Bernd Schorb: Stichwort:
Medienpädagogik
in: ZfE, 1. Jg. (1998) H. 1, S. 7-22
Zusammenfassung:
Medien, in ihrer ursprünglichen Wortbedeutung Vermittler,
werden definiert als Objekt, Träger und/oder Mittler von
Information. Mit dem Eindringen des Computers in nahezu alle
Lebensbereiche haben Medien eine allumfassende Bedeutung für den
Alltag der Menschen bekommen. Sie bestimmen die Bereiche der
Reproduktion ebenso wie die der Produktion.
Die Pädagogik hat sich der Medien historisch in erster Linie
als Hilfsmittel zur Veranschaulichung von Wissensbeständen
bedient. Mit dem Aufkommen der Massenmedien und mit der Zunahme
der Medien an Quantität und Bedeutung bildeten sich drei
Schwerpunkte einer spezifischen Medienpädagogik heraus. Die
normative Medienpädagogik stellt den Schutz der Heranwachsenden
vor möglichen Gefährdungen durch mediale Inhalte heraus. Ihr
wichtigste Mittel ist der Jugendmedienschutz, der sich
manifestiert in einer Vielzahl von Einrichtungen und Bestimmungen
zur Kontrolle medialer Inhalte. Der funktionalen Medienpädagogik
ist es darum zu tun, Medien für die Vermittlung kognitiver
Lehrinhalte einzusetzen. Sie nutzt analoge und digitale Medien
als Strukturierer, Beschleuniger, Verbesserer und mittels
Computerprogrammen und Netzen auch als Organisator von
Lernen. Die reflexiv-praktische Medienpädagogik will die
gesellschaftlichen Subjekte befähigen, Medien nicht allein zu
rezipieren, sondern sie als Werkzeuge zum Erreichen
selbstbestimmter kollektiver Ziele zu nutzen. Ihr ist es sowohl
um die kritische Reflexion der vorhandenen Mediensysteme als auch
um die aktive Handhabung von Medien als Mittel der reflektierten
Artikulation zu tun. Alle drei Richtungen der Medienpädagogik
stehen, bedingt durch die Medienentwicklung vor der Aufgabe, ihre
Arbeit neu zu bestimmen.
Eine wichtige Basis der Bestimmung von Inhalten
und Aufgabenstellungen der Medienpädagogik ist die
Medienforschung. Sie belegt die Rolle, die Medien für die
Entwicklung junger Menschen spielen, als Quelle des Wissens, der
normativen Orientierung und auch von Handlungsvorbildern. Die
Medienforschung ebenso wie die Analyse der Medienentwicklung
begründen die Zielsetzungen der Medienpädagogik, die in der
aktuellen Diskussion unter dem Begriff Medienkompetenz subsumiert
werden. Der Erwerb von Medienkompetenz beinhaltet zum ersten die
Aneignung von Orientierungs- und Strukturwissen, um mediale
Anwendungen und Netze in ihrer Komplexität zu erfassen, zum
zweiten die Entwicklung kritischer Reflexivität als Fähigkeit
Medienstrukturen in ihrer Einbettung in soziale und ökonomische
Zusammenhänge zu analysieren, zum dritten Handlungsfähigkeit,
Medien selbstbestimmt zu nutzen und auch technisch zu beherrschen
und schließlich soziale und kreative Interaktion als Fähigkeit,
Mediennutzung als kommunikativ soziales Handeln kreativ und
phantasievoll zu gestalten.

Summary:
As the original definition of media - as carrier and/or medium
of information - makes clear, its actual meaning depends in large
part on the context in which media is used. Today, as we approach
the so-called information society, everybody is talking about
multimedia, or information and communication technologies.
Computer related media are sure to play an increasingly dominant
role in our daily lives.
In the past, the field of education's dealings with the media
have generally been limited to using forms of media in order to
expedite learning or demonstrate knowledge. With the invention of
mass media early in this century - and especially with the
invention of motion pictures - education also began to look at
the contents communicated by various forms of media. Today, three
major branches of pedagogy focus on media. Normative media
pedagogy tries to shield young people from potentially harmful
influences in the media via the legal system. Functional media
pedagogy uses media - in particular films and computer programs -
to support, structure and improve learning. Reflexive-practical
media pedagogy, with its principle of learning by doing, aims to
enable societal subjects to become users instead of just
consumers of media. Based on media research about how subjects
relate to media and orient themselves on its contents, the
primary aim of media education is described as "media
competence".

