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Hans-Wolfgang
Henn/Gabriele Kaiser
Mathematik
- ein polarisierendes Schulfach
in:
ZfE, 4.
Jg. (2001), H. 3, S. 359-380
Zusammenfassung
Mathematik ist ein polarisierendes Fach, ein Fach, das entweder geliebt
oder abgelehnt wird. Der Beitrag fragt nach den Ursachen für eine derartige
Polarisierung und beschreibt dabei die Stellung des Fachs Mathematik in
der Schule. In einem ersten Teil werden unter Bezug auf die historische
Entwicklung des Faches Mathematik die Zielsetzungen des Mathematikunterrichts
beschrieben. Dabei wird deutlich, dass im Mathematikunterricht über
die historische Entwicklung hinweg für die gymnasiale Bildung stärker
formale Ziele von Mathematik als Geistesbildung formuliert wurden, wäh-rend
für die Volks- und Realschulbildung stärker materiale Bildung
der Befähigung zur Umweltbewältigung gefordert wurden. In einem
zweiten Teil werden Probleme und Defizite des Mathematikunterrichts beschrieben
wie die Dominanz von Regeln und Kalkülen und die einseitige Orientierung
an einer deduktiv aufgebauten Fachsystematik. In einem dritten Teil werden
Konsequenzen und Maßnahmen zur Behebung der Defizite vorgeschlagen
wie die Orientierung an fundamentalen Ideen. Auf der Ebene der Lehr-Lern-Formen
wird die Bedeutung produktiver Lernumgebungen hervorgehoben sowie die Stärkung
von Eigenaktivitäten und offenen Fragestellungen gefordert.
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Summary
Mathematics - a polarizing subject.
Mathematics is a polarizing subject, a subject either beloved or condemned.
This contribution asks for the reasons for such polarization and, at the
same time describes the position of Mathematics as a school subject. In
the first part, the aims of mathematics teaching are described in relation
with the historical development of mathematics. It becomes obvious that
beyond its historical development mathematics teaching at the Gymnasium
(higher type secondary school) was laying stronger emphasis on formal goals
of mathematics such as the cultivation of the mind, while at the Volksschule
(lower type secondary school) and Realschule (intermediate type secondary
school) goals related to the ability of mastering daily life were more strongly
demanded. In the second part problems and deficits of mathematics teaching
are described, such as the prevailing dominance of rules and calculations
and the unilateral orientation towards a deductively constructed systematics
of the subject. In the third part consequences and measures for remedying
the deficits are suggested, for example an orientation on fundamental ideas.
At the level of teaching-and-learning-modes productive learning surroundings
are demanded and the support of individually initiated activities and open
problems is stressed.
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Meinert
A. Meyer
Das Fach und die Schüler
Unterrichtsanalysen und vorläufige Bemerkungen zu einer Theorie
der Partizipation
in: ZfE,
4. Jg. (2001), H. 3, S. 381-403
Zusammenfassung
In diesem Beitrag geht es darum, die Bedeutung des Fachunterrichts aus Schülersicht
herauszustellen und dabei zugleich unterschiedliche Arten der Beteiligung
der Schüler an eben diesem Unterricht zu beschreiben. Dafür liefere
ich Auszüge aus Unterrichtsprotokollen und dazugehörigen Lehrer-
und Schülerkommentaren und interpretiere sie. Das Beispiel stammt aus
dem Geschichtsunterricht der gymnasialen Oberstufe, Jahrgangsstufe 11. Abschließend
versuche ich, Bausteine einer Theorie der Partizipation im Fachunterricht
zu identifizieren.
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Summary
A Subject and its Pupils: Lesson analyses and preparatory notes on a
theory of participation
The aim of this paper is to show the importance of lessons in particular
subjects from the perspective of the pupils and, at the same time, to describe
the different ways in which pupils participate in these lessons. To this
end, I will present and then interpret excerpts from records of particular
lessons along with teachers' and pupils' comments on these les-sons. The
example comes from a History class in year 11 of the German Gymnasium. To
conclude, I will attempt to identify the building blocks of a theory of
participation in subject lessons.
