|
Claus H.
Carstensen, Manfred Prenzel und Jürgen Baumert
Trendanalysen
in PISA: Wie haben sich die Kompetenzen in Deutschland zwischen PISA 2000
und PISA 2006 entwickelt?
in:
ZfE,
Sonderheft 10-08, S. 11-34
Zusammenfassung
Die
Veröffentlichungen von Ergebnissen der letzten PISA-Erhebung geben Anlass,
Möglichkeiten und Grenzen von Trendanalysen in internationalen
Vergleichsstudien mit komplexen Testdesigns zu untersuchen. Der Beitrag
schließt an Trendanalysen an, die in Deutschland bei PISA 2006 durchgeführt
wurden. In einem ersten Schritt werden Voraussetzungen für Trendanalysen bei
Studien wie PISA benannt, um dann anhand der Daten aus den drei Erhebungen
in Deutschland zu prüfen, ob sie erfüllt sind. Im Zentrum des Beitrags steht
die Diskussion eines Modells für Trendanalysen innerhalb eines Staates, das
auch dann angewendet werden kann, wenn bestimmte Voraussetzungen für
Trendanalysen mit den internationalen Kompetenzindikatoren nicht gegeben
sind. Die Ergebnisse einer Anwendung dieses Modells auf die deutschen Daten
für alle drei Kompetenzbereiche (Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften)
werden vorgestellt und interpretiert. Dabei werden die Einschränkungen
bezüglich einer international vergleichenden Interpretation hervorgehoben.
Im Ausblick werden weiterführende Möglichkeiten diskutiert, in einer Studie
wie PISA mit denselben Kompetenzindikatoren sowohl querschnittliche
Vergleiche als auch tragfähige Trendanalysen durchführen zu können.
|
|
|
Summary
Trend Analyses in PISA: How Has Student
Literacy Developed in Germany From PISA 2000 to
PISA 2006?
The publication of the results of the last PISA study prompts an examination
of the possibilities and limitations of trend analyses of international
comparative studies with complex test designs. This paper follows up on
trend analyses which were carried out in Germany for PISA 2006. In a first
step, the requirements for trend analyses of studies such as PISA will be
stated in order to then test whether they are fulfilled by using the data
from the three PISA cycles in Germany. The discussion of a model for trend
analyses within a country which can even be used if certain requirements for
trend analyses using the international competency indicators are not
fulfilled is at the core of this paper. The results of an application of
this model to the German data for all three domains (reading, mathematics,
science) will be presented and interpreted. The limitations with regard to
an interpretation at the level of an international comparison will thereby
be highlighted. With regard to future prospects, further possibilities of
using the same competency indicators to carry out both cross-sectional
comparisons and also sustainable trend analyses in a study such as PISA will
be discussed. |
|
|
|
|
|
|
Cordula Artelt,
Barbara Drechsel, Wilfried Bos und Tobias C. Stubbe
Lesekompetenz
in PISA und PIRLS/IGLU - ein Vergleich
in:
ZfE,
Sonderheft 10-08, S. 35-52
Zusammenfassung:
PISA und PIRLS/IGLU sind zwei in Deutschland intensiv diskutierte
internationale Vergleichsstudien, die sich mit der Lesekompetenz von
Schülerinnen und Schülern am Ende der Sekundarstufe bzw. am Ende der
Primarstufe befassen. Mit dem Ziel, die Vergleichsmöglichkeiten der
Studien und ihrer bildungspolitischen Konsequenzen auszuloten, werden
nach einer kurzen Zusammenfassung der zentralen Befunde zunächst
Unterschiede und Gemeinsamkeiten in Bezug auf Anlage und Inhalte beider
Studien dargestellt. Nach Darlegung der Gründe, die gegen einen direkten
Vergleich der Kennwerte aus beiden Studien sprechen, wird besonders auf
die Implikationen des jeweils zugrunde gelegten Lesekompetenzbegriffs
eingegangen. Anschließend erfolgt eine Analyse der 13 Staaten, die an
beiden Studien in beiden Erhebungsrunden teilgenommen haben. Diese weist
einerseits auf deutliche Parallelitäten der Veränderungen in beiden
Studien hin. Die Betrachtung über die Zeit macht andererseits deutlich,
dass gutes Abschneiden am Ende der Grundschule kein Garant für hohe
Lesekompetenz am Ende der Sekundarstufe ist. Abschließend werden einige
gängige Interpretationen für das Abschneiden Deutschlands bei PIRLS/IGLU
und das schlechte Abschneiden bei PISA kritisch diskutiert.
