Claude Diebolt
Die Erfassung der Bildungsinvestitionen im 19. und 20. Jahrhundert. 
Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien im Vergleich

in: ZfE, 3. Jg. (2000), H. 4, S. 517-538 

Zusammenfassung
Nach einer langen Phase, in der die Theorie der Langen Wellen keine Beachtung fand, wurde sie in den 1970-er Jahren von Wirtschaftshistorikern wieder belebt, um sie neuen, dynamischen Anwendungen in der makroökonomischen Analyse zuzuführen. Im gleichen Zeitraum erhöhte sich in den großen Volkswirtschaften die Variabilität der Wachstumsraten der Realeinkommen. Hierdurch wurde das Ende der Phase fast ununterbrochenen Wachstums markiert, die die meisten industrialisierten Volkswirtschaften nach dem Zweiten Weltkrieg durchlaufen hatten. Das erneuerte Interesse an der Theorie der Langen Wellen, das mit der Krise der Keynesianischen Wirtschaftstheorie einher ging, wurde zunehmend als grundlegender Neuansatz innerhalb der makroökonomischen Theorie angesehen. Dieser Artikel stellt einen Beitrag zu diesem Prozess dar; es wird postuliert, dass zwischen den Ausgaben für Humankapital (Bildung und Ausbildung, Löhne, Gesundheitsvorsorge etc.) und den Ausgaben, die für das materielle Wachstum getätigt werden, ein Zusammenhang besteht.

Inhaltsverzeichnis

Summary
A Method of Recording Educational Investment in the 19th and 20th Century – Germany, France, Great Britain and Spain compared

After a long period of hibernation, long wave theory was brought out and dusted off again by economic historians in the 1970s for new, vigorous applications in macroeconomic analysis. During the same period, the major market economies experienced greater variability in real income growth rates, thus marking the end of a period of an almost uninterrupted growth enjoyed by most industrialized economies since World War II. This renewed interest in long wave theory, which coincided with the crisis in Keynesian economics, became increasingly identified with a profound rethinking of macroeconomic theory. This paper is a contribution to the process, and postulates a link between expenditure on human development (education, wages, health care, etc.) and that devoted to material growth.

Inhaltsverzeichnis  

 


Jaques Demorgon
Les formations interculturelles. Une comparaison multiréférentielle et internationale.
in: ZfE, 3. Jg. (2000), H. 4, S. 539-558

 

Zusammenfassung
Weltweit entstehen in zunehmender Anzahl interkulturelle Erziehungs- und Trainingsprogramme. Die interkulturelle Dimension kann heute überall gefunden werden: In Kommunikation, Verhandlungen, Mediation und Kooperation wie auch in der Diplomatie, der Wirtschaft, im Tourismus, in Erziehungsbereichen und Sozialarbeit – insbesondere dann, wenn die beiden letztgenannten mit der Welt der Arbeit und Immigration zusammentreffen. In „Les formations interculturelles“ werden durch multireferentielle und internationale Vergleiche auf diesem Gebiet neue Wege gegangen.

Programme können ihren Schwerpunkt auf interkulturelle Beziehungen zwischen Menschen, Gruppen, regionalen Bereichen und Nationen legen. Jedes Land vertritt dabei seine eigene psychologische, ethnosoziologische und politische Perspektive. Manche Programme versuchen die bestmögliche Kommunikation mit einer breiten Vielfalt anderer zu erzielen und nehmen daher die Position einer generellen Orientierung vor. Andere konzentrieren sich wiederum auf eine spezifische Kultur, um stabile ökonomische Kooperation zu erreichen. Wieder andere umfassen eine bestimmte Anzahl von Kulturen, wie dies zum Beispiel in dem politischen Projekt zur Europäischen Union der Fall ist.

