Eckhard Klieme/Johannes Hartig

Kompetenzkonzepte in den Sozialwissenschaften und im erziehungswissenschaftlichen Diskurs
in: ZfE, Sonderheft 8-07, S. 11-29

Zusammenfassung
Der Begriff der Kompetenz ist seit vielen Jahren ein Modebegriff der Sozial- und Erziehungswissenschaften, er ist in vielfältiger unterschiedlicher Weise genutzt und immer wieder neu gefasst worden. Der vorliegende Aufsatz versucht, die sozialwissenschaftlichen Wurzeln des Kompetenzbegriffs und den darauf aufbauenden Diskurs in der Erziehungswissenschaft nachzuzeichnen. Damit wird der Kontext skizziert, in dem die aktuelle empirische Forschung zur Modellierung und Messung von Kompetenzen angesiedelt ist. Die Bedeutung des Kompetenzbegriffs in sprachwissenschaftlichen sowie sozialisationstheoretischen Zusammenhängen muss hierbei ebenso berücksichtigt werden wie funktional-pragmatische Kompetenzkonzepte in der Psychologie. Schließlich ist der Kompetenzbegriff in den Erziehungswissenschaften zentral zur Beschreibung der Ziele von schulischer und beruflicher Bildung. Die Komplexität des Kompetenzbegriffs stellt die empirische Forschung vor hohe Herausforderungen. Interessierende Kompetenzkonstrukte müssen präzisiert werden und in angemessene Messmodelle und -instrumente umgesetzt werden. Eine angemessene Modellierung von Kompetenzen kann sowohl Auswertungsroutinen für Messverfahren bereitstellen als auch die Zusammenhänge zwischen individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten und erfolgreichem Handeln in spezifischen Kontexten beschreiben.

Summary
The Concept of Competence in Social and Educational Sciences
Competence is a popular concept in cognitive, social and educational sciences. However, the term "competence" is associated with a wide variety of definitions and meanings. The present paper depicts the history of the concept of competence in different social and cognitive sciences and briefly describes the partly controversial discussion associated with the concept in educational research. The heterogeneity and history of the concept have to be considered to understand the context of present research on competence. Different meanings of the concept in linguistics, sociology, psychology and education have to be taken into account. For empirical research, working definitions of specific competencies need to be delineated. The development of adequate measurement models and procedures remains a permanent challenge for empirical research. Ideally, a theoretically sound and empirically validated model of competence can simultaneously provide routines for empirical measurement as well as a representation of relations of individual abilities and skills to successful action in specific contexts.


Marcus Hammann/Titan Hai Phan/Horst Bayrhuber

Experimentieren als Problemlösen: Lässt sich das SDDS-Modell nutzen, um unterschiedliche Dimensionen beim Experimentieren zu messen?
in: ZfE, Sonderheft 8-07, S. 33-49

Zusammenfassung
Auf Grundlage des "Scientific Discovery as Dual Search"-Modells (SDDS) wurde ein Test zur Messung von Kompetenzen beim Experimentieren entwickelt, um zu überprüfen, ob sich die drei Dimensionen des Experimentierens anhand von Multiple-Choice-Aufgaben in reliable Skalen überführen lassen. Da dies mit zufrieden stellender Reliabilität gelang, wurde die Binnenstruktur des Konstrukts "Experimentieren als Problemlösen" untersucht. Dies geschah faktorenanalytisch und korrelationsstatistisch sowie mit multivariaten Methoden. Die konfirmatorische faktorenanalytische Überprüfung des Testdesigns lieferte Hinweise auf die Existenz zweier Dimensionen des eingesetzten Tests. Zwischen den Dimensionen wurden mittlere bis hohe Interkorrelationen ermittelt, wobei die erwarteten Ähnlichkeiten zwischen denjenigen Dimensionen bestätigt wurden, welche stärker vom bereichsspezifischen inhaltlichen Vorwissen bestimmt werden, ebenso wie die Unterschiede dieser Dimensionen zur Dimension "Testen von Hypothesen", die stärker vom methodischen Wissen über Ziele und Vorgehensweisen beim Experimentieren bestimmt wird. Die ermittelten Korrelationen zwischen dem bereichsspezifischen Vorwissen und den Dimensionen des Experimentierens liegen auf einem wesentlich geringeren Niveau als die Interkorrelationskoeffizienten.