Schlüsselwörter:
Lesekompetenz, internationale Vergleichsstudien, Grundschule,
Sekundarstufe I
|
|
|
|
Abstract:
Reading Literacy in PISA and PIRLS: A Comparison
PISA and PIRLS are two international comparative studies which are the focus
of intense discussion in Germany. PISA and PIRLS deal with the reading
literacy of students at the end of secondary and primary schooling,
respectively. With the aim of finding out if and how the studies can be
compared with each other and what their consequences for educational policy
are, the differences and similarities in their design and content will be
presented after a brief summary of the main results. After demonstrating the
reasons which argue against a direct comparison of the results of both
studies, the implications of the underlying concepts of reading literacy in
both studies will be addressed in detail. An analysis of the 13 countries
which participated in both surveys of both studies then follows. On the one
hand, this points to clear parallels between the changes that took place
between both surveys. On the other hand, it becomes clear that good results
at the end of primary school are no guarantee for a high level of reading
literacy at the end of compulsory secondary schooling. Finally, some common
interpretations of Germany' s results in PIRLS and its bad results in PISA
will be critically discussed.
Keywords:
Reading literacy, International Large Seale Assessments, Elementary School,
Secondary School
|
|
|
|
|
Katrin Schöps,
Martin Senkbeil, Kerstin Schütte
Umweltbezogene
Einstellungen von Jugendlichen in Deutschland - Ergebnisse aus PISA 2006
in:
ZfE,
Sonderheft 10-08, S. 53-78
Zusammenfassung
Diese Studie untersucht anhand von
Daten aus PISA 2006 das selbstberichtete Umweltwissen, die Wahrnehmung von
Umweltproblemen und die Einstellung zu Umweltmaßnahmen von 15-jährigen
Jugendlichen in Deutschland. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der relativen
Bedeutung der sozialen Herkunft, bestimmter Schul- und Unterrichtsfaktoren
sowie selbstinitiierter Freizeitaktivitäten für die Ausprägung dieser
umweltbezogenen Merkmale. Die Ergebnisse zeigen, dass Jugendliche unterer
Sozialschichten gegenüber Jugendlichen aus oberen Sozialschichten deutliche
Defizite im Umweltwissen und eine negativere Einstellung zu Umweltmaßnahmen
aufweisen. Korrespondierende Befunde ergeben sich für untere und höhere
Schularten. In der Freizeit ausgeübte naturwissenschaftsbezogene
Medienaktivitäten sind der stärkste Prädiktor für die Einstellung zu
Umweltmaßnahmen; für das Umweltwissen spielen schulbezogene Merkmale die
größte Rolle. Schulartspezifische Analysen zeigen, dass die Schule für das
Umweltwissen von Jugendlichen der Hauptschule und der IGS die wichtigste
Rolle spielt. Diese Schülerinnen und Schüler eignen sich anteilig weniger
Informationen über Freizeitaktivitäten selbst an als z.B. Gymnasiasten;
folglich hat die Schule als Informations- und Lerninstanz über Umweltthemen
für diese Jugendlichen eine Schlüsselfunktion.
Schlüsselwörter:
Umwelteinstellungen, Umweltwissen, PISA 2006, Deutschland |
|
|
|
Abstract:
Environmental Attitudes of Adolescents in Germany: Findings From PISA
2006
Data from PISA 2006 were used to investigate the selfreported environmental
knowledge of fifteen year old students, their perception of environmental
problems and their attitude towards environmental measures. In this context,
the study placed particular emphasis on the importance of social background
variables, school variables, teaching practices and leisure activities.