Ein Resultat dieser unterschiedlichen und zunehmend anspruchsvollen Bedingungen besteht in dem Druck auf interkulturelle Trainingsprogramme, jene Bereiche zu integrieren, die Kulturen verbinden, sowie auch jene, die Kulturen von einander trennen – sowohl in Perspektiven der Zeit wie des Raumes. Innerhalb dieser Entwicklung können zwei Paradigmen identifiziert werden: Eine historische Perspektive, die zunehmend die Vermeidung von Stereotypen und Vorurteilen im Hinblick auf Wissen und Verständnis der Kultur ermöglicht sowie eine flexible Regulierung, die es Individuen und Gesellschaften erlaubt, mit einander klar zu kommen, wobei jeder Person, Gruppe und Gesellschaft die Freiheit zugesprochen wird, ihre eigenen Strategien zu entwickeln, um die vielfältigen und instabilen Effekte der Globalisierung zu bewältigen.

 Inhaltsverzeichnis

Summary
Programmes of Intercultural Education and Training: A multireferential and international comparison

Accross the world programmes of intercultural education and training are being established in increasing numbers and diversity. The intercultural dimension is now everywhere: in communications, negotiation, mediation and cooperation as well as in diplomacy, business, tourism, in education and in social work, particularly where these last two impinge on the worlds of work and of immigration. In „Les formations interculturelles“, Demorgon breaks new ground in providing a multireferential and international comparison of this global field. Programmes can focus on intercultural relations between persons, between groups, regions or nations. Each country will have its own particular psychological, ethnosociological and political perspective. Some programmes attempt to promote the best possible communication with a wide range of others, adopting therefore a general orientation. Others focus specifically on one particular culture in order to promote sound economic cooperation while there are yet others which encompass several cultures, as for example with the political project of the construction of the European Union. One outcome of these varied and ever more demanding conditions is pressure on intercultural training programmes to incorporate with increasing rigour both that which unites and that which divides cultures, in space and in time. Within this development, two models or paradigms appear: an historical perspective which progressively allows for the elimination of stereotypes and prejudices with regard to the knowledge and understanding of cultures; a flexible regulation which allows for individuals and societies variably to come to terms with each other, leaving to each person, group and society the freedom to develop their own strategies to cope with the multiple and unstable effects of globalisation.

Inhaltsverzeichnis


Sjaak Kroon/Jan Sturm
Comparative Case Study Research in Education.
Methodological Issues in an Empirical-Interpretative Perspective.
in: ZfE, 3. Jg. (2000), H. 4, S. 559-576

Zusammenfassung
Im Rahmen des Hamburger Forschungsprojektes Bilinguale Kinder in monolingualen Schulen (1991-1994), das einen Teilbereich des DFG-Forschungsprojektes Folgen der Arbeitsmigration für Bildung und Erziehung (FABER) darstellte, wurde ein deutsch-niederländisches Projekt entwickelt, das dem Modell des International Mother Tongue Education Network (IMEN) folgt. Ziel des IMEN Forschungsprogramms ist es herauszufinden, wie Fremdsprachenunterricht in unterschiedlichen Ländern geprägt ist. Es geht darum zu untersuchen, inwiefern Unterschiede und Gemeinsamkeiten den kulturellen Kontext widerspiegeln, in dem der Unterricht stattfindet. Die Kooperation zwischen IMEN und der Hamburger FABER-Gruppe fügte der IMEN Forschungsagenda noch die Frage des Sprachunterrichts in multilingualen Kontexten hinzu. Das deutsch-niederländische Projekt Sprachunterricht in der multilingualen Schule (1990-1995) stellte eine Gelegenheit dar, die ethnographische Methodologie und Methoden, die dem IMEN Programm entstammen, weiterzuentwickeln und anzuwenden. In diesem Beitrag wird vor dem Hintergrund einer kurzen Einführung in die Ethnographie in der Erziehungswissenschaft hauptsächlich auf zwei dieser Methoden eingegangen: die key incident analysis (eingebunden in eine Erläuterung der zugrunde liegenden ethnographischen Perspektive, z.B: der Reconstructive Ethnographic Account Approach) und die internationale Triangulation. Der Beitrag endet mit einer kurzen epistemologischen Diskussion. Es werden durchgehend konkrete Beispiele herangezogen, die auf den deutsch-niederländischen Daten basieren.