Schlüsselwörter: Experimentieren; Kompetenzen; Diagnostik

Summary
Experimentation as Problem-Solving: Can the SDDS-model be used to measure different dimensions of experimentation

Based on the "Scientific Discovery as Dual Search" model (SDDS), a paper-and-pencil test was developed to assess competencies in experimentation. We investigated whether the three dimensions of experimentation form reliable scales when multiple-choice-items are used. Since the reliability of the scales was found to be satisfactory, it was possible to investigate the inner structure of the construct "experimenting as problem solving". For this, factor analysis, correlation statistics and multivariate methods were used. A confirmatory factor analysis revealed two dimensions of the test used. Medium to high intercorrelations were found between the dimensions, and correlation statistics confirmed the expected similarities between those dimensions that are dependent upon the domain-specific content knowledge as well as the differences between these dimensions and the dimension "testing hypotheses" which is dependent upon methodological knowledge about the aims and processes of experimentation. The correlations between the domain-specific prior-knowledge and the three dimensions of experimentation were considerably lower than the intercorrelations between the dimensions.

Keywords: experimentation; competencies; diagnostics


Frank Achtenhagen/Martin Baethge

Kompetenzdiagnostik als Large-Scale-Assessment im Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung
in: ZfE, Sonderheft 8-07, S. 51-70

Zusammenfassung
Der Beitrag stellt Probleme der Vorbereitung und Durchführung einer internationalen Vergleichsstudie im Bereich der beruflichen Bildung als Large-Scale-Assessment dar. Dabei werden Unterschiede der Anlage einer solchen Studie zu den Prinzipien herausgestellt, die für TIMSS oder PISA gegolten haben und gelten. Angesichts der grundlegenden ökonomischen und sozialen Wandlungen stehen die Beschäftigungs- und Ausbildungssysteme aller Industriestaaten vor neuen Herausforderungen, die mit unterschiedlichem Erfolg gemeistert werden. Angemessene Beurteilungen der entsprechenden Bemühungen haben die Zielstruktur beruflicher Bildungsprozesse zu berücksichtigen. Im Hinblick auf die Erfassung der Leistungsfähigkeit unterschiedlicher Berufsbildungssysteme geht es in dem vorgestellten Projekt um Fragen der Messung beruflicher Handlungskompetenz, um die Erfassung der relevanten Rahmenbedingungen sowie um die Identifikation von international vergleichbaren Berufsfeldern und Erwerbstätigkeiten. Es werden erste Schritte zur Beantwortung dieser Fragen gegangen und zugleich die Schwierigkeiten der entsprechenden Operationalisierungsprozesse behandelt. Hinweise auf Probleme bei der Anlage der Studie sowie der Stichprobenziehung bilden den Schluss.

Schlüsselwörter: Vergleichsstudie, international; Berufsbildungssystem; Handlungskompetenz, berufliche

Summary
Competence Diagnosis as Large-scale Assessment in the Field of Vocational Education and Training (VET)

The article covers problems of the preparation and implementation of an international large-scale assessment study in the field of VET (Vocational Education and Training). It discusses the differences to studies in the area of academic education, such as TIMSS and PISA. Starting point is the fact that all industrialized countries are challenged by so-called "megatrends" , i.e. radical economic and social changes which heavily influence the structure of work, and consequently, of VET. As the individual countries master these challenges with different success, the study might help to identify strengths and weaknesses of different systems and approaches of VET. However, different overall strategies for VET systems should be taken into account. We show, at a first glance, how VET competencies might be measured, together with the prevailing institutional and political frame. The expected difficulties - especially with regard to the multitude of necessary operationalization processes - are discussed as well as first steps of designing the study and sampling.

Keywords: comparative study; international; vocational training systems; vocational skills


Heinz Reinders

Diagnostik jugendlichen Kompetenzerwerbs durch außerschulische Aktivitäten
in: ZfE, Sonderheft 8-07, S. 71-86

Zusammenfassung
Im vorliegenden Beitrag werden Messverfahren gesichtet, die sich u. a. mit der Diagnostik von Kompetenzerwerb durch außerschulische Aktivitäten befassen. Es werden die beiden Leitfragen beantwortet, welche Entwicklungs- und Kompetenzbereiche Heranwachsender untersucht werden und mit welchen Messinstrumenten dies geschieht. Das Fazit des Beitrags ist u. a., dass soziale Kompetenzen besonders häufig gemessen werden, Fragebogen-Instrumente vorherrschend sind und die deutschsprachige Forschung der Weiter- und/oder Neuentwicklung von Inventarien bedarf.