Students from socially disadvantaged backgrounds had marked deficits in
their environmental knowledge and a less positive attitude towards
environmental measures than students from socially more advantaged
backgrounds. Corresponding results can be reported for lower and higher
school types. However, media activities with a science focus were the
strongest predictors for the students' attitude towards environmental
measures; for their environmental knowledge, school factors played the most
important role. School type-specific analyses revealed that school was the
main source of information for the environmental knowledge of students from
Hauptschulen (lower-track schools) and Integrierte Gesamtschulen
(comprehensive schools). These students acquire less information during
leisure time activities than - for example- students that are attending a
Gymnasium (higher-track school). Therefore, for these students, school plays
a key role in the acquisition of environmental knowledge.
Keywords:
Attitude towards the environment, environmental knowledge, PISA 2006,
Germany
|
|
|
|
|
Päivi Taskinen,
Regine Asseburg, Oliver Walter
Wer möchte
später einen naturwissenschaftsbezogenen oder technischen Beruf ergreifen?
Kompetenzen, Selbstkonzept und Motivationen als Prädiktoren der
Berufserwartungen in PISA 2006
in:
ZfE,
Sonderheft 10-08, S. 79-106
Zusammenfassung:
Im Rahmen von PISA 2006 wurden Jugendliche danach gefragt,
welchen Beruf sie im Alter von 30 Jahren ihrer Meinung nach ausüben werden.
Die Antworten können wichtige Informationen zu zwei Fragen liefern. Zum
einen kann gezeigt werden, wie hoch der Anteil von Jugendlichen ist, die
sich vorstellen können, einem auf dem Arbeitsmarkt stark nachgefragten
MINT-Beruf (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik)
nachzugehen. Zum anderen können Zusammenhänge untersucht werden, die einen
Hinweis darauf liefern können, welche in PISA untersuchten Schülermerkmale
(Kompetenzen, Fähigkeitsselbstkonzept in Naturwissenschaften, instrumentelle
Lernmotivation, Interesse an Naturwissenschaften) für die Erwartung wichtig
sind, einem solchen Beruf nachzugehen. Die Berufsangaben von ca. 7000
Neuntklässlerinnen und Neuntklässlern standen für die Analysen zur
Verfügung. Jugendliche mit der Erwartung, später einem MINT-Beruf
nachzugehen, weisen durchschnittlich günstigere Ausprägungen in den
untersuchten Schülermerkmalen auf als andere Jugendliche. In den
Zusammenhangsanalysen haben die Schülermerkmale jedoch nur teilweise
Erklärungskraft für die Berufserwartung. Dabei spielt die instrumentelle
Motivation eine wichtigere Rolle als die anderen untersuchten
Schülermerkmale. Mädchen können sich deutlich seltener vorstellen, im
Erwachsenenalter einem technischen Beruf nachzugehen, als Jungen, auch wenn
sie über gleich hohe Kompetenzen und Motivationen sowie über ein genauso
stark ausgeprägtes Fähigkeitsselbstkonzept in den Naturwissenschaften
verfügen.
Schlüsselwörter:
PISA, Berufswahl, MINT-Beruf, Naturwissenschaften und Technik,
Kompetenz, Motivation |
|
|
|
Abstract:
Who Aspires to a Scientific or Technical Occupation? Student Literacy,
Self-Concept, and Motivations as Predictors of Occupational Expectations in
PISA 2006
Within the context of the 2006 Programme for International Student
Assessment students were asked what kind of job they expected to have at age
30. The answers can help address two issues. First, the proportion of
students who expect to have a job in the fields of Mathematics, Informatics
(Computer Science), Natural Sciences or Technologies will be examined. These
occupations are represented by the acronym MINT; in Germany, MINT
occupations suffer from a shortage of employees. Second, science-related
student characteristics and motivations (scientific and mathematical
literacy, self-concept in science, instrumental motivation and interest in
studying science) will be investigated with regard to the role they play in
students' expectation of having a MINT job at the age of 30. Analyses are
based on a sample of about 7000 grade 9 students. Students who expect to
have a MINT job reported higher levels of student engagement than students
who do not expect to have a MINT job. However, students' science-related
characteristics explain their job expectations to a moderate extent only.
Among these, instrumental motivation was found to have the strongest
association with MINT job expectation. Separate analyses of boys and girls
illustrate that lower proportions of girls than boys expect to have a
technical or engineering job at the age of 30 despite equal levels of
literacy and motivation and a positive self-concept in science.
