| Hans-Günther
Roßbach
Entwicklungen
im Kindergarten und in der Grundschule
in:
ZfE, 3. Jg. (2000), H.
1, S. 21-34
Zusammenfassung
Der Beitrag berichtet über einige übergreifende gesellschaftliche
Rahmenentwicklungen im Bereich von Kindergarten und Grundschule (Schülerzahlen,
mütterliche Erwerbstätigkeit, Alleinerziehende, Gestaltungsautonomie) und
diskutiert die möglichen Auswirkungen dieser Entwicklungen auf zukünftige Veränderungen
im Bereich von Kindergarten und Grundschule sowie die Verzahnung dieser beiden
Bereiche.
Summary
Development
in Kindergarten and Primary School
The article considers some general societal structural developments in the
areas of kindergarten and primary school (number of students in the classroom,
maternal employment, single parenting, school autonomy). It also discusses the
possible effects of these developments on future changes in the areas of
kindergarten and primary school, as well as the integration of these two sectors.

Werner Helsper
Wandel der Schulkultur
in:
ZfE, 3. Jg. (2000), H.
1, S. 35-60
Zusammenfassung
Der Beitrag diskutiert die Entwicklung der Schulkultur in den letzten
Jahrzehnten. Die Schulkultur, als eine sich universalisierende kulturelle Form,
wird von der Pluralität länderspezifischer, regionaler und lokaler
"Schulkulturen" unterschieden. Diese Schulkulturen werden begriffen
als symbolische, sinnstrukturierte Ordnungen der einzelnen Schulen, die von den
schulischen Akteuren in der Auseinandersetzung mit äußeren Strukturvorgaben
konkret ausgestattet werden. Für vier Dimensionen der Schulkultur werden
thesenhaft Entwicklungsrichtungen formuliert: Für die schulischen Anerkennungs-
und Partizipationsverhältnisse wird die Ablösung des besonderen Gewaltverhältnisses
durch eine ambivalente Partizipationsaufforderung behauptet. Für die
Leistungsdimension wird deren zunehmende Vorrangstellung und die
Universalisierung individualisierter Leistungserbringung diagnostiziert. Für
die pädagogischen Orientierungen wird die Entwicklung von einer Unterordnungs-
und Gehorsamsforderung hin zur antinomischen Anforderung an informalisierte
schulische Aushandlungsprozesse festgestellt und für die Fachinhalte die These
einer Entwicklung des Kanons zum flexibilisierten Angebot und seinen
Ambivalenzen aufgestellt. Abschließend werden grundlegende Bestimmungen zum
Verhältnis von System, Organisation, Reflexion und Profession für die Schule
heraus gearbeitet. Die Schulkultur wird als Kultur einer inkonsistenten, nicht
zum Abschluss gelangten Systembildung des Pädagogischen verstanden mit daraus
resultierenden Strukturproblemen, die in jeder Schule eine eigene Bearbeitung
und Ausdruckgestalt erfährt.
Summary
A changing school culture
This paper discusses the developments in school culture during the last few
decades. School culture, as a universalising cultural form, is understood as
distinct from the plurality of country specific, regional, and local 'school
cultures'. These school cultures are understood as symbolic, meaning-structuring
constellations present in individual schools, which are finally shaped by their
actors in interaction with their respective structural environment. Development
trajectories will be sketched for four dimensions of school culture: For the
dimensions of recognition and participation in the school environment, a
substitution of traditional power relations for the ambivalent demands of
increased participation is claimed. Concerning the performance dimension, its
increasing importance per se and the universalisation of individualised
performance is diagnosed. For the pedagogical orientation, a development away
from demands of subservience and obedience towards the antonymous demand for an
informal negotiation process within the school setting is determined and,
regarding school subjects, a development of the curriculum towards a more
flexible offer, and the ambivalence of this, is proposed and discussed. Finally,
fundamental determinants of the relationship between system, organisation,
reflection and profession are constructed for the school. School culture is
understood as an inconsistent systemic development, which has not yet reached
completion. This results in structural problems, which every school processes
and articulates in its own way.