Schlüsselwörter: Kompetenzdiagnostik; Sozialisation, außerschulische; Funktionsentwicklung; Kindheit; Jugend

Summary
Diagnosing Young People's Gains in Competence Through Extra-curricular Activities

This contribution looks at measurement procedures that deal with diagnosing competency gains through extra-curricular activities. The two main questions will be dealt with: Which development and competency areas are investigated, using which measurement instruments? The conclusion is, inter alia, that social competency is measured particularly regularly, that questionnaires are the leading instrument of measurement and that German research is in need of further developments and/or innovations concerning current instruments.

Keywords: competency diagnostics; extra-curricular socialization; functional development; childhood; youth


Sabine Weinert

Kompetenzentwicklung und Kompetenzstruktur im Vorschulalter
in: ZfE, Sonderheft 8-07, S. 89-106

Zusammenfassung
In dem Beitrag wird vor dem Hintergrund empirischer Befunde argumentiert, dass sich aus Kompetenzstrukturmodellen nicht in einfacher Weise Entwicklungsmodelle ableiten lassen. Am Beispiel der Beziehungen zwischen verschiedenen Komponenten des Spracherwerbs sowie den Entwicklungsrelationen zwischen sprachlicher und kognitiver Entwicklung wird gezeigt, dass (I) die Entwicklungsaufgaben der Kinder - trotz der prinzipiellen Separierbarkeit von Sprachkomponenten einerseits sowie von Sprache und Kognition andererseits - oft "quer" zu diesen psychologischen Unterscheidungen liegen. Das, was für die Kinder ein Problembereich ist, folgt oftmals nicht der Differenzierung etwa von Sprache und Kognition. (2) Darüber hinaus wird empirisch gestützt argumentiert, dass Entwicklungsveränderungen nicht einfach kumulativ sind, sondern auch einem lerntheoretisch erklärbaren qualitativen Wandel unterliegen (können), und schließlich (3) dass sich die Einflussrichtungen zwischen verschiedenen Fähigkeits- und Fertigkeitsbereichen einschließlich der dominanten Einflussvariablen entwicklungstypisch verändern (können). Als Ausgangspunkt für diese Analysen wird zunächst deutlich gemacht, dass es sinnvoll ist, (a) Sprache und Kognition systematisch zu unterscheiden, ebenso wie (b) Komponenten der Sprache und schließlich (c) Bereiche der kognitiven Entwicklung separierbar sind.

Schlüsselwörter: Kompetenzentwicklung; Vorschulalter; Kompetenzstrukturmodelle; Entwicklungsmodelle; Sprache und Kognition

Summary
Development and Structure of Competencies in Preschool Age

This contribution will argue, on the basis of empirical evidence, that structural models of competencies do not, in a simple manner, imply models of competence acquisition. This is illustrated by analysing the developmental relationship between different components of language acquisition on the one hand and the interrelation between cognitive development and language acquisition on the other hand. (1) Although language components as well as language and cognition are partially separable domains in their own right, the child's developmental tasks often cut across these different domains. What appears to be a problem area for the child is not determined by the distinction between psychological domains, like the cognitive and the language domain. (2) Furthermore, it will be argued - based on empirical data - that developmental progress may not be described as purely cumulative; in addition qualitative changes in learning mechanisms have to be considered. (3) Finally, it will be shown that the interrelations between domains may change over time, i.e. the direction of influence and the dominant determinants of developmental progress may change over time. Nevertheless and as a starring point, evidence is given that various subdomains of cognitive development as well as different language components and, last not least, language and cognition are in fact - at least in part separable domains.

Keywords: acquisition of competencies; pre-school age; structure of competencies; development models; language and cognition


Kristina Reiss/Aiso Heinze/Reinhard Pekrun

Mathematische Kompetenz und ihre Entwicklung in der Grundschule
in: ZfE, Sonderheft 8-07, S. 107-127