Keywords:
PISA, career expectation, MINT job, Science and technology, literacy,
motivation |
|
|
|
|
|
Martin
Senkbeil und Jörg Wittwer
Antezedenzien
und Konsequenzen informellen Lernens am Beispiel der Mediennutzung von
Jugendlichen
in:
ZfE,
Sonderheft 10-08, S. 107-128
Zusammenfassung:
Während die Bedeutung informeller Lernprozesse für den Kompetenzerwerb
unbestritten ist, liegen bislang wenige empirische Untersuchungen hierzu
vor. Deshalb werden in diesem Artikel die Bedingungen und Konsequenzen
informeller Lernprozesse am Beispiel der freizeitbezogenen Medienaktivitäten
von Jugendlichen in den Blick genommen. Auf der Grundlage der PISA
2006-Stichprobe aus Deutschland wurde untersucht, in welcher Weise die Art
der Mediennutzung durch die soziale Herkunft beeinflusst ist und sich
differentiell auf die schulische Kompetenz auswirkt. Die Ergebnisse zeigten,
dass sich Jugendliche in der Art ihrer Mediennutzung voneinander
unterschieden, was zu einem erheblichen Anteil durch familiäre Struktur- und
Prozessmerkmale zu erklären war. Zudem schienen Jugendliche, die vor allem
anspruchsvollen Medienaktivitäten nachgingen, infolge informeller
Lernprozesse höhere Kompetenzen in den Bereichen Naturwissenschaften und
Lesen aufzuweisen. Die Befunde verdeutlichen die Wichtigkeit informeller
Lernprozesse für die schulische Kompetenz und lassen vermuten, dass soziale
Ungleichheiten bei der Kompetenzentwicklung aufgrund einer unterschiedlichen
Nutzung von Medien und damit einhergehenden informellen Lerngelegenheiten
reproduziert oder gar vergrößert werden.
Schlüsselwörter:
Informelles Lernen, Mediennutzung, Schulische Kompetenzen, Soziale
Disparitäten |
|
|
|
Abstract:
Antecedents and Consequences of Informal Learning: The
Example of Adolescents’ Media Use
Although it is recognized that informal learning plays an important role in
academic achievement, little is known about the antecedents and consequences
of informal learning activities. In this article, we take a step towards
filling this gap and investigate students' media use as a practice of
informal learning. On the basis of the German sample of PISA 2006, the
extent to which students' media use is related to their socioeconomic
background and how this affects their academic achievement was examined.
Results showed that students greatly differed in their media use and that
this was partly attributable to aspects of family structure and processes.
In addition, students who spent more time using cognitively challenging
media seemed to possess higher scientific and reading competencies. Overall,
the findings suggest that social inequalities can provide distinctive
opportunities for informal learning processes which, in turn, can be closely
related to differences in academic achievement.
Keywords:
academic achievement, informal learning, media usage, social inequalities
|
|
|
|
|
Timo Ehmke
Welche
Bedeutung haben lernförderliche Prozesse und naturwissenschaftsbezogene
Einstellungen im Elternhaus für die Erklärung ,sozialer Disparitäten in der
naturwissenschaftlichen Kompetenz?
