Marina Rupp/Adelheid Smolka
Von der Mütterschule zur modernen
Dienstleistung. Die Entwicklung der Konzeption von Familienbildung und
ihre aktuelle Bedeutung
in:
ZfE, 10.
Jg. (2007), H. 3, S. 317-333
Zusammenfassung
Eltern befinden sich heute in einer schwierigen Lage: Auf der einen
Seite wird von ihnen erwartet, dass sie ihren Kindern die bestmögliche
Erziehung und Bildung angedeihen lassen, und sie auf die Anforderungen
des modernen Lebens umfassend vorbereiten. Auf der anderen Seite macht
ihnen die Gesellschaft die Erfüllung dieser Aufgaben nicht leicht. Der
gesellschaftliche Wandel und die Veränderungen im Familienleben fordern
immer neue Anpassungsleistungen und erschweren es zugleich, die für ein
gelingendes Familienleben erforderlichen Kenntnisse und Ressourcen zu
erwerben. Klagen über mangelnde elterliche Fähigkeiten und Forderungen
nach einer Unterstützung der Eltern bei ihrer Aufgabe haben eine lange
Tradition. Der vorliegende Beitrag skizziert daher den Weg von den
ersten Überlegungen COMENIUS' bis hin zu einer Konzeption der
Familienbildung als moderne und zukunftsweisende Dienstleistung.
Ausgangspunkt der Ausführungen und Begründung für die moderne
Familienbildung ist dabei die zunehmend größer werdende Diskrepanz
zwischen (sozialstrukturellen) Veränderungen und immer neuen
Anforderungen an die Erziehung in der Familie.
Schlüsselwörter: Familienbildung;
Erziehungskompetenz; Erziehung; Bildung; Familienpädagogik
Summary
From Mother's School to Modern Services -
The development of the concept of family
education and its current meaning
Parents today find themselves in a difficult position. On the one hand,
they are expected not only to offer their children the best upbringing
and education possible, but also to prepare them well for the demands of
modern life. On the other hand, society does not make it easy for them
to fulfil these tasks. Changes in society and family life demand
ever-greater adaptability. At the same time, they make it hard to get
hold of the knowledge and resources, which are necessary for family life
to function properly. There is a long history both of complaining about
the lack of parental ability and of demanding support for parents in
coping with their assignment. This article outlines the path from
Comenius's first reflections on the subject up to the concept of family
education as a modem and future-oriented service. The starting point of
the following remarks and the argument for a modern family education is
the increasing discrepancy between changes in the social structure and
the ever-greater demands put upon upbringing in the family.
Keywords:
education; family education; family pedagogy;
upbringing; upbringing competency

Paul P. M. Leseman/Anna F.
Scheele/Aziza Y. Mayo/Marielle H. Messer
Home
Literacy as a Special Language Environment to Prepare Children for
School
in:
ZfE, 10.
Jg. (2007), H. 3, S. 334-355
Summary
The present study examined the relationship between language and
literacy activities at home and the emergence of so called academic
language in a sample of 68 four-year-old Dutch children. The focus was
on children' s understanding and production of narrative texts, seen as
a common age-appropriate pre-academic text genre. Home language and
literacy was measured with a short questionnaire, administered in
personal interviews with the mothers. Other measures were the family's
socioeconomic status (SES), children's receptive vocabulary and working
memory. Children's productive language in narrative text (re)telling
already revealed many features of academic language. Furthermore,
moderate to strong correlations were found between children's emergent
academic language and the language and literacy activities at home.
Multiple regression analyses indicated that, in addition to working
memory, home talking and reading predicted children's vocabulary, and
especially children's text comprehension and text (re)telling. Finally,
main and interaction-effects of working memory and home language and
literacy on emergent academic language were examined. Although the
results were not conclusive regarding the expected moderator effect of
working memory, they revealed that children with both low working memory
capacity and low academic language input were most disadvantaged.
Keywords:
academic language; home literacy; story retelling;
text comprehension; working memory.
