Boris Geier und Birgit Riedel

Ungleichheiten der Inanspruchnahme öffentlicher frühpädagogischer Angebote. Einflussfaktoren und Restriktionen elterlicher Betreuungsentscheidungen
in: ZfE, Sonderheft 11-08, S. 11-28

Zusammenfassung:
Angesichts der erwarteten Bildungswirkung von frühpädagogischen Angeboten stellt sich die Frage nach den Gründen für eine unterschiedliche Inanspruchnahme. Der vorliegende Beitrag rückt die Betreuungsentscheidungen der Eltern in den Mittelpunkt und verfolgt die These, dass diese in komplexe Bedingungs- und Motivstrukturen eingebettet sind. Zur Überprüfung dieser These wurde auf der Basis aktueller DJI-Surveydaten analysiert, inwiefern soziodemographische Faktoren, die familiale Lebenssituation, alternative Betreuungsoptionen sowie Überzeugungen und Präferenzen der Eltern ihre Entscheidungen beeinflussen. Die Befunde zeigen neben dem Einfluss familialer und sozioökonomischer Faktoren, dass Einstellungen und Erwartungen der Eltern einen eigenständigen Erklärungswert haben. Die Bedeutung einzelner Faktoren variiert stark mit dem Alter der Kinder. Hervorzuheben ist die Relevanz bildungsbezogener Überlegungen, die für Eltern früh eine Rolle spielen. Umgekehrt spiegeln auch die Gründe für eine Nicht-Inanspruchnahme sowohl angebotsseitige Restriktionen als auch spezifische Betreuungspräferenzen der Eltern wider.

Schlüsselwörter:
Kinderbetreuung, Inanspruchnahme von Kindertageseinrichtungen, soziale Ungleichheit

Abstract:
Inequities in the utilization of institutional childcare services. What influences parental childcare decisions?

The article deals with parents' childcare decisions focusing on differences in the utilization of institutional childcare services. It starts from the assumption that parental childcare decisions are embedded in social and cultural contexts and shaped by parental beliefs and preferences. Using data from a recent survey factors are identified which explain for variations in the use of institutional childcare services. Results indicate that beyond socioeconomic and family factors attitudes and preferences of parents play a distinguishing role. The relative impact of these factors highly varies with the age of children. Generally, parents tend to use institutional childcare services at an earlier age of their children if they think they support children' s development. Reasons for not using institutional childcare services reflect parental preferences as well as supply-side factors.

Keywords:
Childcare services, parental childcare decisions, social inequalities



Grit Mühler und C. Katharina Spieß

Informelle Förderangebote. Eine empirische Analyse ihrer Nutzung in der frühen Kindheit
in: ZfE, Sonderheft 11-08, S. 29-46

Zusammenfassung:
In Deutschland nutzt über die Hälfte aller Kinder unter sechs Jahren informelle Förderangebote, wie z.B. Eltern-Kind-Gruppen, Kinderturnen oder frühkindliche Musik- und Kunsterziehung. Basierend auf den repräsentativen Mikrodaten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) untersucht der vorliegende Beitrag, welche Faktoren die Inanspruchnahme informeller Förderangebote bei Kindern im Vorschulalter in Ost- und Westdeutschland beeinflussen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass Kinder aus westdeutschen Haushalten mit höherem Einkommen und höherem mütterlichen Bildungsniveau eher informelle Förderangebote nutzen. Bei Kindern im Alter von 3-5 Jahren haben informelle Förderangebote eher einen komplementären Charakter, d.h., sie ergänzen den Besuch einer Kindertageseinrichtung. Die Analysen weisen ferner auf einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen der Nutzung informeller Förderangebote und dem adaptiven Verhalten von Kindern hin: Kinder, die turnen oder schwimmen, weisen ceteris paribus höhere Entwicklungsmaße auf als Kinder, die keine sportliche Frühförderung erfahren. Unsere Untersuchung leistet damit einen ersten Beitrag für die multivariate Analyse der Inanspruchnahme von informellen Bildungsangeboten ab dem ersten Lebensjahr bis zum Schuleintritt.

