Gabriele Faust
Zum Stand der
Einschulung und der neuen Schuleingangsstufe in Deutschland
in:
ZfE, 9.
Jg. (2006), H. 3, S. 328-347
Zusammenfassung
Seit Bestehen der Grundschule
änderten sich Einschulungsregelungen, Organisation der ersten Klassen und
deren pädagogisch-didaktische Gestaltung mehrfach. Die neue
Schuleingangsstufe wird seit Beginn der 1990er-Jahre in 15 Bundesländern
erprobt. Alle schulpflichtigen Kinder werden ohne vorherige Feststellung der
Schulfähigkeit eingeschult. In der modellgemäßen Umsetzung werden
jahrgangsübergreifende Lerngruppen mit flexibler Verweildauer und
sozialpädagogischem Fachpersonal geführt (Typ I). Allerdings kommen
verschiedene Realisierungsformen vor. Vergleichende Evaluationen fehlen.
Seit 1997 zielen zahlreiche Veränderungen in den Schulpflichtbestimmungen
auf die Einschulung jüngerer Kinder und die Senkung der Zurückstellungsraten
ab. Nach dem Ende der Schulversuche wird die neue Schuleingangsstufe in vier
Bundesländern teilweise zur Regeleinrichtung, in acht weiteren nicht überall
oder vereinzelt realisiert. Daneben gibt es nach wie vor die herkömmliche
Einschulung. Die Wege in die Schule sind in den 16 Bundesländern
unübersichtlich und unterscheiden sich erheblich. Forschung und
länderübergreifende Abstimmung werden vernachlässigt.
Schlüsselwörter:
Schulanfang;
Einschulungsregelungen; neue Schuleingangsstufe; vorzeitige Einschulung;
Zurückstellung
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Summary
On Mixed-age Grouping and the Current School Entry Regulations in Germany
Since the establishment of primary schools in Germany (Grundschulen),
both the rules for school entry and the organization and pedagogics of the
first two years of schooling have been changed many times. Since 1992 a new
access regulation for schooling has been experimented with in 15 of the
German Ländern. In this model, children of school age may enter the
system even if they are not yet ready for school. They are taught in
mixed-age groups while children at risk receive social-pedagogic support in
their first two school years. Comparative evaluations of the different
regulations have not been carried out. Since 1997 many reforms of the
regulations for compulsory schooling have focused on younger children
entering school and a reduction of retention rates. Following the end of
most trials, the new model of school entry has been adopted partially in
four Ländern and in a further eight the implementation has been
disparate. In total, school entry varies significantly between the
Ländern. Both research and common agreements between Ländern are
lacking.
Keywords:
school entry; regulations for
school entry; mixed-age grouping; early enrolment; retention
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Hartmut Ditton/Jan
Krüsken
Der Übergang
von der Grundschule in die Sekundarstufe I
in:
ZfE, 9.
Jg. (2006), H. 3, S. 348-372
Zusammenfassung
Zu der Frage, auf welche Weise sich
Merkmale der sozialen Herkunft auf den Schulübertritt nach der Primarstufe
auswirken, wird in einer Längsschnittstichprobe 27 bayrischer
Grundschulklassen der Verlauf des Übertrittsprozesses untersucht, und zwar
von den Bildungsaspirationen der Eltern am Ende der dritten Jahrgangsstufe
über die Schullaufbahnempfehlungen der Lehrkräfte bis hin zu den
tatsächlichen Schulanmeldungen. Neben der Frage der Leistungsangemessenheit
der Abschlussnoten und der erteilten Schulempfehlungen werden die
Herkunftseffekte im Entscheidungsverlauf vertieft analysiert. Die
letztendlich resultierende Schülerzuteilung zu den verschiedenen
Bildungsgängen kovariiert deutlich mit der sozialen Herkunft der Schüler.
Die vorgestellten Analysen der einzelnen vorgelagerten Entscheidungsschritte
verweisen dabei auf eine stärkere Bedeutung primärer gegenüber sekundärer
Einflusseffekte der sozialen Herkunft auf die Schulformzuteilung.