 Inhaltsverzeichnis

Summary
Within the framework of the Hamburg research project Bilinguale Kinder in monolingualen Schulen (1991-1994) that was carried out as part of the DFG research programme Folgen der Arbeitsmigration für Bildung und Erziehung (FABER) a German-Dutch cooperative project following the model of the research programme of the International Mother Tongue Education Network (IMEN) was set up. The aim of the IMEN research programme is to find out how standard language
teaching is shaped in different countries and how differences and similarities can be understood as a reflection of the different national-cultural contexts in which this teaching takes place. The cooperation between IMEN and the Hamburg FABER Group added the issue of standard language teaching in multilingual contexts to the IMEN research agenda. The German-Dutch project Sprachunterricht in der multilingualen Schule (1990-1995) turned out to be an excellent opportunity to further develop and apply (some of) the ethnographic methodological tools and procedures that were developed and used in IMEN research. In this contribution, we will, against the background of a brief introduction to the field of the ethnography of education, mainly deal with two of these tools: key incident analysis (embedded in a description of the ethnographic perspective that we have adopted, i.e., the Reconstructive Ethnographic Account Approach), and international triangulation. The article ends with a short epistemological discussion. Throughout the article concrete examples will be given that are taken from the German-Dutch data base.

Inhaltsverzeichnis


Frank Weinreich/Renate Schulz-Zander
Schulen am Netz – Ergebnisse der bundesweiten Evaluation. Ergebnisse einer Befragung der Computerkoordinatoren und -koordinatorinnen an Schulen.
in: ZfE, 3. Jg. (2000), H. 4, S. 577-594

Zusammenfassung
Im Rahmen der Begleitforschung der bundesweiten Initiative „Schulen ans Netz e.V.“ (SaN) führte das Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS) der Universität Dortmund eine Befragung der schulischen Koordinatorinnen und Koordinatoren der Internetarbeit der an der Initiative teilnehmenden Schulen durch. An der Untersuchung nahmen 520 Probanden aus allgemein- und berufsbildenden Schulformen aller Bundesländer teil. Die Untersuchung zeigt, dass Deutschland im internationalen Vergleich bezüglich der technischen Ausstattung noch deutlich zurückliegt und dass dies eine gewichtige Reihe von Problemen in der schulischen Internetpraxis nach sich zieht. Gleichzeitig zeigt sich, dass mit der Internetarbeit an den Schulen nach Einschätzung der Computerkoordinatorinnen und -koordinatoren insgesamt gute Erfahrungen gemacht wurden. Die Akzeptanz des neuen Mediums und insbesondere die Motivation bei den Schülerinnen und Schülern sind groß. Die Zukunft des Internets für die Schulen wird positiv eingeschätzt. Die Arbeit mit dem Internet an der Schule kann jedoch noch nicht als institutionalisiert interpretiert werden, da mehrheitlich nur eine Minderheit in den Kollegien dieses neue Medium einsetzt – und dies sind hauptsächlich Lehrer und deutlich weniger Lehrerinnen.

 Inhaltsverzeichnis

Summary
“Schulen ans Netz” (Schools Online): The Results of a National Evaluation: The results of a survey of IT-co-ordinators in schools

Within the framework of accompanying research for the national initiative “Schulen ans Netz”, the Institute for School Development Research at Dortmund University conducted a survey of the IT-co-ordinators in schools participating in the initiative. 520 of the participants from general and vocational schools from all German states were surveyed. The investigation shows that Germany lags relatively far behind in international comparison as regards technical equipment and that this has a series of consequences for internet practices in schools. At the same time, it shows that work on the internet was an all round positive experience for the IT-co-ordinators. The acceptance of the new medium and particularly the motivation of school pupils to use the medium is high. The future of the internet for the school is seen positively. Work on the internet in schools cannot, however, be understood as fully institutionalised, since in general only a minority of the colleagues utilise the new medium – and the male colleagues use it more frequently than females.