Schlüsselwörter:
Frühe Kindheit, informelle Förderangebote, Mikrodaten, Nutzung frühkindlicher Förderangebote

Abstract:
The attendance of informal early education activities
- an empirical analysis
More than half of the children in Germany under the age of six attend some sort of informal early education activities other than formal early education in daycare centers or family daycare. Among these activities are parent-child-playgroups, sport programs for children or early music or art education. Using representative micro-level data from the German Socio-Economic Panel (SOEP) our study analyses factors which are correlated with the use of informal education activities by families in East and West Germany. Our results show that children in West German households with a high income and higher maternal education use such activities more often. For pre-schoolers aged 3-5 years informal education activities are complementary to the attendance of daycare centers. Moreover, our analyses show a significant relationship between the use of such activities and the adaptive behavior of children. Children who attend sport programs score higher in early development scales compared to children who do not participate in early sports. Thus, our study contributes to the literature providing an empirical analysis of informal activities for children from birth until school entry.

Keywords:
Attendance of early education activities, early childhood, early education activities, micro-data


Detlef Diskowski

Bildungspläne für Kindertagesstätten - ein neues und noch unbegriffenes Steuerungsinstrument
in: ZfE, Sonderheft 11-08, S. 47-62

Zusammenfassung:
Der Autor beschreibt das Steuerungsdefizit in der Kindertagesbetreuung, der ihre Herkunft aus der Fürsorge bis heute anhaftet. Der Staat hat sich zurückzuhalten, hat das Erziehungsrecht der Eltern und die Trägerhoheit zu achten und zu fördern. Vor einem solchen Hintergrund stellt die Einführung von Bildungsplänen eine neue und mit den Traditionen radikal brechende Entwicklung dar. Das sich hiermit anbahnende Ende der fachlich-inhaltlichen Beliebigkeit wird als Fortschritt angesehen, dessen Bedeutung für die Kindertagesbetreuung kaum zu überschätzen sei. Im Mittelteil des Beitrags wird anhand einiger ausgewählter Aspekte der Bildungspläne ein Überblick über den Stand der Entwicklung gegeben. Im letzten Teil mahnt der Autor die noch ausstehende Reflektion dieses neuen Steuerungsinstruments an. Diese sei erforderlich, um Über- aber auch Unterschätzungen der möglichen Wirkungen zu vermeiden. Eine solche Reflektion sollte eine mehrperspektivische sein, die praktisch-pädagogische, konzeptionelle, theoretische wie auch rechtlich-politische Aspekte einbezieht. Die empfohlene Weiterentwicklung der Bildungspläne sollte sich auf die Herausarbeitung des träger- und konzeptunabhängigen normativen Kerns konzentrieren und Vermischungen mit pädagogischen Handlungskonzepten vermeiden.

Schlüsselwörter:
Bildungspläne, Kindertagesbetreuung, Kompetenzen, Steuerung

Abstract:
Educational Plans for Kindergartens
- A new and unrecognized steering instrument
The author describes the lack of policy in childcare provision, where the traditional elements of charity and social care still dominate. According to this concept, government is therefore expected to stand back, to respect the rights of parents in education, and to support and promote the non-governmental providers of childcare. The introduction of educational planning and of curricula is a new development that challenges this tradition radically. We see the abolishment of educational arbitrariness as progress that can hardly be overestimated in its importance for childcare. The middle section of the article gives an overview of the current status of development by citing selected aspects of educational curricula. In the last section the author argues for the evaluation of this new steering instrument in order to gain realistic information about its effects. Such evaluation should be multi-dimensional, including pedagogical, conceptual, theoretical, and legal and political aspects. The further development of educational policy should then concentrate on a normative core and should avoid interfering with the concepts and pedagogical action of daycare providers.