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Hartmut
Titze
Bildungswachstum
und Nationalsozialismus
in:
ZfE, 4.
Jg. (2001), H. 3, S. 415-436
Zusammenfassung
Aus der Sicht der historischen Bildungsforschung liegt eine neue Deutung
des Nationalsozialismus als Sackgasse nahe, in die die überforderten
Bildungsschichten und breiten Volksmassen sich selbst manövriert haben.
Die beiden seit der Aufklärung in Wechselwirkung verbundenen Bildungskreisläufe
(höhere Bildung und volkstümliche Bildung) sind eigendynamisch
derart gewachsen, dass es um 1930 durch Verwertungskrisen in beiden Bereichen
("Arbeitslosigkeit") zum Konflikt zwischen den Eliten und den
breiten Volksmassen kam. Der Nationalsozialismus lässt sich als widersprüchliche
Einheit im Rahmen dieses eigendynamischen Zusammenhangs auffassen. Im Bezugsrahmen
einer "biologischen Politik" wurden die Unterschiede zwischen
der Auslese der Arten in der Natur und der Bildungsselektion in der Kultur
allmählich eingeebnet und verwischt. Das scharfe Selektionsklima machte
viele Zeitgenossen bereit, sich auf das nationalsozialistische Abenteuer
einzulassen. Die Bildungsselektion, im Rahmen von Rassenwahn instrumentalisiert,
führte zur Tötung von Staats wegen und zum Völkermord. Seit
dem zweiten Wachstumssprung des Bildungssystems (1960-1980) entwickelt sich
auch in Deutschland eine international orientierte und selbstorganisierte
"Kultur von unten", die auf einer Vermischung von "Elite"
und "Masse" beruht.
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Summary
Educational expansion and National Socialism
From the standpoint of historical educational research National Socialism
can be reinterpreted as a dead end, into which an educationally-driven higher
social stratum and the lower social classes maneuvered themselves. The two
educational cycles which had been characterized by an interdependence since
the Enlightenment (i.e. higher education and popular education) grew to
such an extent that a utilization crisis ("unemployment") provoked
conflict between the elite and the lower social classes. National Socialism
can be conceived of within this context as an inconsistent and unstable
unity. The differences between natural selection and culturally determined
educational selection were leveled out and blurred within the framework
of the national socialist "biological politics". The commanding
climate of selection encouraged many contemporaries of the time to opt for
the national socialist adventure. Educational selection, which was instrumentalized
under the delusion of race supremacy, lead to death by order of the State
and to genocide. Since the second period of expansion in the education system
(1960-80) an internationally orientated and self-driven 'grass-roots culture'
has been able to develop in Germany, which is founded on a mixing of 'elite'
with 'mass'.
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Hans
Merkens
Die
Nutzung sozialer Räume durch Jugendliche in ihrer Freizeit
in: ZfE,
4. Jg. (2001), H. 3, S. 437-455
Zusammenfassung
Sozialraumanalysen sind in der Vergangenheit mit Hilfe quantitativer Methoden
nur ansatzweise durchgeführt worden, wenn z.B. nach Aktivitäten
in der Freizeit gefragt worden ist. In der vorliegenden Untersuchung wird
zunächst gefragt, welche Räume Jugendliche in ihrer Freizeit nutzen.
Auf dieser Basis wird eine Clusteranalyse gerechnet. Anschließend
wird geprüft, wieweit sich die so gebildeten Cluster hinsichtlich ihrer
Aktivitäten, aber auch hinsichtlich der Größe der Gruppen
von Jugendlichen unterscheiden. Zusätzlich ergibt sich, dass diese
Gruppen Jugendlicher zwar durch ein hohes Maß an Empathie ausgezeichnet
sind, ansonsten aber eher im Sinne gelegentlicher Ressourcen genutzt werden
und keinen Druckfaktor in Richtung bestimmter Verhaltensweisen darstellen.