Zusammenfassung
Die Entwicklung mathematischer Kompetenz ist ein wesentliches Ziel des Lernens in der Grundschule. Entsprechend haben sich sowohl die mathematikdidaktische als auch die kognitionspsychologische Forschung und die Lehr-Lern-Forschung mit Aspekten dieser Entwicklung auseinandergesetzt. Es sind im Wesentlichen die folgenden Kernfragen, die es zu beantworten gilt: Mit welchen Lernvoraussetzungen für die Mathematik kommen Kinder in die Grundschule? Wie entwickeln sich ihr mathematisches Wissen und ihre mathematische Kompetenz im Laufe der folgenden vier Jahre? Welche individuellen, schulischen und kontextuellen Variablen spielen dabei die tragende Rolle? Welche Möglichkeiten gibt es, diese Entwicklung gezielt zu unterstützen? In diesem Beitrag soll zunächst der Stand der Forschung im Hinblick auf diese Kernfragen dargestellt werden. Dabei wird insbesondere auf ein wesentliches Forschungsdesiderat, nämlich die Konstruktion detaillierter Kompetenzentwicklungsmodelle, eingegangen. Es werden dann Ergebnisse einer Studie mit Grundschulkindern präsentiert, in der ihre Kompetenz im zweiten und im dritten Schuljahr aufgezeigt und im Rahmen eines Kompetenzentwicklungsmodells diskutiert wird.

Schlüsselwörter: Kompetenzentwicklung; Grundschule; Mathematik

Summary
Mathematic Competency and its Development in Primary Education

An important aspect of primary school instruction is fostering children's development in mathematics. Accordingly, this is a vital research topic for mathematics education as well as for educational psychology. Key issues are the following questions, which are - as yet without comprehensive answers: Which mathematical competencies do children have on entering primary education? How does their mathematical knowledge and how do their competencies develop within the next fourth years? Which are the determining individual, contextual and classroom factors affecting their development? What might teachers do in order to support their students' mathematical development? This paper describes recent research related to these questions. In particular, it puts an emphasis on aspects of the modelling of mathematical competency. Moreover, we will present results of a longitudinal study with children of grades 2 and 3 and discuss these results within a framework, which is based on a model of competency development.

Keywords: development of competencies; primary school; mathematics


Doris Edelmann/Rudolf Tippelt

Kompetenzentwicklung in der beruflichen Bildung und Weiterbildung
in: ZfE, Sonderheft 8-07, S. 129-146

Zusammenfassung
Bedingungen und Konsequenzen des gesellschaftlichen Wandels stehen im Zentrum aktueller Diskussionen über die Kompetenzentwicklung in der beruflichen Bildung und Weiterbildung. Es besteht dabei Konsens, dass intellektuelles Kapital, verstanden als Humankapital, zur wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklung einer Gesellschaft beiträgt. Seit den 1970erJahren wird daher in Industrie- und Dienstleistungsgesellschaften "Lebenslanges Lernen" und Kompetenzentwicklung propagiert. In diesem Zusammenhang ist auch das gesellschaftliche Interesse zu verstehen, über Kenntnisse des vorhandenen Kompetenzpotenzials zu verfügen, insbesondere im Vergleich zu anderen Staaten. Dieses Anliegen setzt allerdings voraus, dass der Kompetenzbegriff geklärt und innovative Erfassungsmethoden entwickelt werden. Der lange Weg von verschiedenen Kompetenzentwicklungsmodellen in der beruflichen Bildung und Weiterbildung hin zu (inter-) nationalen Kompetenzbilanzen, wird nachfolgend aufgezeigt.

Schlüsselwörter: Kompetenzentwicklung, Schlüsselqualifikationen, DACUM, Kompetenzbilanzen, PIAAC, Berufsbildungs-PISA

Summary
Competency Development in Vocational Training and Further Education

The conditions and consequences of societal change are the focal point of current debates concerning competency development in vocational training and further education. There is a consensus that intellectual capital (understood as human capital) contributes to the economic, social and cultural development of a society. Since the 1970s, therefore, service and industry have promoted the concepts of life long learning and competency development. In this context, it is of interest to society to have an insight into existing competency potential, particularly in comparison between states. This objective, however, requires as a prerequisite a clarification of the term "competency" and the development of innovative methods of capturing such information on competencies. The long path from various models of competency development in vocational training and further education to (inter)national competency balances will be presented in this contribution.