in:
ZfE,
Sonderheft 10-08, S. 129-148
Zusammenfassung:
Diese Studie analysiert, inwieweit lernförderliche und
naturwissenschaftsbezogene Einstellungen und Prozesse im Elternhaus soziale
Disparitäten in der naturwissenschaftlichen Kompetenz erklären. Konkret wird
drei Forschungsfragen nachgegangen: (1) Welche Profile bildungsrelevanter
Prozesse und Einstellungen im Elternhaus lassen sich identifizieren? (2)
Hängen bildungsrelevante Prozesse und Einstellungen im Elternhaus von der
sozialen Lage ab? (3) Welche Bedeutung haben unterschiedliche Profile
bildungsrelevanter Prozesse und Einstellungen im Elternhaus für den Aufbau
naturwissenschaftlicher Kompetenzen? Als Datenbasis dient eine
repräsentative Stichprobe von N=9577 Neuntklässlern in Deutschland aus PISA
2006. Mit Hilfe einer Latent-Class-Analysis (LCA) werden vier Familientypen
identifiziert, die sich in ihrem Profil bildungsrelevanter Prozesse und
naturwissenschaftsbezogener Einstellungen voneinander abgrenzen. Innerhalb
der unterschiedlichen Sozialschichten (EGP-Klassen) variieren die
prozentualen Anteile der vier Familientypen zwischen 9 und 40 Prozent. Die
Verteilungen sprechen damit eher gegen die Annahme von homogenen
schichtspezifischen Einstellungen und Verhaltensweisen. Regressionsanalysen
belegen sowohl für die bildungsbezogenen Familientypen und als auch für die
Sozialschichtzugehörigkeit spezifische Vorhersageeffekte auf die
naturwissenschaftliche Kompetenz der Neuntklässler. Unterschiede in der
Unterstützungspraxis von Familien lassen sich somit auch unabhängig von der
Sozialschicht feststellen und stellen eine Form horizontaler Disparitäten in
der naturwissenschaftlichen Kompetenz von Jugendlichen dar.
Schlüsselwörter:
Soziale
Disparitäten, Elternhaus, Scientific Literacy, Latent-Class-Analysis |
|
|
|
Abstract:
How do Processes Conducive to Learning
and Science-Related Attitudes in the Home Contribute to Explaining Social
Disparities in Scientific Literacy?
The present study analyses the extent to which families' educational
processes and parents' attitudes towards science explain social disparities
in scientific competency. Three research questions were addressed: (1) Which
profiles can be identified for families' educational processes and parents'
attitudes towards science? (2) Do families' educational processes and
attitudes towards science depend on social class? (3) How important are
families' different profiles for children's development of scientific
competency? Data is based on a representative sample of N=9577 German
students in the 9th grade taken from PISA 2006. A Latent-Class-Analysis
identified four types of families which differ in their profiles of
educational processes and parents' attitudes towards science. The
distribution of each of the four family types across the different social
classes (EGP classes) varies from 9 to 40 percent. This argues against the
assumption that homogenous attitudes and patterns of behaviour are specific
to social classes. Regression analyses on the students' scientific
competency showed specific effects for the family types as well as for the
social classes. When controlling for social background of the students, the
specific effects of the family types remain. The specific effects of
families' educational processes and parents' attitudes towards science on
students' scientific competency can be found largely independent of social
class and they thus display a kind of horizontal disparity in the scientific
competency of students.
Keywords: social inequalities, family,
scientific literacy, latent-class-analysis |
|
|
|
|
Oliver Walter
Herkunftsassoziierte Disparitäten im Lesen, der Mathematik und den
Naturwissenschaften: ein Vergleich zwischen PISA 2000, PISA 2003 und PISA
2006
in:
ZfE,
Sonderheft 10-08, S. 149-169
Zusammenfassung:
Dieser Beitrag hat zum Ziel, die Disparitäten in der Lese-, der
mathematischen und der naturwissenschaftlichen Kompetenz zwischen
Jugendlichen ohne und solchen mit Migrationshintergrund im Zeitverlauf
empirisch zu untersuchen. Zu diesem Zweck werden die Daten der deutschen
Stichproben von PISA-I 2000, PISA-I 2003 und PISA-I 2006 sowohl im Hinblick
auf die Einwanderergeneration als auch auf den ethnischen Hintergrund der
Jugendlichen analysiert. Die Befunde zeigen trotz leicht veränderter
Testkonzeptionen für die Mathematik und die Naturwissenschaften
übereinstimmend für alle drei Domänen, dass die Disparitäten zugunsten von
Jugendlichen aus der ehemaligen Sowjetunion über die drei Messzeitpunkte
stark abnehmen, während sie sich zuungunsten von Jugendlichen italienischer
Abstammung vergrößern. Für Jugendliche türkischer, polnischer und
exjugoslawischer Herkunft fanden sich leichte Verbesserungen in einigen
Kompetenzbereichen. Weitergehende Analysen belegen, dass sich die
Disparitäten zum größten Teil auf die soziale Herkunft und den
Sprachgebrauch in der Familie statistisch zurückführen lassen.
