Ralf Bohrhardt
Familienstruktur und Bildungserfolg. Stimmen die alten Bilder?
in: ZfE, 3. Jg. (2000), H. 2, S. 169-188

Zusammenfassung
Dieser Beitrag befasst sich mit der häufig vorgetragenen These, dass sich die Struktur der Herkunftsfamilie und hier insbesondere die Abwesenheit eines Elternteils auf den Bildungserfolg von Kindern auswirke. Diese These wird aus der Perspektive der Lebensverlaufsforschung theoretisch kritisiert und auf der Grundlage deutscher und amerikanischer Umfragedaten empirisch relativiert. Es zeigt sich, dass es nicht die Strukturveränderungen der Familie als solche sind, die Einfluss auf den Schulerfolg von Kindern nehmen. Statt dessen rücken Selektionseffekte ins Zentrum der Aufmerksamkeit sowie insbesondere die sozialen und politischen Rahmenbedingungen, unter denen sich familiale Veränderungen vollziehen.

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Summary
This article deals with the frequently made argument that family structure – and here especially the absence of one parent – has an impact on the school success of children. This argument is theoretically criticised from the perspective of life course research and empirically re-analysed on the basis of survey data from Germany and the U.S. It becomes obvious, that the change of family structure as such has no or only very little impact on children’s school success. Instead, selection effects play a major roll as well as the social and political framework, under which changes to the family occure.

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Johannes Huinink
Bildung und Familienentwicklung im Lebensverlauf
in: ZfE, 3. Jg. (2000), H. 2, S. 209-228

Zusammenfassung
Der Zusammenhang zwischen Bildungsbeteiligung, Bildungsabschluss und Familienentwicklung ist kompliziert. Die gängige These einer negativen Beziehung zwischen Bildungserfolg und Heirats- bzw. Geburtenneigung greift theoretisch und empirisch zu kurz. Unter der Annahme, dass ein gleichbleibend starkes Bedürfnis nach engen, persönlichen Beziehungen und nach Elternschaft unterstellt werden kann, dürfte die Bedeutung der Bildung nur unter Berücksichtigung der jeweiligen Möglichkeiten zur Lösung von Vereinbarkeitsproblemen zutreffend zu charakterisieren sein.

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Summary 
The relationship between education and family development is rather complicated. The frequently proposed hypothesis of a negative correlation between educational achievement and the motivation to marry and to have children is, from a theoretical and an empirical perspective, only half the truth. Under the assumption that a strong, constant need for close personal relationships and parenthood exists, the relevance of education appears highly contingent on the available opportunities to combine family commitments with non-family activities.

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Uichol Kim/Young-Shin Park
Confucianism and Family Values
. Their Impact on Educational Achievement in Korea

in: ZfE, 3. Jg. (2000), H. 2, S. 229-250

Zusammenfassung 
Der Beitrag untersucht die Interdependenzen zwischen Konfuzianismus und familialen Werten, die Bildungsaspirationen und Bildungserfolg geprägt haben. Der erste Abschnitt behandelt zentrale Konzeptionen im Konfuzianismus und die Frage, wie konfuzianische Werte in Korea adaptiert, institutionalisiert und transformiert wurden. Im zweiten Abschnitt wird der Einfluss des Konfuzianismus auf die Familie analysiert. Dabei werden Sozialisationspraktiken und Eltern-Kind-Beziehungen behandelt. Danach wird der Frage nachgegangen, wie Konfuzianismus und familiale Werte Bildungsaspiration und Bildungserfolg beeinflusst haben. Im vierten Abschnitt werden anhand empirischer Studien der Autoren die dargelegten Ideen empirisch verifiziert. Abschließend werden die Herausforderungen, mit denen sich die koreanische Gesellschaft, insbesondere im Hinblick auf die Notwendigkeit einer Transformation der Bildungssystems konfrontiert sieht, diskutiert.

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Summary 
This paper examines Confucian values and their influence on family values and educational attainment in Korea. The first section reviews central precepts of Confucianism and how Confucian values became adopted, institutionalized, and transformed in Korea. In the second section, the influence of Confucianism on the family is analysed. In this section, practices of socialisation and parent-child relationships are reviewed. The third section examines how Confucian values influenced educational aspiration and achievement. In the fourth section, empirical studies conducted in Korea by the present authors will be reviewed to verify the ideas presented in this paper. In the final section, the current challenges that Korean society faces, especially the need for transformation in the educational system, are discussed.

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Richard Münchmeier
Jugend im Blick der Jugendforschung. Übersicht über Ansatz und Hauptergebnisse der 13. Shell Jugendstudie
in: ZfE, 3. Jg. (2000), H. 2, S. 251-266

Zusammenfassung
Die 13. Shell Jugendstudie fragte vor allem nach den Lebenszielen, Zukunfts- und Wertorientierungen junger Menschen zwischen 15 und 24 Jahren, nach ihrer Einstellung zu Deutschland und Europa sowie zur Religion. Zum ersten Mal wurden auch die in Deutschland lebenden Jugendlichen ausländischer Nationalität in allen Phasen der Untersuchung einbezogen. Das erlaubt Vergleiche zwischen deutschen und ausländischen Altersgenossen. Insgesamt präsentiert sich eine kritische und realistische Generation, die sich keine Illusionen über die Zukunft macht, sich aber deutlich zuversichtlicher als früher die Meisterung der Herausforderungen zutraut. Ihre Lebensziele sind auf die Verbindung von Familie und Beruf ausgerichtet und weit entfernt von einem immer wieder unterstellten platten Postmodernismus. Überraschend ist das große, partnerschaftliche Einvernehmen mit den Eltern. Elterliches Zutrauen in die Kinder scheint die wichtigste Quelle für jene Selbstwirksamkeitsüberzeugungen zu sein, die die bedeutsamste Ressource dafür sind, sich den Herausforderungen zu stellen.