Keywords: competency development; key qualifications; DACUM; competency balances; PIAAC; PISAVET


Detlev Leutner/Jens Fleischer/Christian Spoden/Joachim Wirth

Landesweite Lernstandserhebungen zwischen Bildungsmonitoring und Individualdiagnostik
in: ZfE, Sonderheft 8-07, S. 149-167

Zusammenfassung
Landesweite Lernstandserhebungen und Vergleichsarbeiten sind in Deutschland gewöhnlich Instrumente der Selbstevaluation in Schulen. Am Beispiel von Nordrhein-Westfalen wird anhand von Kompetenzdaten der landesweit vollständigen Jahrgangsstufe 9 (ca. 200 000 Schülerinnen und Schüler) aus den Jahren 2004 und 2005 für die Fächer Deutsch, Englisch und Mathematik vorgestellt, wie die Testinstrumente und die Durchführung von Lernstandserhebungen sowie die Rückmeldung der Ergebnisse in den Schulen so gestaltet werden können, dass sie psychometrischen Mindestanforderungen gerecht werden, kriteriale Vergleiche auf Klassenebene und "faire" soziale Vergleiche der Klassen mit den jeweiligen Schulformen erlauben und innerhalb von Schulen Prozesse der Schul- und Unterrichtsentwicklung anstoßen können.

Schlüsselwörter: Lernstandserhebungen; Vergleichsarbeiten; Selbstevaluation; Bildungsmonitoring; Kompetenzdiagnostik

Summary
State-wide Standardized Assessments of Learning Between Educational Monitoring and Individual Diagnostics

In Germany, state-wide standardized assessments of learning are usually instruments of self-evaluation within schools. Using the German federal state of North Rhine-Westphalia as an example and based upon data on competencies of all (c. 200 000) students of grade 9 of the years 2004 and 2005 in German, English, and Mathematics, we will present how the test instruments and the test administration as well as the feedback of test results to schools can be designed in such a way that psychometric standards are met, standards-based comparisons on class-level and "fair" social comparison on inter-class level are reasonably possible, and processes of school and instructional development can be initiated.

Keywords: educational system monitoring; large-scale assessment of competencies; self-evaluation; competence diagnostics; comparative studies


Andreas Frey/Timo Ehmke

Hypothetischer Einsatz adaptiven Testens bei der Überprüfung von Bildungsstandards
in: ZfE, Sonderheft 8-07, S. 169-184

Zusammenfassung
In den kommenden Jahren ist erstmals empirisch zu überprüfen, inwieweit Schülerinnen und Schüler in Deutschland die durch die Bildungsstandards formulierten Anforderungen erfüllen, was vermutlich einen sehr großen Testaufwand mit sich bringen wird. Adaptives Testen stellt eine effiziente Alternative zur Überprüfung der Bildungsstandards zu konventionellen Papier- und Bleistift-Tests dar, die den Aufwand entscheidend verringern könnte. Basierend auf empirischen Daten untersucht die vorliegende Simulationsstudie, welche Auswirkungen adaptives Testen im Vergleich zum nicht-adaptiven Testen auf die Messeffizienz und auf die Differenzierungsfähigkeit in extremen Kompetenzbereichen hat und inwiefern etwaige Unterschiede von der Testlänge abhängen. In der adaptiven Versuchsbedingung war die Messeffizienz fast doppelt so hoch wie in der nicht-adaptiven Versuchsbedingung. Weiter fiel die Differenzierungsfähigkeit in extremen Kompetenzbereichen beim adaptiven Testen besser aus als beim nicht-adaptiven Testen. Die Vorteile erwiesen sich als unabhängig von der Testlänge. Die Befunde werden im Hinblick auf eine Anwendung adaptiven Testens bei der Überprüfung von Bildungsstandards diskutiert.

Schlüsselwörter: Adaptives Testen; Bildungsstandards; PISA

Summary
Hypothetic Implementation of Adaptive Testing for the Assessment of Educational Standards

In the coming years it will be necessary to test whether German students are meeting the requirements set by the German educational standards by means of standardized tests. This will presumably result in an immense testing effort. Adaptive testing offers an efficient alternative to conventional paper-and-pencil testing procedures and is likely to decrease testing effort significantly. Based on empirical data this study compares adaptive testing to non-adaptive testing with regard to measurement efficiency and differentiability in extreme areas of competency for different test lengths. Measurement efficiency is shown to be nearly twice as high in the adaptive framework as in the non-adaptive framework. Furthermore, the differentiability in extreme areas of competency was better for adaptive testing than for non-adaptive testing. The advantages of adaptive testing were independent of the test length. The relevance of the obtained results is discussed with respect to the forthcoming tests of educational standards in Germany.