Shirley
Brice Heath
Risks, Rules
and Roles. Youth Perspectives on the Work of Learning for Community Development
in:
ZfE,
3. Jg. (2000), H. 1, S. 61-80
Zusammenfassung
Risiken, Regeln und Rollen. Jugendperspektiven zur Lernarbeit in der
Gemeindeentwicklung
Basierend auf zehn Jahren Feldforschung mit dem Fokus auf den
Makro-Mikro-Zusammenhängen zwischen organisationaler Struktur und dazugehörigem
Ethos einerseits und Sprachverhalten und Rollenspiel andererseits konzentriert
sich dieser Beitrag auf den institutionellen Wandel, der sich auf die kognitive,
soziale und sprachliche Entwicklung der Jugend auswirkt. Auffällig ist die
Selbstbehauptungskraft derjenigen Jugendlichen, die in ihrer außerschulischen
Freizeit den Weg zu jugendzentrierten Einrichtungen finden. Diese Organisationen
vermitteln eine institutionelle Macht, die die Leere der intergenerationellen
Kommunikation, der Bildungsabbrüche und der fehlenden Aufgaben für Jugendliche
im Familien- und Gemeindeleben füllt. Abschnitt 1 gibt zum einen einen Überblick
über Interaktionsbereiche, die Arbeit und Unterstützung, die Institutionen der
postindustriellen Gesellschaft nicht geben, und zeigt dann auf, welche
institutionelle Kraft manche Jugendliche durch Engagement in jugendzentrierten
Initiativen entwickeln, denen Schlüsselfunktionen in ihrer Sozialisation
zukommen. Hier werden altersgemischte Peergruppen ihre eigenen
Interessenvertreter, um eigene Lernumgebungen zu schaffen, die sich signifikant
von den herkömmlichen, auf Stoffvermittlung bestehenden Ansätzen
unterscheiden. Teil 2 beantwortet die Fragen, was in diesen Lernumwelten
geschieht und welch wichtigen Platz Lernen in diesen jugendzentrierten
Einrichtungen mit ihrer deutlichen Betonung von ernsthafter produktorientierter
Arbeit und Darstellung einnehmen. In diesen Projekten mit ihrem Angebot für den
Zeitraum zwischen Kindheit und vollständigem Eintritt in das Erwachsenenleben
akzeptieren Jugendliche Risiken, spielen Rollen und setzen sich Regeln, um
hervorragende Gruppenergebnisse, z.B. bei einer Theateraufführung, zu
erreichen. Abschnitt 3 betrachtet die Sprache, die in diesen Organisationen
benutzt wird, und benennt die Mittel, mit deren Hilfe jugendzentrierte
Einrichtungen dynamisch bleiben und auf die raschen Wechsel der jugendlichen Bedürfnisse
antworten. Teil 4 beschreibt einige notwendige Änderungen im Denken der
Erwachsenen hinsichtlich der Sozialisationsmodelle und beschreibt ihre Rolle für
die effektive Gestaltung von Lernumgebungen für junge Menschen. Im fünften
Abschnitt werden Forschungsergebnisse der Makro- und Mikroebene zusammengefasst,
um die Wichtigkeit der Forschung zu unterstreichen, die darüber aufklärt,
welche Rolle Regeln, Rollen und Risiken in der Lernarbeit spielen.
Summary
Based on ten years of fieldwork with a focus on macro-micro linkages from
organizational ethos and structure to language behaviour and role-playing, this
report centres on institutional changes that affect cognitive, social, and
linguistic development of youth. Argued here is the resilience of those young
people who find their way to youth-based (as distinct from youth-serving)
organizations during their out-of-school lives. These organizations provide an
institutional force to fill the voids left by intergenerational communication
and nurturance breakdowns and an absence of meaningful work for youth in
community and family life. Part 1 gives an overview of areas of interaction,
work, and support that institutions fail to give in post-industrial societies
and sets up the framework to view the fact that some youth create an
institutional force through youth-based organizations that take over key
socialization roles. Here cross-age peers become their own agents to create an
ecology of learning significantly different from customary agents of
transmissive socialization. Part 2 answers the questions of what happens in this
ecology of learning, and how learning works in youth-based organizations that
place high emphasis on the real work of production and performance. Within these
organizations that offer a type of liminal zone between childhood and full entry
into adult life, youth take risks, play roles, and set their own rules in order
to achieve a group goal of excellence in performance. Part 3 looks at language
use within these organizations and addresses the means by which youth-based
organizations remain dynamic and responsive to the rapidly changing dimensions
of youth needs. Part 4 sets out certain changes necessary in the thinking of
adults about models of socialization and their role in helping to make possible
learning ecologies young people will see as effective. Part 5 pulls together the
macro and micro dimensions of the findings to highlight the importance of
research on the ways that rules, roles, and risks play within the work of
learning.