Schlüsselwörter:
Schulübertritt; soziale Ungleichheit; Bildungsbeteiligung; Chancengleichheit
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Summary
The Transition from
Primary to Secondary Schools
Starting out from the question of the effect of different characteristics of
social background on school transition following primary school, a
longitudinal study of 27 primary school classes in Bavaria was used to
investigate the course of transition from parents' educational aspiration,
school recommendations from teachers and actual registration at a particular
secondary school. Besides looking at the question of the match between a
pupil's school results and their school recommendation, the effects of
background were assessed at different stages of the decision-making process.
The final allocation of pupils to the various school types correlates
clearly with the social background of pupils. This analysis of the separate
decisional steps highlights the higher significance of primary than
secondary impacts of social background on allocation to school type.
Keywords:
school transition; social inequality; educational participation; equity
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Franz
Baeriswyl/Christian Wandeler/Ulrich Trautwein/Katrin Oswald
Leistungstest,
Offenheit von Bildungsgängen und obligatorische Beratung der Eltern.
Reduziert das Deutschfreiburger Übergangsmodell die Effekte des sozialen
Hintergrunds bei Übergangsentscheidungen?
in:
ZfE, 9.
Jg. (2006), H. 3, S. 373-392
Zusammenfassung
Dieser Beitrag untersucht das
Übertrittsverfahren von der Grundschule in die Sekundarschule I der
deutschsprachigen Schulen des Kantons Freiburg (Schweiz). Das
Deutschfreiburger Übergangsmodell mit seinen verschiedenen Komponenten wird
vorgestellt und evaluiert. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der
Frage, ob unerwünschte Effekte des familiären Hintergrunds durch dieses
Modell reduziert bzw. eliminiert werden können. Untersucht wird im Weiteren
die Übereinstimmung der Übertrittsempfehlung von Eltern und Lehrkräften
sowie der Prüfungsleistung. Die Autoren kommen zum Schluss, dass das
untersuchte Übergangsmodell die Effekte des familiären Hintergrunds beim
Übertritt von der Primarschule in die Sekundarschule relativ gering hält.
Der sozioökonomische Hintergrund wirkt sich über die Übertrittsempfehlung
von Lehrkräften und Eltern auch auf den tatsächlichen Übertritt aus; die
absoluten Effekte des familiären Hintergrunds fallen jedoch - nach Kontrolle
der Schulleistung - insgesamt vergleichsweise schwach aus. Der eingesetzte
Bewertungsbogen, den Lehrkräfte und Eltern zusätzlich zu den Noten als Basis
für die Übergangsempfehlung einsetzen, scheint resistent gegenüber Effekten
des familiären Hintergrunds zu sein.
Schlüsselwörter:
Schulische Selektion; sozioökonomischer
Status; Übergang; Übertritt; Lehrer-Elternempfehlung
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Summary
Performance Tests,
Open-Access Courses and Obligatory Counseling of Parents
- Does the Freiburg
transition model reduce the effects of social background on transition
decisions?
This contribution investigates the transition model in the
German-speaking secondary schools of the Swiss canton of Freiburg. This
model will be presented and evaluated. A particular emphasis is placed on
the question of whether non-intended effects of family background can be
reduced or eliminated through this model. Furthermore, the match between
recommendations for school transition from parents and teachers and the exam
performance of the pupils will be investigated. The authors conclude that
the model does reduce the effects of family background. The socio-economic
background can still be seen to influence parents' and teachers'
recommendations. However, after controlling for the effects of school
performance, the effects of family background are comparatively small. The
assessment sheet, which is used for the final recommendation by parents and
teachers, in addition to grade scores, appears to be resistant to the
effects of family background.
Keywords:
school selection;
socio-economic status; transition; parents' and teachers' recommendation
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Ulrich Trautwein/Kai Maaz/Oliver Lüdtke/Gabriel Nagy/Nicole Husemann/Rainer
Watermann/Olaf Köller
Studieren an der Berufsakademie oder an
der Universität, Fachhochschule oder Pädagogischen Hochschule?