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Summary
Young people's use of social spaces in their freetime
Social space analyses using quantitative methods have only rarely been carried
out thoroughly in the past, usually in connection with questions concerning
activities in people's freetime. The study, which will be presented here,
first asks which spaces young people use in their freetime. This data is
then analyzed using a cluster analysis. Finally, the extent to which the
so formed clusters differ from one another in respect of the activities
within them and their group size are investigated. A further result of this
investigation is the conclusion that although these groups of young people
are marked by a high degree of mutual empathy between their members, they
are most likely to be utilized by young people as occasional resources and
do not to represent a coercive pressure on young people's behavior.
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Manfred
Lüders
Probleme von Lehrerinnen und Lehrern mit der Beurteilung von Schülerleistungen
in: ZfE,
4. Jg. (2001), H. 3, S. 457-474
Zusammenfassung
Die Erzeugung, Begründung und Durchsetzung von Leistungsbeurteilungen
in der Schule stellt für Lehrkräfte in verschiedenen Hinsichten
ein Problem dar. Einerseits sind die Grenzen des Konzepts der Schulleistung
strittig, andererseits gilt es, ungeachtet der defizitären wissenschaftlichen
Rationalisierung der Praxis der schulischen Leistungsbeurteilung vertretbare
Selektionsentscheidungen zu produzieren sowie zwischen den vielfach als
widersprüchlich empfundenen Zielsetzungen der Förderung und der
Selektion abzuwägen. Der Beitrag geht der Frage nach, wie Lehrkräfte
an öffentlichen Schulen mit diesen und ähnlichen Problemen umgehen.
Er berichtet über Teilergebnisse eines von der DFG geförderten
Forschungsprojekts über "Selektionsentscheidungen als Problembereich
professionellen Lehrerhandelns" (Terhart/Langkau/Lüders 1999).
Insbesondere werden Befunde einer Dilemma-Studie vorgestellt, in deren Rahmen
Lehrkräfte mit problematischen Zensierungs- und Selektionsentscheidungen
konfrontiert und um eine Stellungnahme gebeten worden sind. Dabei stehen
keineswegs erneut die vielfach konstatierten Schwächen des Lehrerurteils
im Zentrum der Betrachtung. Ziel des Beitrages ist es vielmehr, die erhobenen
Stellungnahmen der Lehrkräfte als Ausdruck bestimmter Rahmenbedingungen
schulischen Bewertungshandelns zu interpretieren, damit einen vertieften
Einblick in die Praxis der Leistungsbeurteilung als Praxis einer in Organisationen
tätigen Profession zu geben und Hypothesen für die weitere Forschung
zu generieren. |
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Summary
Problems Concerning the Judgement of Pupils' Performance
The generation, justification and assertion of judgements concerning pupils'
performance present teachers with a variety of problems. On the one hand,
the boundaries of the concept of pupil performance are controversial whilst,
on the other, in spite of the deficiency of scientific rationalization of
this practice, adequate selective decisions must be generated and the balance
between support and selection must be weighed up. This paper considers the
way teachers in public schools cope with these and other similar problems.
It reports on some of the results from a DFG-supported research project
entitled "Selective decisions as a problem area in professional teaching
practice" (TERHART/LANGKAU/LÜDERS 1999). In particular, responses
from a dilemma study are presented, in which teachers were confronted with
problematic selective decisions and asked for their professional opinion.
The focal point of this study is not the regularly proclaimed weakness of
teachers' judgements. The objective of this paper is instead to interpret
the professional judgement of teachers as an expression of particular conditions
of school assessment practice; through this, to offer a deeper insight into
the practice of performance assessment conceived of as the practice of a
profession which works in organizations, and to generate hypotheses for
further research in this field of study. |
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