Jürgen
Wichmann
Grundideen und internationale Rezeption des
Modells einer Service-University. Die Implementierung eines 'global
educational pattern'
in: ZfE,
3. Jg. (2000), H. 1, S. 81-96
Zusammenfassung
Im
Mittelpunkt dieser Analyse steht das in den USA und in einigen anderen Ländern
gegenwärtig an Interesse gewinnende Modell der Service University. Im Gegensatz
zu den Selbstdarstellungen seiner Verfechter wird dieses Modell nunmehr vor dem
Hintergrund seiner spezifischen Entstehungsbedingungen kritisch im Hinblick auf
seine grundlegenden Ideen und Forderungen sowie auf deren Neuigkeitsgehalt
analysiert. Vor allem durch die Kontrastierung mit signifikanten Momenten der
deutschen Universitätsgeschichte wird deutlich, dass in den USA der
Service-Gedanke die Hochschulentwicklung von den ersten Gründungen bis heute
begleitet hat. Darüber hinaus wird am Beispiel Russlands dargestellt, wie sich
hier die Rezeption des Modells der Service University mit unterschiedlichen
Ergebnissen und ambivalenten Reaktionen vollzieht. Generell will dieser Beitrag
deutlich machen, dass unter den heutigen Bedingungen zunehmender internationaler
Verflechtung notwendige Bildungsreformen auf nationaler Ebene ohne die Rezeption
internationaler bildungspolitisch-pädagogischer Modelle nicht mehr möglich
sind. Gleichwohl wird aber auch deutlich, dass jede Rezeption nur auf der
Grundlage kritischer Analysen und nicht in Gestalt euphoriegeleiteten Kopierens
geschehen kann. Die Strukturen und Institutionen eines jeden Bildungssystems
sind unter jeweils spezifischen kultur- und bildungsgeschichtlichen Bedingungen
entstanden. Das Wissen über diese Bedingungen versetzt uns in die Lage, die Möglichkeiten
und Grenzen der Übernahme internationaler Bildungsmodelle zu erkennen.
Summary
This analysis is focussing on the model of a service university attaining a high
degree of interest in the United States and in some other countries at the end
of the 1990s. In contrast to several 'self-portrayals' published recently, the
author wants to describe the specific historical background and intends to put
critical questions in relation to fundamental ideas and claims as well as to the
innovative potential of this model. Incorporating some moments of the history of
German Universities as a contrast, the analysis makes clear the long tradition
of the service-idea within the American system of higher education since the
very beginning. Furthermore, the author takes up the ongoing process of
international reception of the service university. The ease of Russia
illustrates the different results of this process of international reception as
well as its ambivalent responses. This article makes clear, generally, that
necessary reforms of national educational systems and institutions are only
possible by a mutual and selective reception of international educational pat-
terns, under condition of an increasing extent of international integration in
our world today. Nevertheless, it becomes clear that every kind of reception can
be done only on the basis of a critical analysis instead of an euphoric
imitation. The structures and institutions of national educational systems have
been developed each under specific conditions of cultural and educational
history. The knowledge of these specific conditions puts us in the position to
understand the chances and the limits of the reception of international
educational models.
Eveline
Wuttke
Lernstrategien
im Lernprozess. Analysemethode, Strategieeinsatz und Auswirkungen auf den
Lernerfolg
in: ZfE,
3. Jg. (2000), H. 1, S. 97-110
Zusammenfassung
Lernstrategien tragen - speziell im Kontext selbstorganisierten Lernens -
wesentlich zum Lernerfolg bei. In den meisten Untersuchungen werden
Lernstrategien als pre- und/oder post-test nüt Fragebogen erfasst. Diese Daten
erlauben nun nicht notwendigerweise eine Aussage darüber, ob tatsächlich ein
entsprechender Strategieeinsatz seitens der Lernenden stattgefunden hat bzw.
stattfinden wird. In dem der Untersuchung zugrundeliegenden Projekt wurden
deshalb zum einen Strategien mit Hilfe eines Fragebogens (LIST) erfasst, zum
anderen wurde - in Anlehnung an den eingesetzten Fragebogen - ein Kodierschema
zur Erfassung der im Lernprozess eingesetzten Strategien entwickelt. Mit dessen
Hilfe wurde der Strategieeinsatz einer Teilstichprobe (zwei Arbeitsgruppen mit 9
von insgesamt 21 Teilnehmern der Experimentalgruppe) analysiert. Dabei hat sich
gezeigt, dass v.a. dieser Lernstrategieeinsatz zur Varianzaufklärung des in der
Ausgangserhebung erraten Lernerfolgs (komplexe Problemlösefähigkeit) beiträgt.
Summary
Learning strategies in learning processes: Method of analysis, use of strategies,
and effects on learning
Self-organised learning requires the use of adequate learning strategies in
order to successfully plan, co-ordinate and control the learning process. In
most research projects learning strategies are analysed with the help of
standardised tests (questionnaires). Results achieved with this method indicate
a certain strategy potential, but it is difficult to decide if students actually
use these strategies in (self-organised) learning processes. We therefore
developed a system to identify the use of learning strategies during the
learning process. Results indicate that the strategies students used in this
process are closely connected with their success in learning.