Ein Vergleich des Leistungsstands, familiären Hintergrunds, beruflicher
Interessen und der Studienwahlmotive von (künftigen) Studierenden aus Baden-
Württemberg
in:
ZfE, 9.
Jg. (2006), H. 3, S. 393-412
Zusammenfassung
Beim Übergang von der Schule auf
die Universität müssen sich Abiturienten u.a. für einen bestimmten
Hochschultypus entscheiden. Der Fokus in diesem Beitrag liegt auf der
sogenannten Berufsakademie, die in einigen Bundesländern eine interessante,
aber wenig beachtete Alternative zu Universität, Fachhochschule und
Pädagogischer Hochschule darstellt. Anhand einer großen Längsschnittstudie,
die in Baden- Württemberg durchgeführt wird, werden der Leistungsstand, der
familiäre Hintergrund, die beruflichen Interessen und die Studienwahlmotive
von (künftigen) Studierenden an den verschiedenen Hochschultypen untersucht.
Berufsakademien erwiesen sich insbesondere für Abiturienten mit weniger
günstigem familiären Hintergrund und dem Wunsch, rasch finanziell unabhängig
zu sein, sowie für Absolventen beruflicher Gymnasien als attraktive
Alternative zur Universität. Berücksichtigt man die schulische Herkunft
(berufliches vs. allgemeinbildendes Gymnasium), so fanden sich ähnliche
kognitive Eingangsvoraussetzungen bei Studierenden
wirtschaftswissenschaftlicher Fächer an Berufsakademie, Fachhochschule und
Universität.
Schlüsselwörter:
Berufsakademie; Gymnasiale Oberstufe;
Längsschnittstudie; Leistungsstand; berufliche Interessen; Studienwahlmotive
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Summary
Deciding on a
college type: A comparison of school achievement, family background,
occupational interests, and reasons for choice of college type among
(prospective) students in Baden-Württemberg.
One of the choices that Abitur holders have to make at the transition from
secondary to higher education is the type of higher education institution.
The present article focuses on Berufsakademien ("universities of cooperative
education"), which offer an interesting but little known alternative to
traditional universities, Fachhochschulen ("universities of applied
science"), and teacher training colleges in some of the German states. Using
data from a large-scale longitudinal study conducted in Baden-Württemberg,
we examine school achievement, family background, occupational interests,
and reasons for choice of college type among (prospective) students. Our
findings show that the Berufsakademie is an attractive alternative to the
traditional university, particularly for Abitur holders from less privileged
family backgrounds, for those who seek rapid financial independence, and for
students with a vocational Abitur. When controlling for the type of school
attended (vocational vs. traditional Gymnasium), economics students at
Berufsakademien, Fachhochschulen, and traditional universities proved to
have similar levels of cognitive ability at college entry.
Keywords:
Berufsakademie; upper secondary
education; longitudinal study; school achievement; occupational interests;
motives for studying
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Stephanie
Hellekamps
Hannah Arendt
über die Krise in der Erziehung - Wiedergelesen
in:
ZfE, 9.
Jg. (2006), H. 3, S. 413-423
Zusammenfassung
In dem vorliegenden Text wird
Hannah Arendts Aufsatz über die Krise in der Erziehung vor dem Hintergrund
ihres Werks Vita activa oder Vom tätigen Leben re-interpretiert. Im
Ausgang von ihrem Begriff der Natalität wird zunächst Arendts kritische
Auseinandersetzung mit der "progressive education" skizziert. Es zeigt sich,
dass ihre Typologie der menschlichen Tätigkeiten, die sie in Vita activa
entwickelt, für ihre Kritik der Erziehung ebenso maßgeblich ist wie ihre
Dichotomie des Privaten und Öffentlichen. Eine Folge dieser Bestimmungen ist
einerseits ihre Beziehung des Neuen, das mit jedem Kind in die Welt kommt,
auf die politische Praxis in Freiheit; andererseits verortet sie das
Aufwachsen der Kinder ausschließlich in der Sphäre des Privaten und
Prä-Politischen. Insbesondere Arendts aristotelisch inspirierte Konzeption
des Handelns, aber auch ihr römisch bestimmter Begriff der Tradition führen
zu Unstimmigkeiten im Rahmen ihrer eigenen Theorie. Es stellt sich die
Frage, ob die Kategorie der Natalität nicht eher eine politische Kategorie
ist als eine pädagogische.