Schlüsselwörter:
Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund, Disparitäten im
schulischen Erfolg über die Zeit, PISA, Migration, ethnischer Hintergrund,
Türken, Russen, Polen, Jugoslawen, Italiener |
|
|
|
Abstract:
Social Disparities in Reading, Mathematics, and
Scientific Literacy: A Comparison of Data From PISA 2000, PISA 2003, and
PISA 2006
This paper aims to empirically examine the disparities between the reading,
mathematical and scientific competencies of native and immigrant students
over six years. For this purpose, the data from the German samples of PISA-I
2000, PISA-I 2003 and PISA-I 2006 will be analysed with regard to the
migrant generation and the ethnical background of the students. Despite the
slightly changed test conception for mathematics and science, the results
consistently show that for all three domains the disparities drastically
decrease in favour of students from the former Soviet Union over the three
surveys, while those between students of Italian and students of German
origin increase. Slight improvements could be found in some competency areas
for students of Turkish, Polish and former Yugoslavian origin. Further
analyses show that the disparities can largely be statistically traced back
to the social background and the language use in the family home.
Keywords:
immigrant students, disparities in school success over time, PISA,
migration, ethnical background, Turks, Russians, Poles, Yugoslavs, Italians.
|
|
|
|
|
Oliver Walter
Ethno-linguale
Kompositionseffekte in neunten Klassen: Befunde aus der Klassenstichprobe
von PISA 2006
in:
ZfE,
Sonderheft 10-08, S. 169-184
Zusammenfassung:
Im Beitrag wird empirisch untersucht, ob der Anteil von Jugendlichen mit
Migrationshintergrund in Schulklassen einen eigenständigen negativen Effekt
auf die Lese-, die naturwissenschaftliche und die mathematische Kompetenz
hat. Die Datenbasis bildet eine Teilstichprobe von 6.776 Jugendlichen aus
der Klassenstichprobe von PISA 2006. Während für die Lese- und die
naturwissenschaftliche Kompetenz unter Kontrolle einer Reihe von Individual-
und Kompositionsmerkmalen kein eigenständiger negativer Effekt festzustellen
war, fand sich für die mathematische Kompetenz ein im Mittel geringfügiger
negativer Effekt von 0.3 PISA-Punkten pro Prozentpunkt Migrantenanteil.
Dieser Effekt steigt in Klassen mit einem Anteil von über 70 Prozent
Migranten auf etwa 30 Punkte an. Dies entspricht einem Kompetenzrückstand
von etwa einem Schuljahr. Für die Annahme, dass der Effekt des
Migrantenanteils vor allem durch die Herkunftssprache der Jugendlichen
zustande kommt, fanden sich nur schwache Belege.
Schlüsselwörter:
Schülerinnen
und Schüler mit Migrationshintergrund, Disparitäten im schulischen Erfolg,
PISA, Kompositionseffekte, Lesekompetenz, mathematische Kompetenz,
naturwissenschaftliche Kompetenz |
|
|
|
Abstract:
Ethno-Lingual Composition Effects in Grade 9
Classrooms: Findings From the PISA 2006 Class Sample
This paper empirically examines whether the proportion of immigrant students
within school classes has an independently negative effect on reading,
science and mathematical competencies. The data is based on a sub-sample of
6,776 students from the grade sample of PISA 2006. While no independently
negative effect for reading and science competency was found controlling for
a number of individual and compositional covariates, on average, a
significant slightly negative effect of 0.3 PISA points per percentage point
of the proportion of immigrant students was found for mathematical
competency. This effect increases in classes which have more than 70 percent
immigrant students to approximately 30 points. This corresponds to a
competency deficit of about one year of schooling. Very little evidence was
found for the assumption that the effect of the number of immigrant students
is primarily caused by the native language of the students.