Keywords:
Child daycare, competences, educational curricula, steering


Lilian Fried

Pädagogische Sprachdiagnostik für Vorschulkinder - Dynamik, Stand und Ausblick
in: ZfE, Sonderheft 11-08, S. 63-78

Zusammenfassung:
Ausgangspunkt ist, dass die Pädagogische Sprachdiagnostik für Vorschulkinder in Deutschland derzeit einen "Entwicklungsschub" erlebt. Als Auslöser werden politische Motive genannt - insbesondere professions-, gesundheits-, sozial- und bildungspolitische Motive. Vor diesem Hintergrund wird der aktuelle Diskussionsstand bilanziert. Dabei wird auf vier Vorarbeiten zurückgegriffen: (1) die Dokumentation und Analyse des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge der "Sprachförderangebote von Bund, Ländern, Kommunen, Kreisen sowie privaten Trägern", (2) die Expertise zu "Sprachstandserhebungen für Kindergartenkinder und Schulanfänger" von Fried, (3) die Expertise zur "Sprachaneignung und deren Feststellung bei Kindern mit und ohne Migrationshintergrund" von Ehlich et al. und (4) die Expertise von Weinert, Doil und Frevert zu "Kompetenzmessungen im Vorschulalter". Es werden Unterschiede zwischen den Herangehensweisen verdeutlicht und gemeinsame Erkenntnisse sowie Folgerungen hervorgehoben. Im Abgleich mit der internationalen Sprachtestforschung werden zukünftige Herausforderungen identifiziert. Am Beispiel der "Sprachkompetenzmessung" wird angedeutet, welch hohe Ansprüche damit verbunden sind.

Schlüsselwörter:
Messung linguistischer Kompetenzen, Sprachdiagnostik, Teststandards, Vorschulalter

Abstract:
Pedagogical Language Diagnostics for Preschool Children - Dynamics, developments and future prospects

Starting point will be the fact that currently in Germany there is a "developmental spurt" in educational language-specific diagnostics of preschool children. This is seen to be triggered by political motives - particularly those related to professions, healthcare, social and educational policy. The state of current debates will be presented against this background. For this, four studies will be analyzed: (1) the documentation and analysis by the Federal Board of Migration and Refugees of "Language acquisition provisions by the Federal Government, the Federal States, municipalities, districts, as well as private institutions", (2) the experts' report on "Language tests and assessments for kindergarten children and school beginners" by Fried, (3) the experts' report by Ehlich et al. on "Language acquisition and its analysis for children with and without a migration background", and (4) the experts' report by Weinert, Doil and Frevert on "Skills measurement during pre-school age". Differences between the approaches will be explained and common insights as well as conclusions will be emphasized. Future challenges will be identified by comparing this analysis with international research. The high demands which are connected with fulfilling these challenges will be demonstrated using the example of "language competency measurement".

Keywords:
Language diagnostics, linguistic competence measurement, preschool age, test standards


Ingrid Gogolin

Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund im Elementarbereich
in: ZfE, Sonderheft 11-08, S. 79-90

Zusammenfassung:
Die frühe Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund wird im folgenden Beitrag mit Fokus auf den Aspekt der sprachlichen Entwicklung und Förderung vorgestellt. Berichtet wird zunächst der Forschungsstand zur Frage, welchen Einfluss das Aufwachsen mit zwei oder mehr Sprachen auf die frühe Sprachentwicklung hat und was hieraus für die Förderung folgt. Sodann wird das Problem der Aneignung bildungsrelevanter sprachlicher Fähigkeiten behandelt, und es werden Argumente für längere Dauer und Kontinuität einer systematischen Sprachförderung vorgestellt.

Schlüsselwörter:
Migrationshintergrund, Zweisprachigkeit, Bildungssprache

Abstract:
Support for Immigrant Minority Children of Pre School Age

The contribution presents the problem of fostering and education of immigrant minority children of pre school age with a focus on the question of language development and support. At first it presents research results on language development in a bilingual or multilingual situation and draws conclusions from this for the design of early language education programs. At second, the problem of acquisition of "academic language" is discussed. Considering research results, arguments for longer duration and continuity of language education programs for ethnic minority children are presented.