Zusammenfassung
Elterliche Sprachkompetenz als besondere Sprachumgebung zur Heranführung
des Kindes an die Schule
Die vorliegende Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen der im
Elternhaus entwickelten Sprach- bzw. Lesepraxis und der Entwicklung der
so genannten akademischen Sprachkompetenz, in Deutschland auch als 'bildungssprachliche
Kompetenz' bezeichnet. Hierzu wurden in den Niederlanden insgesamt 68
Kinder im Alter von 4 Jahren untersucht. Es wurde insbesondere
untersucht, inwieweit die Kinder in der Lage sind, Geschichten zu
verstehen und zu produzieren. Geschichten werden im Rahmen der Studie
als altersgemäße vorakademische Texte aufgefasst. Der
Familiensprachgebrauch und die literarische Praxis wurden anhand eines
kurzen Fragebogens und in Interviews mit den Müttern erhoben. Zusätzlich
wurden der sozioökonomische Status der Familie sowie der passive
Wortschatz der Kinder und deren Merkfähigkeit unter Arbeitsbedingungen (working
memory) herangezogen. Die Nacherzählungen der Kinder wiesen sprachlich
bereits viele Merkmale der so genannten akademischen Sprache auf.
Außerdem zeigte sich ein mittlerer bis starker Zusammenhang zwischen der
sich entwickelnden Sprachfähigkeit der Kinder (akademische Sprache) und
den sprachlichen und literarischen Praktiken der Familie. Multiple
Regressionsanalysen haben gezeigt, dass - neben dem Arbeitsgedächtnis (working
memory) der Kinder insbesondere die Qualität der Sprache innerhalb der
Familie und das gemeinsame Lesen im Elternhaus positiven Einfluss auf
den Wortschatz und das Textverständnis der Kinder hatten. Außerdem wurde
die Fähigkeit, Geschichten nachzuerzählen dadurch besonders gefördert.
Schließlich wurde die Wirkung des Arbeitsgedächtnisses und der
mitgebrachten Sprachkompetenz auf die Entwicklung einer akademischen
Sprache überprüft. Obwohl die Resultate den erwarteten Effekt nicht
vollends bestätigen konnten, zeigte sich, dass Kinder mit geringer
Merkfähigkeit bei gleichzeitig geringem Kontakt mit akademischer
Sprachpraxis im Elternhaus in besonderer Weise benachteiligt waren.
Schlüsselwörter: akademische Sprache
(Bildungssprache); Bildungsgrad der Eltern; Nacherzählungen;
Textverständnis; Arbeitsgedächtnis (working memory).

Elke Wild/Judith Gerber
Charakteristika und Determinanten der
Hausaufgabenpraxis in Deutschland von der vierten zur siebten
Klassenstufe
in:
ZfE, 10.
Jg. (2007), H. 3, S. 356-380
Zusammenfassung
Im vorliegenden Beitrag wurde untersucht, wie sich von der vierten
bis zur siebten Klassenstufe das häusliche Lernen im Fach Mathematik
gestaltet. Anhand längsschnittlicher Daten von 133 Schülern und deren
Eltern wurden Art und Umfang elterlicher Hilfe analysiert, wobei die
Güte der Lernunterstützung durch Eltern an der erzieherischen Funktion
der Hausaufgaben festgemacht wurde. Im Ergebnis stellen selbst bei den
Siebtklässlern die Schüler, die die Hausaufgaben ohne Hilfe erledigen,
eine Minderheit dar. Verbreitet ist dagegen eine flexible, am Bedarf
orientierte Hilfe, die durch ein Nebeneinander von funktionalen und eher
kontraproduktiven Strategien gekennzeichnet ist. Von den Faktoren, die
zur Vorhersage der von Eltern und weiteren Bezugspersonen geleisteten
Hilfe herangezogen wurden, erwies sich weder die Schulbildung noch die
Überzeugung der Eltern, ihre Kinder wirksam beim Lernen unterstützen zu
können, als relevanter Prädiktor. Lediglich die kindliche
Leistungsfähigkeit und teilweise auch die mütterliche Berufstätigkeit
leisten Beiträge zur Vorhersage von Unterschieden in qualitativen und
quantitativen Aspekten elterlicher Hilfe. Besonders auffällig sind stark
divergierende Angaben von Eltern und Kindern bezüglich der Hilfe durch
Dritte, die möglicherweise von Eltern stark unterschätzt wird.