Inhaltsverzeichnis


Christiane Hof
Subjektive Wissenstheorien als Grundlage des Unterrichtens. Ergebnisse einer Explorationsstudie.

in: ZfE, 3. Jg. (2000), H. 4, S. 595-608

Zusammenfassung
Die vorliegende Untersuchung geht davon aus, dass pädagogisches Handeln nicht nur von objektiven Handlungsbedingungen und -intentionen abhängt, sondern auch von den subjektiven Theorien der Akteure beeinflusst wird. In einer explorativen Studie wurde das Wissensverständnis von Kursleiterinnen und Kursleitern aus dem Weiterbildungsbereich rekonstruiert und in Beziehung zu ihren Unterrichtskonzepten gesetzt. Das Ergebnis der Interviewanalysen weist nicht nur auf die empirische Heterogenität der wissenstheoretischen Vorstellungen der Lehrenden hin, sondern leistet auch einen Beitrag zur Unterrichtstheorie. So ermöglicht die Einbeziehung der wissenstheoretischen Perspektive eine Differenzierung in die Unterrichtskonzepte Unterweisung, Training, Beratung und Moderation.

  Inhaltsverzeichnis

Summary
Subjective Theories of Knowledge as a Fundamental Element of Teaching: results of an explorative study

The present study starts out from the assumption that teaching does not only depend upon the objective conditions and intentions of actions, but that it is simultaneously influenced by the subjective theories of the actors themselves. In an explorative study, the epistemological beliefs of women and men working as course heads in the area of continuing education were reconstructed and related to their concepts of teaching. The result gained by analyzing the interviews does not only point to the empirical heterogeneity of the teaching staff’s beliefs about knowledge; it renders, additionally, a contribution to the theory of teaching. Thus, taking into account the epistemological perspective facilitates a differentiation between the concepts of teaching instruction, training, consultation and presentation

Inhaltsverzeichnis


Johannes Bilstein
Die Beichte und ihre Bedeutung im Sozialisationsprozess
in: ZfE, 3. Jg. (2000), H. 4, S. 609-628

Zusammenfassung
Mehr als 500 Jahre lang gehörte die Beichte als christliche Version institutionalisierter Selbstthematisierung und als ritualisierter Ausdruck einer spezifisch christlichen Schuldkultur zu den grundlegenden Sozialisationserfahrungen und zur alltäglichen Frömmigkeitspraxis vieler Menschen. Dieser Beitrag versucht deshalb zunächst, die Vorgeschichte und die Geschichte der christlich-katholischen Beichte zu skizzieren. Beim Blick auf die wichtigsten Merkmale und Elemente der Beichte zeigt sich dann geradezu paradigmatisch, wie unter liturgisch geregelten und historisch sich wandelnden Bedingungen gesellschaftliche Normen, religiöse Vorschriften, rhetorische Traditionen und individuelles Erleben ineinander greifen. Eine Skizze zu wichtigen Wirkungen und Funktionen des Instituts Beichte bekräftigt schließlich noch einmal ihre sozialisatorischen Effekte und erweist darüber hinaus die ihr zugrunde liegenden Widersprüche und Paradoxa menschlicher Selbstreflexion: Widersprüche, die im traditionellen pädagogischen Diskurs als Grundprobleme der Bildungstheorie behandelt werden.

 Inhaltsverzeichnis

Summary
The Ritual of Confession and its Importance for the Socialization Process

For more than 500 years and for an infinite amount of people confession, in its Christian and especially Catholic variation, has been one of the fundamental experiences of socialization. It offers to Christians a conventional way of making themselves a subject of reflection and it represents an important element of the specific Christian culture of guilt. This article deals firstly with the pre-history and history of the Christian ritual of confession. A look at the characteristic features of the Christian confession then shows how social norms, religious instructions, traditions of rhetoric and individual experience are interconnected in this traditional instrument of self-reflection. An analysis of the main functions and effects of confession shows its impact on human socialization and makes clear some of the fundamental paradoxes of human self-reflection, traditionally treated in the context of educational theory.

Inhaltsverzeichnis

 

 


Startseite/Homepage             © Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, Stand: 23.06.2005