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Summary 
The 13th Shell Youth Study focussed upon the perspectives, the value and future orientations of young people in Germany between 15 and 24 years of age. It looked into attitudes towards Germany, the impact of Europe and the meaning of religion. For the first time young people with a foreign nationality, who are living in Germany, were included in the survey. This has provided numerous possibilities to make comparisons between German and foreign kids. As a whole the young generation presents itself as a critical and realistic population group, who has no illusions about the future, but who trusts in its own strength and capacity to cope with the challenges of modern society. The young people’s life perspectives centre on a striving to combine family and occupational goals. In this way, they present a picture which is a long way off from the flat post-modern life, which is so often presumed. Surprising is the value a harmonious partnership with parents is given. In fact, parental trust seems to be their most important source of self-efficacy. A vital resource, which enables them to deal with the challenges of life.

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Carey Jewitt/Gunther Kress/Jon Ogborn/CharalamposTsatsarelis
Materiality as an Aspect in Learning
in: ZfE, 3. Jg. (2000), H. 2, S. 267-284

Zusammenfassung 
In diesem Text wird anhand von Beispielen gezeigt, wie ein sozial-semiotischer Ansatz zu multimodalen Schülertexten (Texte, die eine Vielfalt von Fähigkeiten, einschließlich der visuellen, materiellen und aktionistischen anregen bzw. diese den Sinnen zugänglich machen) eine Möglichkeit bietet, Lernvorgänge zu verstehen. Unsere These lautet, dass Lernen als ein transformativer Prozeß von Zeichenproduktion interpretiert werden kann. Im Besonderen legen wir nahe, dass das Material (die Benutzung von Rahmen, Form, Beschaffenheit und importierte Objekte) verstanden werden kann, als die Art und Weise, wie Schüler sich mit Wissen und Lernen auseinandersetzen. Um dies deutlich zu machen, konzentrieren wir uns auf die visuelle Repräsentation von Zellen in zwei Klassen 11-jährige Schülerinnen einer Londoner Mädchenschule. Unsere Argumentation lautet daher, dass die Breite der visuellen Kommunikation (Raum-Beziehungen, Materialbeschaffenheit etc.) eine Art und Weise des Ausdrucks von Bedeutung ermöglicht, die schwierig oder vielleicht unmöglich gewesen wäre über verbalen Ausdruck. Unsere These lautet daher, dass visuelle und linguistische Ausdrucksformen unterschiedliche Potentiale zur Produktion von Bedeutung beinhalten und in der Folge unterschiedliche Lernpotentiale. 

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Summary 
In this paper we exemplify how a social semiotic approach to pupils’ multimodal texts (texts which draw on and make available to the senses a range of resources, including the visual, material, and actional) can provide a way into understanding learning. We suggest that learning can be seen as a transformative process of sign making. Specifically, we suggest that materiality (use of frame, shape, texture, colour, and imported objects) can be seen as one expression of how pupils engage with knowledge and learning. In order to demonstrate this we focus on year seven (11 year old) pupils’ visual representations of cells in two science classrooms at a London girls school. We argue that the range of representational resources available within visual communication (spatial relations, materiality, etc.) enabled the expression of kinds of meaning which would have been difficult, or perhaps impossible, in language. We conclude that visual and linguistic modes of expression have different potentials for meaning making, and therefore different potentials for learning.

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Dorle Klika
Identität – ein überholtes Konzept?
Kritische Anmerkungen zu aktuellen Diskursen außerhalb und innerhalb der Erziehungswissenschaft
in: ZfE, 3. Jg. (2000), H. 2, S. 285-304

Zusammenfassung 
Während der Identitätsbegriff sich einerseits weiterhin großer Beliebtheit erfreut, gerät er andererseits zunehmend in die Kritik. Vertreter postmoderner Optionen plädieren u.a. mit Rekurs auf den Philosophen Welsch für dessen Verabschiedung. Kritisiert werden vor allen die mit dem modernen Identitätskonzept verbundenen Konzeptionen von Kohärenz und Kontinuität. Welschs Option wird hier einer mehrperspektivischen Analyse unterzogen, wobei jenseits der Differenzen verschiedener Diskurse Gemeinsamkeiten zwischen modernen und postmodernen Optionen aufscheinen. Übrig bleibt ein formaltheoretisches Konzept der Subjektkonstituierung, das für die pädagogisch Praxis nicht taugt.

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Summary 
While the concept of identity on the one side gets rising importance, on the other side the criticism increases. With the reference to Welsch’s philosophy exponents of post-modernism vote for dismissial the conception and replace it by plurality and difference. Above all the terms of coherence and continuity are criticized. Welsch’s position is examined on a multiperspective analysis, which distinguishes different discourses and points out common interests of modernism and postmodernism. It remains a theoretical and only formal determination of the „self“, which is unsuited for educational practice.

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