Keywords:
immigrant students, disparities in school success, PISA, composition
effects, reading competency, mathematical competency, science competency.
|
|
|
|
|
Oliver Walter
und Päivi Taskinen
Naturwissenschaftsbezogene Motivationen und Kompetenzen von Schülerinnen und
Schülern mit Migrationshintergrund in Deutschland: der Einfluss der
Generation, der Herkunft und des Elternhauses
in:
ZfE,
Sonderheft 10-08, S. 185-204
Zusammenfassung:
Ziel dieses Beitrages ist die empirische Untersuchung von
naturwissenschaftsbezogenen Motivationen und Kompetenzen zwischen
Jugendlichen ohne und solchen mit Migrationshintergrund und ihren möglichen
Bedingungen. Dazu wird eine Differenzierung der jugendlichen Migranten nach
Einwanderergeneration und Herkunft der Eltern vorgenommen. In allen
Herkunftsgruppen fanden sich im Mittel signifikant geringere Kompetenzen im
Vergleich zu Jugendlichen ohne Migrationshintergrund. Es konnte gezeigt
werden, dass das in der Literatur beschriebene geringere Kompetenzniveau der
Zweiten im Vergleich zur Ersten Generation auf die unterschiedliche
ethnische Zusammensetzung der Generationen zurückzuführen ist. Signifikante
Mittelwertsunterschiede wurden ebenfalls in der intrinsischen und der
extrinsischen Motiviertheit zwischen den unterschiedenen Gruppen gefunden.
Diese Unterschiede liefern jedoch nur schwache Belege für die Hypothese des
"immigrant optimism" in Deutschland. Die Analysen zeigten aber, dass sich
sowohl die Kompetenz- als auch die Motivationsunterschiede durch ein um
elterliche Werthaltungen erweitertes Struktur- und Prozessmodell statistisch
erklären lassen.
Schlüsselwörter:
Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund,
naturwissenschaftliche Kompetenz, Motivation, PISA, Elternhaus, Jugendliche
türkischer Herkunft, Jugendliche aus der ehemaligen Sowjetunion |
|
|
|
Abstract:
Science-Related Motivations and
Scientific Literacy of Immigrant Students in Germany: The Impact of
Generation, Ethnicity, and the Parental Home
This paper aims to empirically examine the science-related motivation and
competencies of students with and students without a migration background,
and their possible conditions. For this purpose, immigrant students are
differentiated according to the migrant generation and the origin of their
parents. On average, significantly lower competencies were found in all
ethnical groups compared to students without a migration background.
Furthermore, it was shown that the lower competency level of second compared
to first generation migrants which is described in the literature can be
traced back to the different ethnical composition of the generations.
Significant differences were also found between the means for the intrinsic
and extrinsic motivation of the different groups. However, these differences
only provide weak evidence for the hypothesis of "immigrant optimism" in
Germany. Nevertheless, the analyses showed that both the differences in
competency and those in motivation could be statistically explained by a
model of family structures and processes which was expanded to include
parental value systems.
Keywords:
immigrant students, science competency, science-related motivation, PISA,
parental home, students of Turkish origin, students from the former Soviet
Union. |
|
|
|
|
Jörg Wittwer
What Influences the Agreement Among Student Ratings of Science Instruction?
in:
ZfE,
Sonderheft 10-08, S. 205-220
Abstract:
In multilevel research on classroom instruction, individual student ratings
are often aggregated to the class level in order to obtain a representative
indicator of the classroom construct under study. Whether students within a
class provide ratings consistent enough to justify aggregation, however, has
not been the object of much research. Drawing on data from N=9524 students
from 391 classes who participated in the national extension to the PISA 2006
study in Germany, the interrater reliability and interrater agreement of
student ratings of science instruction were examined. Results showed that
students within a class tended to accurately and reliably rate various
aspects of their science lessons. However, agreement among ratings was
influenced by class size, learning time, school track, and science
performance. In multiple regression analyses, science performance turned out
to be of particular importance in accounting for differences in the
homogeneity of ratings. The findings suggest that agreement among students'
perceptions of instruction should be a central consideration for researchers
using aggregated measures to examine classroom teaching.
Keywords:
classroom teaching, interrater reliability, interrater agreement, student
ratings |
|
|
|
Zusammenfassung:
Was beeinflusst die Übereinstimmung in den Einschätzungen von
Schülerinnen und Schülern hinsichtlich ihres naturwissenschaftlichen
Unterrichts?