Schlüsselwörter: Hausaufgaben; elterliches
Schulengagement; Familie; Grundschule; Nachhilfe
Summary
Characteristics and Determinants of Doing Homework in Germany from
Fourth to Seventh Grade
The following contribution investigates how home learning for
mathematics is organized and carried out between the fourth and the
seventh grade. Using longitudinal data from 133 pupils and their
parents, the type and amount of parental support was analyzed, where
homework support was seen as an indicator for the quality of learning
support from parents. The results show, even for the seventh grade
pupils, that pupils who complete their homework without help are in a
minority. Indeed, a flexible help oriented towards specific needs is
common, which is remarkable for the concurrence of functional and
contra-productive support strategies. Neither parental education nor
parents' opinions proved to be relevant predictive factors for the
attention paid by parents or persons close to the pupils to actively
supporting children's learning. Singularly, a child's performance and,
partially, mothers' occupation contribute to the predictability of
differences in the quality and quantity of parental help. Particularly
noteworthy are the strongly divergent statements of parents and their
children concerning help from third persons, which is possibly strongly
underestimated by parents.
Keywords:
family; homework; parental engagement with schooling;
primary education; private lessons

Claudia Schuchart
Schulabschluss und Ausbildungsberuf. Zur
Bedeutung der schulartbezogenen Bildungsbiografie
in:
ZfE, 10.
Jg. (2007), H. 3, S. 381-398
Zusammenfassung
In der jüngeren Vergangenheit wurde wiederholt auf eine bislang
wenig beachtete Form der Öffnung des gegliederten Schulsystems
hingewiesen: Die Entkopplung von Schulart und Schulabschluss, d.h. die
Möglichkeit, Schulabschlüsse unabhängig von der besuchten Schulart zu
erwerben. So kann die mittlere Reife in einigen Bundesländern nicht nur
an Realschulen, sondern auch an Hauptschulen erworben werden. Allerdings
liegen bisher kaum Erkenntnisse dazu vor, inwieweit die
Anschlussfähigkeit von gleichnamigen, aber an unterschiedlichen
Schularten erworbenen Schulabschlüssen an den Ausbildungsmarkt variiert.
Im vorliegenden Beitrag wird diese Frage für die Bundesländer
Nordrhein-Westfalen und Bayern überprüft. Genutzt werden die Daten der
jeweiligen Landesämter für Statistik zu den Eingangsklassen der
Teilzeit-Berufsschulen (Schuljahr 2004/2005). Die Befunde weisen auf
eine schulartbezogene Hierarchisierung der mit den mittleren Abschlüssen
verbundenen Ausbildungschancen hin. Damit ist fragwürdig, ob die
Entkopplung von Schulart und Schulabschluss einen substanziellen Beitrag
zur Öffnung des gegliederten Schulsystems zu leisten vermag.
Schlüsselwörter: berufliche Ausbildung;
Entkopplung; Durchlässigkeit
Summary
Educational Qualification and Apprenticeship: The importance of the
school type-related educational biography
In the German school system a widely neglected reform for opening
the strict German tracking system is occurring. It can be described as a
decoupling of the school type visited and the resulting educational
qualification. In some German states the Intermediate School Certificate
(mittlere Reife) can be acquired not only at the Realschule
(intermediate secondary school type), but also at the Hauptschule
(lowest level of secondary school). However, little research has been
undertaken to analyse whether the transition from Intermediate School
Certificate to apprenticeship programmes is influenced by school type.
This article investigates this question for the German states of North
Rhine-Westphalia and Bavaria. Public statistics on part-time vocational
schools are used for this analysis. The results show that trainees with
an Intermediate School Certificate from the Hauptschule can be found
much less frequently in attractive apprenticeship programmes than school
leavers from the Realschule despite the same formal qualification. This
raises the question of whether the measures for decoupling school type
and educational qualification can really be seen as a significant
contribution to opening the highly differentiated German school system.
Keywords:
decoupling; permeability; vocational education

Marko Neumann/Inge Schnyder/Ulrich
Trautwein/Alois Niggli/Oliver Lüdtke/Rico Cathomas
Schulformen als differenzielle Lernmilieus.
Institutionelle und kompositionelle Effekte auf die Leistungsentwicklung
im Fach Französisch
in:
ZfE, 10.