Keywords:
Immigrant minorities, Bilingualism, Academic Language


Kristin Krajewski, Agnes Renner, Gerhild Nieding, Wolfgang Schneider

Frühe Förderung von mathematischen Kompetenzen im Vorschulalter
in: ZfE, Sonderheft 11-08, S. 91-104

Zusammenfassung:
Nach aktuellen Kenntnissen über den Erwerb mathematischer Kompetenzen bei Kindern sollte sich eine frühe Förderung am natürlichen Entwicklungsverlauf mathematischer Kompetenzen orientieren. Vor diesem Hintergrund wurde in einer Pilotstudie überprüft, inwieweit sich frühe Mengen-Zahlen-Kompetenzen auf drei verschiedenen Ebenen durch das Konzept "Mengen, zählen, Zahlen" (MZZ, Krajewski/Nieding/Schneider 2007) bei Vorschulkindern fördern lassen. In der vorliegenden Untersuchung interessierte im Besonderen, ob sich differenzierte Fördereffekte in Abhängigkeit vom Alter der geförderten Vorschulkinder finden lassen. Es zeigte sich eine generelle Überlegenheit der mit dem MZZ geförderten Kinder gegenüber einer Kontrollgruppe ohne systematische Förderung. Darüber hinaus fanden sich altersspezifische Fördereffekte insofern, als die jüngeren Vorschulkinder vor allem auf der ersten Ebene früher Mengen-Zahlen-Kompetenzen profitierten, während die mittlere Altersgruppe auf den ersten beiden und die älteren Vorschulkinder v.a. auf der dritten Kompetenzebene zulegten. Die Ergebnisse zeigen, dass eine differenzierte mathematische Frühförderung möglich und besonders dann erfolgreich ist, wenn sie sich am jeweiligen Entwicklungsstand der Kinder orientiert.

Schlüsselwörter:
Mathematische Entwicklung, Entwicklungsmodell, Mengen-Zahlen-Kompetenz, mathematische Frühförderung, Trainingsstudie

Abstract:
Early Training of Quantity
- Number Competencies in Preschool
Encouragement of the acquisition of early quantity-number competencies should be guided by the natural numerical development. Keeping this in mind the present study proved if the training concept "Quantities, counting, numbers" (Krajewski/Nieding/Schneider 2007) can encourage early numerical competencies via three levels in the last year of kindergarten, effectively. Particularly, age effects should be considered. Results showed significant effects in quantity-number competencies for the training group compared with the control group without structured encouragement. Moreover, the youngest preschoolers improved above all on the first level of competence, the middle-aged preschoolers on the first and second level and the oldest preschoolers on the third level of competence.

Keywords:
Mathematical development, developmental model, quantity-number competence, early mathematical training, training study


Sybille Stöbe-Blossey, Susanne Mierau, Wolfgang Tietze

Von der Kindertageseinrichtung zum Familienzentrum - Konzeption, Entwicklungen und Erprobung des Gütesiegels "Familienzentrum NRW"
in: ZfE, Sonderheft 11-08, S. 105-122

Zusammenfassung:
Der Beitrag thematisiert die Funktionserweiterung von Kindertageseinrichtungen zu Familienzentren. Über die klassische Aufgabe der Bildung, Betreuung und Erziehung hinaus sollen Familienzentren als Anlaufstellen für Beratungs-, Unterstützungs- und Bildungsangebote für Eltern im Sozialraum fungieren und auf diesem indirekten Weg über die Eltern einen zusätzlichen Beitrag zur Förderung von Kindern leisten. Der Beitrag skizziert die internationale Einbettung dieser Entwicklung und thematisiert im Engeren das Projekt Familienzentren NRW, das gegenwärtig ambitionierteste Vorhaben dieser Art in Deutschland. Beschrieben werden u. a. Ansatz und Ziele des Projekts sowie die Entwicklung eines Gütesiegels "Familienzentrum NRW" als Prüfinstrument einer angemessenen Implementierung und als Steuerungsinstrument für eine outputorientierte Finanzierung. Einen Schwerpunkt bilden die Erfahrungen mit dem Gütesiegel in der Pilotphase mit über 250 Einrichtungen. Der Beitrag schließt mit offenen Forschungsfragen und verweist auf die Notwendigkeit einer intensiven Begleitforschung.

