
primary school academic effectiveness |
|
|
|
Zusammenfassung:
Die Entwicklung kognitiver Leistungen von Kindern in englischen
Grundschulen: Eine Untersuchung der langfristigen Auswirkungen des Besuchs
vorschulischer Bildungseinrichtungen
Der Beitrag untersucht langfristige Auswirkungen von vorschulischer
Erziehung und Betreuung auf die kognitiven Leistungen und die Entwicklung
der Kinder in England anhand einer Stichprobe von mehr als 2550 Kindern aus
141 Vorschuleinrichtungen. Die Daten entstammen dem "Effective Pre-School
and Primary School Education" - Projekt (EPPE 3-11), welches eine groß
angelegte Längsschnittstudie zur Untersuchung effektiver Vorschul- und
Grundschulbildung in England ist, die von der britischen Regierung gefördert
wird. EPPE 3-11 kombiniert quantitative und qualitative Methoden. In dieser
Arbeit werden mit Hilfe von Mehrebenen-Modellen die Einflussfaktoren auf die
Leistungen in Lesen und Mathematik im Alter von 10 Jahren sowie den
Leistungsfortschritt in diesen Bereichen zwischen 6 und 10 Jahren
untersucht. Neben familiären, sozialen und individuellen Einflussfaktoren
werden verschiedene Indikatoren der Vorschulerziehung, wie z.B. die Dauer
des Besuchs, die Qualität und die Effektivität der vorschulischen
Einrichtung als Prädiktoren der späteren kognitiven Leistungen getestet.
Ferner wird der Einfluss der Effektivität der später besuchten Grundschule
einbezogen. Auch im Alter von 10 Jahren lassen sich - unter Kontrolle
sozialer und familiärer Hintergrundvariablen noch kleine, aber signifikante
positive Effekte einer qualitativ hochwertigen bzw. effektiven
Vorschulerziehung auf die Leistungen und den Leistungsfortschritt in Lesen
und Mathematik nachweisen. Auch die Effektivität der Grundschule hat einen
maßgeblichen Einfluss auf die Leistungsentwicklung der Kinder. Die Arbeit
untersucht zusätzlich die kombinierten Effekte von Vorschul- und
Grundschulbildung. Bildungspolitische Implikationen der Resultate werden
diskutiert.
Schlüsselwörter:
Vorschulqualität, Vorschuleffektivität, Familienbildung,
Schuleffektivität |
|
|