Michael
Kerres
Information
und Kommunikation bei mediengestütztem Lernen. Entwicklungslinien und
Perspektiven mediendidaktischer Forschung
in: ZfE,
3. Jg. (2000), H. 1, S. 111-129
Zusammenfassung
Die Mediendidaktik beschäftigt sich mit Medien, die für Zwecke des Lehrens und
Lernens Einsatz finden. Die Anzahl an Publikationen zu mediendidaktischen Fragen
hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen ebenso wie das Gewicht von
Medienfragen in der pädagogischen Diskussion. Dabei nimmt die
Auseinandersetzung über Konstruktivismus - aufgefasst als Gegenpol zu
Behaviorismus und Kognitivismus - in der mediendidaktischen Theoriediskussion
einen erheblichen Stellenwert ein (als Beispiel: Jonassen 1991). Tatsächlich
ist die grundsätzliche Frage, wie (ob) Wissen erworben und weitergegeben werden
kann, für die Mediendidaktik von hoher Relevanz. Doch Wissens- und Lerntheorien
ersetzen keine eigentlich mediendidaktische Modellbildung zur Konzeption
medialer Lernangebote (s. bereits Dichanz/Kolb 1973). Um zu untersuchen, was
also mediendidaktische Forschung ausmacht, wird die Entwicklung von
Forschungsgegenstand und von Forschungsansätzen in der Mediendidaktik
diskutiert. Als zentrale mediendidaktische Untersuchungs- und
Entscheidungsdimensionen werden dabei die Informations- und
Kommunikationskomponente des mediengestützten Lernens differenziert. Der
Beitrag zeigt auf, wie sich das Verhältnis dieser beiden Komponenten durch
aktuelle Entwicklungen der Medientechnik verändert, und diskutiert die
Konsequenzen und Perspektiven für die mediendidaktische Forschung.
Summary
Information and communication in media-supported learning: Directions of
development and perspectives for media-didactic research
The field of Media Didactics is concerned with media which are used for the
purposes of teaching and learning. The number of publications which deal with
this area of research has increased noticeably in the last few years, as has the
weighting which questions concerning this type of media are being given in
educational debates. Here, the critical discussion about Constructivism -
understood as the antithesis of Behaviourism and Cognitivism - has played a
particular role in media-didactic theory debates (eg. JONASSEN 1991). Indeed,
the question of how (whether) knowledge is acquired and passed on is of
fundamental relevance for Media Didactics. However, theories on knowledge and
learning are no substitute for media-didactic modelling, which deal with
conceptions based on the provision of media learning (see Dichanz/Kolb as early
as 1973). In an attempt to illuminate the question of what makes media-didactic
research special, the development of the objects of this research and research
approaches in Media Didactics will be discussed. The difference between
informational and communicational components of media-didactic learning will be
highlighted as the central dimension for investigations and decision-making
within media-didactic research. The paper can then demonstrate how the
relationship between these two components is changing following recent
developments in media technology. Following this, the consequences and
perspectives of this for research in the field of Media Didactics will be
discussed.

Hartmut
Titze
Wie lernen die Generationen?
in: ZfE,
3. Jg. (2000), H. 1, S. 131-144
Zusammenfassung
Das gegenwärtige Vordringen des Generationsbegriffs in der empirischen
Forschung vieler Disziplinen scheint mit den beiden Arten des Lernens der
Menschen als Gattung zusammenzuhängen: Lernen im Lebenslauf des einzelnen
Menschen und Lernen durch Generationswechsel im historischen Prozess. Welche Überlegungen
folgen aus dieser Unterscheidung? Es wird vorgeschlagen, das im historischen
Prozess zunehmende Auseinandertreten von Handlung und Deutung mit dem Wachstum
des Bildungssystems im Zusammenhang zu sehen. Das Lernen der Generationen folgt
einem relativ stetigen Trend. Das Lernen des einzelnen Menschen ist durch seinen
Lebenslauf begrenzt und umspielt in seinen Deutungen den Trend. Mit dem Wachstum
des Bildungssystems kristallisieren sich "neue Gestalten" der Identität
heraus.
Summary
How do generations learn?
The recent development of the concept of generations in the empirical research
of many disciplines seems to be related to the two ways in which the human
species is said to learn: the learning that occurs in the course of an
individual life and the learning that occurs through the change of generations
as part of an historical process. What observations follow from this distinction?
It will be suggested that there is a correlation between the increasing
separation of action and interpretation within the historical process and the
growth of the educational system. The learning of generations follows a
relatively steady trend. The learning of the individual human being is limited
by the experiences of a single life and varies in its interpretations with
regard to this trend. With the growth of the educational system comes the
crystallization of 'new forms' of identity.

|