Schlüsselwörter:
Elternbildungsprogramme, Familienzentrum, Gütesiegel, Kinderrageseinrichtungen, Unterstützung von Familien, Zertifizierung

Abstract:
From Kindergarten to Family Center
- Concept, development and test of the quality mark "Family Center NRW"
This article focuses on a new development in German early childhood care and education centers, i. e. their functional extension to so-called "family centers". Family centers are designed to provide support, counselling and training for parents and thereby to foster children's development indirectly, in addition to the direct care which education centers already provide for children. Within the context of this international trend, the article describes the project "Family-Center North-Rhine Westphalia"; the most ambitious approach presently implemented in Germany. Concept and aims of the project will be described as well as the development of a certification procedure to secure appropriate implementation and quality assurance. A central part of the article deals with the experiences associated with the certification of 250 centers in a pilot phase. Finally, open research questions which are crucial for the development of the whole approach will be formulated.

Keywords:
Certification, early childhood care, education programs, family center, family support programs, quality assurance


Susanne Viernickel

Reformmodelle für die Ausbildung des frühpädagogischen Fachpersonals
in: ZfE, Sonderheft 11-08, S. 123-138

Zusammenfassung:
Seitdem Bildungserfahrungen in der frühen Kindheit nicht nur in Fachkreisen, sondern auch in der gesamtgesellschaftlichen Wahrnehmung als bedeutsam für die weitere Bildungsbiografie erkannt wurden, steht parallel zur Entwicklung frühpädagogischer Curricula und Konzepte auch die Ausbildung der in den Institutionen tätigen Fachkräfte auf dem Prüfstand. Aktuell erfolgt ein rascher und weitgehend ungesteuerter Aufbau zahlreicher Bachelor-Studiengänge im Bereich der Pädagogik der frühen Kindheit, während der Diskurs über sinnvolle und notwendige Veränderungen der Erzieherinnenausbildung nach wie vor in vollem Gange ist. In diesem Beitrag wird nach einem kurzen Abriss der Geschichte und des aktuellen Stands der fachschulischen Form der Erzieherinnenausbildung in Deutschland der Diskussionsstand zur Anhebung des formalen Ausbildungsniveaus dargestellt. Über eine strukturelle und inhaltliche Systematisierung der aktuell existierenden und in Planung befindlichen Studienangebote wird danach der Versuch unternommen, sich ihren profilbildenden Besonderheiten anzunähern und Chancen und Risiken des aktuellen Entwicklungsprozesses zu identifizieren. Schließlich werden Ansatzpunkte für die Qualitätssicherung reflektiert.

Schlüsselwörter:
Akademisierung, Erzieherinnenausbildung, Frühpädagogik

Abstract:
Reform Models for the Training of Staff for Early Childcare

Education and learning in the early years have become important topics in scientific discourses and in society in general. This has promoted the development and implementation of concepts and early childhood curricula and has led to critical perspectives on the professional training of daycare and kindergarten teachers in Germany. Several universities and colleges of higher education have begun to offer degree programs in early childhood education despite the many unsolved questions concerning sensible and necessary changes to the educational system. This article starts out with a brief outline of the history and actual state of affairs concerning early childhood teacher training in Germany and provides some arguments for an upgrading of the level of formal early childhood teacher education. It then focuses on an analysis of existing degree programs and their similarities and differences in both structure and content along with an appreciation of their innovative potential and the possible risks involved. The article closes with some reflections on quality management.

Keywords:
Early childhood education, teacher training


Hans-Günther Roßbach, Katharina Kluczniok, Susanne Kuger

Auswirkungen eines Kindergartenbesuchs auf den kognitiv-leistungsbezogenen Entwicklungsstand von Kindern
in: ZfE, Sonderheft 11-08, S. 139-158