Schlüsselwörter:
Hannah Arendt; conditio humana;
Erziehungskrise; Erziehungskritik; Natalität; Typologie menschlicher
Tätigkeiten; Traditionskrise
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Summary
Hannah Arendt on
the Crisis in Education
- A reread
On the basis of her work The Human Condition, this paper presents
a re-interpretation of Hannah Arendt’s essay on the crisis in education.
Starting with her concept of natality, Arendt’s critique of "progressive
education" is outlined. It is shown that the typology of human activity
developed in The Human Condition is as crucial for her critique of
education as her dichotomy of private and public spheres. As a consequence
she relates the new (represented in every child coming into the
world) to political praxis in freedom. On the other hand she locates
children's growing up almost totally within the sphere of pre-political
private life. Especially Arendt’s conception of action, but also her
conception of tradition produces inconsistencies within the frame of her own
theory. It is to be questioned whether the category of natality is not more
a political rather than a pedagogical one.
Keywords:
Hannah Arendt; conditio humana;
crisis of education; critique of education; natality; typology of human
activity; crisis of tradition
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Yvonne
Ehrenspeck/Achim Hackenberg/Dieter Lenzen
Wie
konstruieren Jugendliche filmische Todesdarstellungen? Ergebnisse eines
DFG-Forschungsprojektes zur erziehungswissenschaftlichen
Medienrezeptionsforschung
in:
ZfE, 9.
Jg. (2006), H. 3, S. 424-446
Zusammenfassung
Der Artikel stellt Theorie und
Methodologie sowie die Forschungsergebnisse des DFG-Projekts: "Mediale
Kommunikatbildungsprozesse zur Todesthematik von weiblichen und männlichen
Gymnasialschülern der Sekundarstufe II" vor. Ziel der Untersuchung war es,
herauszufinden, wie Jugendliche Spielfilme rezipieren und welche differenten
"Filmscripts" zur Todesthematik in ihrem Bewusstseinssystem entstehen. Das
Projekt nimmt dabei eine interdisziplinär ausgerichtete Perspektive auf die
Medienrezeptionsforschung ein, bei der die komplexen und non-linearen
Aspekte der Medienrezeption Berücksichtigung finden und Medienrezeption als
"Medien-Rezipienten-Interaktion" begriffen wird. Zur Rekonstruktion von
Filmrezeptionsprozessen bzw. von entsprechenden
"Film-Zuschauer-Interaktionen" bei Jugendlichen ist eine neue Analysemethode
für Typen "persönlicher Filmkommunikate" entwickelt worden, die vor dem
Hintergrund der in dieser Untersuchung gewonnenen Forschungsergebnisse
plausibilisiert werden soll.
Schlüsselwörter:
Medienrezeptionsforschung; Medienrezeption;
Filmrezeption; Medienpädagogik; Jugendmedienschutz; Qualitative
Medienforschung
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Summary
How do Young People
Reconstruct Filmic Treatments of the Subject of Death? Results of a DFG-sponsored
research project on media reception research in education science
This article presents the theory and method, as well as the research results
of a DFG-project "Media communicat-construction processes on the topic of
death in male and female Gymnasium pupils". The objective of the study was
to explore how young people react to films and which different "film
scripts" emerge in their conscience systems. The project takes an
interdisciplinary perspective to media reception research, which recognizes
the complex, non-linear aspects of media reception and sees it as
media-recipient-interaction. In order to reconstruct the film reception
processes and the film-spectator-interaction in young people, a new analysis
method for types of "personal film communicats" has been developed, which
can be tested for plausibility using the research results for the project.
Keywords:
media reception research; film
reception; media pedagogy; media protection for young people; qualitative
media research
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