In der Unterrichtsforschung werden Einschätzungen des Unterrichts durch
Schülerinnen und Schüler häufig auf der Ebene der Klasse aggregiert, um
möglichst repräsentative Angaben zum Unterricht zu erhalten. Dabei wird aber
selten überprüft, inwieweit Schülerinnen und Schüler einer Klasse in ihren
Einschätzungen tatsächlich übereinstimmen. In diesem Beitrag wurden die
Reliabilität und die Übereinstimmung der Angaben von N=9524
Schülerinnen und Schüler aus 391 Klassen zu ihrem naturwissenschaftlichen
Unterricht untersucht. Es zeigte sich, dass Schülerinnen und Schüler einer
Klasse in der Lage waren, ihren Unterricht relativ reliabel und konsistent
zu beurteilen. Allerdings wurde das Ausmaß ihrer Übereinstimmung durch
Klassengröße, Unterrichtszeit, Schulart und naturwissenschaftliche Kompetenz
in systematischer Weise beeinflusst. Die Kompetenz erwies sich dabei als
besonders wichtig für die Höhe der Übereinstimmung. Die Ergebnisse legen
nahe, dass die Unterrichtsforschung den interindividuellen Unterschieden in
der Wahrnehmung von Unterricht innerhalb einer Klasse mehr Beachtung
schenken sollte.
Schlüsselwörter:
Interrater-Reliabilität, Interrater-Übereinstimmung, Schulunterricht,
Unterrichtsbeurteilungen |
|
|
|
|
Eckhard Klieme
und Brigitte Steinen
Schulentwicklung im Längsschnitt. Ein Forschungsprogramm und erste
explorative Analysen
in:
ZfE,
Sonderheft 10-08, S. 221-238
Zusammenfassung:
Die empirische Schulforschung in Deutschland hat in den vergangenen Jahren
Anschluss an die internationale
school
effectiveness
Forschung
gefunden. Zwei wesentliche Erkenntnisse der internationalen Forschung wurden
jedoch in Deutschland bislang nicht ausreichend aufgearbeitet: (a)
Schulstudien unterliegen - selbst bei optimaler Planung, Instrumentierung,
Durchführung und Auswertung - methodischen Problemen, die
sozialwissenschaftlichen Erhebungen inhärent sind, z. B. Stichprobenfehler
und Kohorteneffekte, welche die Stabilität und Konsistenz von Schuleffekten
und die Invarianz von Erklärungsmodellen beeinträchtigen können. Über das
Ausmaß der Stabilität und Konsistenz schulischer Lernergebnisse liegen für
Deutschland keine Befunde vor. (b) Querschnittsuntersuchungen an Schulen
erlauben keine Aussagen darüber, unter welchen Bedingungen sich Schulen in
bestimmte Richtungen verändern. Erst mit quantitativ-längsschnittlichen
Untersuchungen können Voraussetzungen erfolgreicher Entwicklung an
Einzelschulen benannt werden. Sowohl zur Klärung methodischer Probleme als
auch zur Analyse von Bedingungen erfolgreicher Schulentwicklung werden
Panel-Studien benötigt, die Schulen wiederholt im Abstand von mehreren
Jahren untersuchen. Vorgestellt werden erste, explorative empirische
Befunde, die aus einer Analyse von PISA-E-Daten der Jahre 2000 und 2003
stammen. |
|
|
|
Abstract:
School Development From a Longitudinal
Perspective: A Research Program and First Exploratory Analyses
In recent years, empirical school research in Germany has caught up with
international school effectiveness
research. However, two central findings from
international research have so far not been taken into account in Germany:
(a) School studies are subject to methodological problems that are inherent
to social science studies even if they are optimally planned, instrumented,
conducted and assessed. These problems may, for instance, pertain to
sampling errors and cohort effects that may impede the stability and
consistency of school effects and the invariance of explanatory models. No
findings exist yet regarding the degree of stability and consistency of
learning outcomes in Germany. (b) Cross-sectional school studies do not
permit any statements as to how schools change under certain conditions.
Only quantitative-longitudinal designs allow for determining the conditions
of improvement at the school level. Panel studies that assess schools over a
time span of several years, i.e. with schools as units of observation, are
required both for solving methodological problems as well as for analysing
successful school development. We introduce first, explorative empirical
findings gained from the analysis of PISA-E data from the years 2000 and
2003.
Keywords:
school effectiveness, school improvement, methodological issues |
|
|