Zusammenfassung:
Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Diskussion um eine stärkere Bildungsförderung im Kindergarten hat der Beitrag zum Ziel, den aktuellen Forschungsstand über Auswirkungen eines Besuchs institutioneller Betreuungsformen in der frühen Kindheit zu sichten. Auf der Basis methodisch gut abgesicherter Längsschnittstudien wird zentral analysiert, welche längerfristigen Auswirkungen institutionelle Betreuung und ihre Qualität im Kindergartenalter auf den kognitiv-leistungsbezogenen Bereich bis in die Grundschule hinein haben. Des Weiteren wird der Frage nachgegangen, ob sich kompensatorische Fördereffekte bei Kindern aus benachteiligten Familien identifizieren lassen und inwieweit die Anregungsqualität von Kindergarten und Grundschule miteinander in Beziehung stehen. Im Ergebnis lassen sich generell kurz- und längerfristige positive Auswirkungen eines Kindergartenbesuchs festhalten. Benachteiligte Kinder profitieren von einem Kindergartenbesuch insbesondere von einem qualitativ hochwertigen Kindergartensetting. Ein inkonsistentes Bild ergibt sich im Hinblick auf das Zusammenspiel von Kindergarten- und Grundschulqualität.

Schlüsselwörter:
Grundschule, Kindergarten, Qualität

Abstract:
The Effects of Attending a Kindergarten on Children’s Cognitive and Performance-Related Development

In view of the German discussion regarding a more curriculum guided education in German preschooling, the present paper summarizes the current state of international research and analyses the effects of childcare on early childhood development. The paper analyses the long-term effects institutional care and education during the preschool years - and its quality - have on children's cognitive development and achievement in primary school based on methodologically sound longitudinal studies. Furthermore it analyses whether family risk factors can be compensated for and to what extent quality in preschool and in primary school are interrelated. We conclude that preschool attendance results in overall positive outcomes in the short-run as well as in the long-run. Especially children coming from at-risk-families seem to profit from high quality childcare. However, results concerning the interrelatedness of quality in preschool and primary school must be seen as inconsistent.

Keywords:
Kindergarten, preschool, quality, elementary school


Susanne Kuger, Katharina Kluczniok

Prozessqualität im Kindergarten - Konzept, Umsetzung und Befunde
in: ZfE, Sonderheft 11-08, S. 159-178

Zusammenfassung:
Vor dem Hintergrund unterschiedlicher Definitionen von Qualität einer vorschulischen Bildungs- und Betreuungseinrichtungen in einschlägigen Untersuchungen entwickelt der vorliegende Beitrag auf theoretischer Basis ein Konzept der Anregungsqualität in Kindergärten, das verschiedene Dimensionen (Prozess-, Struktur- und Orientierungsqualität) spezifiziert und systematisch zwischen globaler und bereichsspezifischer Förderung unterscheidet. Empirisch umgesetzt wird dieses Konzept im Rahmen der DFG-Forschergruppe "Bildungsprozesse, Kompetenzentwicklung und Selektionsentscheidungen im Vor- und Grundschulalter". Der Beitrag berichtet über das gefundene Qualitätsniveau in Kindergärten und analysiert Abhängigkeiten der beobachteten Prozessqualitäten von Strukturmerkmalen einer Einrichtung und Orientierungsmerkmalen des Fachpersonals. Auffällig ist vor allem die verringerte Prozessqualität einer Kindergartengruppe bei einem höheren Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund in einer Gruppe (trotz günstigerer Rahmenbedingungen) und bei einem niedrigeren Durchschnittsalter in der Gruppe, der durch gezielte pädagogische Maßnahmen entgegengewirkt werden sollte.

Schlüsselwörter:
Kindergarten, Qualität, Vorschule

Abstract:
Process Quality in Kindergarten
- Concepts, implementation and findings
The educational quality of early childhood care and education institutions has been variably defined in the relevant investigations. Therefore, this paper develops a theoretical concept of quality which differentiates between quality dimensions (quality of processes, structures and educational beliefs of teachers) and distinguishes global and domain-specific aspects of process quality. This concept is being implemented within the context of a research group on "Educational processes, competence development and selection decisions at preschool and primary school age" sponsored by the German Research Foundation. The paper reports on the quality levels in the sampled kindergarten groups and analyses the dependency of process quality on structural aspects of kindergartens and on teachers' educational beliefs. The lower level of process quality in kindergarten groups with a higher rate of children with a migration background and with a younger mean age is remarkable and calls for specific educational interventions.