Keywords: adaptive testing; educational standards; PISA


Hartmut Ditton

Kompetenzdiagnostik bei Übergangsentscheidungen
in: ZfE, Sonderheft 8-07, S. 187-199

Zusammenfassung
Übergangsentscheidungen sind wegweisende und folgenreiche Entscheidungen, bei denen Fehler hohe Kosten verursachen. An die Übergangsdiagnostik sind daher besonders hohe Anforderungen zu stellen. Die Komplexität von Übergangsverfahren wird im vorliegenden Beitrag insbesondere anhand der Ergebnisse einer Untersuchung zum Übergang auf die weiterführenden Schulen nach der Grundschule behandelt.

Schlüsselwörter: Übergänge; Differenziertes Bildungssystem; Selektionsentscheidungen; Übertrittempfehlungen; Bildungslaufbahn; Kompetenzaufbau

Summary
Competency Diagnostics for Transition Decisions

Transition decisions between different levels in an education system have important consequences and lead to high costs, when erroneous. For this reason, the expectations placed on transition diagnostics are very high. The complexity of transition procedures will be presented here on the basis of the results of a study concerning transition to secondary level schools following primary education.

Keywords: Transitions; differentiated education system; decisions on selection; teacher recommendations at selection stages; educational career; development of competence


Tina Seidel/Manfred Prenzel

Wie Lehrpersonen Unterricht wahrnehmen und einschätzen - Erfassung pädagogisch-psychologischer Kompetenzen mit Videosequenzen
in: ZfE, Sonderheft 8-07, S. 201-216

Zusammenfassung
Im Projekt "LW - Lernen aus Unterrichtsvideos" wurde untersucht, inwieweit sich Kompetenzen von Lehrpersonen in der Analyse von Unterricht mit Hilfe eines standardisierten videobasierten Einschätzverfahrens erfassen lassen. Ausgangspunkt war die Annahme, dass professionelle Wissensstrukturen bei Lehrpersonen kontext- und situationsgebunden sind und Videoaufzeichnungen dementsprechend diese Wissensstrukturen aktivieren können. In diesem Beitrag werden Ergebnisse zu drei Fragestellungen berichtet: (1) Akzeptanz der videogestützten Erfassung von Kompetenzen, (2) Facetten der Analysekompetenz von Unterricht, (3) Unterschiede zwischen Gruppen unterschiedlicher Expertise. Die Versuchspersonen (Lehrkräfte) beurteilten mit standardisierten Einschätzverfahren Videoclips aus dem Physikunterricht in der computerbasierten Lernumgebung LUV. Insgesamt wurden drei Personengruppen unterschiedlicher Expertise untersucht: Studierende des Lehramts (N = 19), erfahrene Lehrpersonen (N = 96) und Schulinspektoren (N = 20). Die Ergebnisse der Skalierungen zeigen, dass die Analysekompetenz der Lehrkräfte in den drei Facetten des Beschreibens, Erklärens und Bewertens von Unterrichtsszenen zuverlässig erfasst werden konnte. Tests auf Unterschiede zwischen den drei Expertisegruppen zeigen die höchste Analysekompetenz für die Gruppe der Schulinspektoren, gefolgt von den erfahrenen Lehrpersonen und den Lehramtsstudierenden. Von allen Teilnehmenden wurde die videogestützte Auseinandersetzung mit Unterrichtsszenen als anregend wahrgenommen und akzeptiert.

Schlüsselwörter: Kompetenzdiagnostik; Lehrkräfte; Unterrichtswahrnehmung

Summary
How teachers perceive lessons
- Assessing educational competencies by means of videos
In the project "LW - Learning from classroom videos" we investigated to what extent competencies of teachers in analyzing classroom teaching can be assessed by means of a standardized video-based rating system. As a starting point we conjectured that professional knowledge structures of teachers are context and situation bound. Authentic video recordings of classrooms are suitable to activate these knowledge structures. In this article, findings with regard to three research questions are presented: (1) teachers' acceptance of a video-based assessment of competencies, (2) components of the competency to analyze classroom teaching, (3) differences between groups of distinct expertise in analyzing classroom teaching. Participants in the study (teachers) used standardized rating systems to evaluate video clips of physics teaching that were presented through the learning environment LUV. In total, three expertise groups were investigated: teacher students (N = 19), experienced teaches (N = 96), and school inspectors (N = 20). The results show that the competency of teachers to analyze classroom teaching can be assessed by three components: describing, explaining, and evaluating teaching sequences. Tests on differences between expertise groups show that the highest analytic competency was found for the group of school inspectors, followed by experienced teachers and teacher students. All participants showed high acceptance of the assessment tool and rated the videobased analysis of classroom teaching as stimulating.

Keywords: educational competencies; teachers; assessment

 

 


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