Jg. (2007), H. 3, S. 399-420
Zusammenfassung
Auf der Basis von zwei repräsentativen Schülerstichproben der
Schweizer Kantone Wallis (N = 926) und Fribourg (N = 778), die während
der 8. Jahrgangsstufe im Fach Französisch als Fremdsprache unterrichtet
wurden, geht der vorliegende Beitrag der Frage nach, ob Schülerinnen und
Schüler je nach besuchtem Bildungsgang unterschiedliche Fortschritte in
der Entwicklung ihrer Fachleistungen machen. Von besonderem Interesse
ist dabei, ob und in welchem Ausmaß die Zusammensetzung der
Schülerschaft (Kompositionseffekte ) und möglicherweise auch
institutionell differierende didaktische und curriculare Angebote
zwischen den Bildungsgängen (Institutionseffekte) als lernmilieuprägende
Faktoren von Bedeutung für die Entwicklung der Fachleistungen sind. In
Mehrebenenanalysen zeigten sich auch nach Kontrolle der individuellen
Eingangsvoraussetzungen (einschließlich des Vorwissens) bedeutsame
Unterschiede in den Lernzuwächsen an den verschiedenen Bildungsgängen.
Die weiteren Analysen lassen darauf schließen, dass sowohl von
kompositionellen als auch institutionellen Effekten auf die
Leistungsentwicklung auszugehen ist.
Schlüsselwörter: Französischleistung;
Leistungsgruppierung; Kompositionseffekte; gegliedertes Schulsystem;
Lernmilieu
Summary
School Types as Differential Learning Environments: Institutional and
Compositional Effects on Achievement Gains in French as a Foreign
Language
Based on two representative samples of eighth grade students from the
Swiss cantons Wallis (N = 926) and Fribourg (N = 778), the present study
examines achievement gains in French as a foreign language in the
different tracks of the Swiss secondary school system. The main focus
lies on effects resulting from differences in the educational
environments of the tracks. Besides differences in the make-up of pupil
groups (compositional effects), differences in institutionalized
learning opportunities (institutional effects; e.g., track-specific
traditions of teacher education, didactics, curricula) need to be
considered here. Results of multilevel analyses showed that students'
learning progress differed between the tracks, even when controlling for
various intake characteristics (including prior knowledge) at student
level. Further analyses revealed that track differences in student gains
persisted, even when controlling for the intellectual and social
composition of the student body at class level.
Keywords:
ability grouping; educational environment; French
achievement; student composition; tracked school system

Johannes Bellmann
Der Pragmatismus als Philosophie von PISA?
Anmerkungen zur Plausibilität eines Deutungsmusters
in:
ZfE, 10.
Jg. (2007), H. 3, S. 421-437
Zusammenfassung
Verschiedene Fachvertreter der deutschsprachigen
Erziehungswissenschaft vertreten die These, der amerikanische
Pragmatismus sei so etwas wie die Hintergrundphilosophie von PISA. Der
Beitrag untersucht die Plausibilität dieses Deutungsmusters, indem er
der Bildungstheorie, Bildungsforschung und Bildungspolitik im Kontext
von PISA jeweils ein Kernkonzept zuweist - literacy, Kompetenz,
Standards - und diese Konzepte dann aus der Perspektive von John DEWEYS
pragmatistischer Pädagogik betrachtet. Es wird gezeigt, dass der
philosophische Pragmatismus auf anderen Denkvoraussetzungen beruht und
daher DEWEY als Gewährsmann für die Bildungsreform im Kontext von PISA
ungeeignet ist.
Schlüsselwörter: PISA; John DEWEY;
Pragmatismus; literacy; Kompetenz; Standards
Summary
Pragmatism as the philosophy of PISA? - Comments on a pattern of
interpretation and its plausibility
Several scholars in the German-speaking educational research community
hold the view that American pragmatism can be regarded as the
philosophical background of PISA. This paper examines the plausibility
of this view first by pointing out the core-concepts of educational
theory, research and policy in the context of PISA - i.e. literacy,
competence, standards - and second by discussing these concepts from the
perspective of DEWEY' s pragmatism. It is shown that DEWEY'S pragmatism
rests on different theoretical background assumptions and thus can not
be regarded as an appropriate source for the philosophical foundation of
educational reform in the era of PISA.
Keywords:
competence; John DEWEY; literacy; PISA; pragmatism;
standards

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