Keywords:
Kindergarten, preschool, quality


Pam Sammons, Yvonne Anders, Kathy Sylva, Edward Melhuish, Iram Siraj-Blatchford, Brenda Taggart and Sofka Barreau

Children's Cognitive Attainment and Progress in English Primary Schools During Key Stage 2: Investigating the potential continuing influences of pre-school education
in: ZfE, Sonderheft 11-08, S. 179-198

Abstract:
This paper examines the longer term impact of preschool education and care on children's cognitive attainment and progress in England using data for a sample of over 2550 children drawn from 141 pre-school settings collected as part of a major longitudinal government funded mixed methods study of effective Pre-school and Primary School Education (EPPE 3-11). It explores attainment outcomes measured at age 10 (year 5 of primary school) in reading and mathematics and progress in these areas between ages 6 and 10 using multilevel models. Several measures of pre-school experience - including duration in months of attendance, quality of pre-school experience (measured by systematic observations), and effectiveness of pre-school (derived from value added analyses of young children's developmental progress in pre-reading and early number concepts prior to primary school entry) - are tested as predictors of later cognitive outcomes. The impact of the quality of the primary school attended measured by independent value added indicators of academic effectiveness is also explored. Small but significant continuing positive effects on children's attainment and progress for measures of pre-school quality and effectiveness are found. The analyses identify child and family background factors that predict attainment and progress, particularly the mother's highest qualification level and the home learning environment. Significant primary school effects are also identified and the combined influence of pre-school and primary school influences on attainment is modelled. The policy implications of the results are discussed.

Keywords:
Pre-school quality, pre-school effectiveness, home learning environment, primary school academic effectiveness

Zusammenfassung:
Die Entwicklung kognitiver Leistungen von Kindern in englischen Grundschulen: Eine Untersuchung der langfristigen Auswirkungen des Besuchs vorschulischer Bildungseinrichtungen
Der Beitrag untersucht langfristige Auswirkungen von vorschulischer Erziehung und Betreuung auf die kognitiven Leistungen und die Entwicklung der Kinder in England anhand einer Stichprobe von mehr als 2550 Kindern aus 141 Vorschuleinrichtungen. Die Daten entstammen dem "Effective Pre-School and Primary School Education" - Projekt (EPPE 3-11), welches eine groß angelegte Längsschnittstudie zur Untersuchung effektiver Vorschul- und Grundschulbildung in England ist, die von der britischen Regierung gefördert wird. EPPE 3-11 kombiniert quantitative und qualitative Methoden. In dieser Arbeit werden mit Hilfe von Mehrebenen-Modellen die Einflussfaktoren auf die Leistungen in Lesen und Mathematik im Alter von 10 Jahren sowie den Leistungsfortschritt in diesen Bereichen zwischen 6 und 10 Jahren untersucht. Neben familiären, sozialen und individuellen Einflussfaktoren werden verschiedene Indikatoren der Vorschulerziehung, wie z.B. die Dauer des Besuchs, die Qualität und die Effektivität der vorschulischen Einrichtung als Prädiktoren der späteren kognitiven Leistungen getestet. Ferner wird der Einfluss der Effektivität der später besuchten Grundschule einbezogen. Auch im Alter von 10 Jahren lassen sich - unter Kontrolle sozialer und familiärer Hintergrundvariablen noch kleine, aber signifikante positive Effekte einer qualitativ hochwertigen bzw. effektiven Vorschulerziehung auf die Leistungen und den Leistungsfortschritt in Lesen und Mathematik nachweisen. Auch die Effektivität der Grundschule hat einen maßgeblichen Einfluss auf die Leistungsentwicklung der Kinder. Die Arbeit untersucht zusätzlich die kombinierten Effekte von Vorschul- und Grundschulbildung. Bildungspolitische Implikationen der Resultate werden diskutiert.

Schlüsselwörter:
Vorschulqualität, Vorschuleffektivität, Familienbildung, Schuleffektivität


Startseite/Homepage             © Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, Stand: 17.01.2009