Stephan Sting: Die Schriftlichkeit der
Bildung
Medienimplikationen im Bildungsdenken von Herbart und
Schleiermacher
in: ZfE, 1. Jg. (1998) H. 1, S. 45-60
Zusammenfassung:
In dem Text wird eine bildungstheoretische Perspektive auf
Schrift und Schriftlichkeit entworfen, die von einer
fundamentalen Verschränkung von Schriftlichkeit und Bildung in
unserer Kultur ausgeht. Während sich eine Beschäftigung mit den
medialen Rahmenbedingungen von Bildung in der aktuellen
Bildungsdiskussion bisher nur in Ansätzen abzeichnet, enthalten
historische Bildungstheorien eine explizite und implizite
Auseinandersetzung mit der Schriftkultur ihrer Zeit.
Am Beispiel Herbarts und Schleiermachers lassen sich zwei
pädagogische Antworten auf die Verallgemeinerung von
Schriftlichkeit um 1800 aufzeigen: Herbart entwirft Prinzipien
für eine entwicklungsbezogene, an den pädagogischen Kriterien
der Moralisierung und der systematischen Gedankenkreisbildung
orientierte Selektion des Schriftwissens, die einen nationalen
Schrift- und Bildungskanon hervorbringen sollen. Schleiermacher
strebt ausgehend von der subjektiven Verarbeitung des
Geschriebenen eine Verständigung zwischen Selbst und anderem und
die Errichtung gemeinschaftlicher Bildungshorizonte an. Die
Reichweite von Schrift erweitert sich dabei auf den
außerschriftlichen Horizont der Produktionsbedingungen von
Schrift, und zugleich erscheint Schriftlichkeit als
hermeneutische Verstehensbemühung auch in nichtschriftlichen
Kommunikationszusammenhängen und Wissenskonstellationen
relevant.

Summary:
This article outlines a perspective on writing and written
culture from the point of view of educational theory, which
assumes a fundamental relationship between educational processes
and writing procedures in our culture. While actual discussions
about education and formation only in few approaches deal with
their medial frameworks and preconditions, we can find an
explicit and implicit consideration of the contemporary written
culture in historical theories of education.
The educational theories of Herbart and Schleiermacher, for
instance, demonstrate two different pedagogical responses to the
generalization of literacy at the beginning of the nineteeth
century. Herbart develops principles for the selection of written
knowledge, oriented towards the educational criteria of
moralization and systematic development of ideas, which shall
produce a national canon of formation and written culture. On the
assumption of subject-based proceeding of writing Schleiermacher
strives for an agreement between the self and the other and for
the foundation of a common horizon of education and formation.
The reach of writing expands from writing itself to the
production conditions of writing, and at the same time written
culture in the shape of hermeneutic methods becomes relevant in
non-written contexts of communication and knowledge construction
as well.

Yasuo Imai: Neue Medien im Spiegel der
pädagogischen Diskussion in Japan (1984 - 1996)
in: ZfE, 1. Jg. (1998) H. 1, S. 61-71
Zusammenfassung:
Der Beitrag expliziert einige Hauptlinien in der
pädagogischen Diskussion um die neuen Medien in Japan. Zunächst
wird die pädagogisch motivierte Kritik an der Medienwirkung
erläutert. Diese Kritik fhrte zu einer Reflexion des
Durchdrungen-Seins der Lebenswelt durch die neuen Medien (1).
Ungeachtet der populären Medienkritik wird von seiten der
Bildungspolitik konsequent versucht, den neuen Medien Eingang in
den Schulbereich zu verschaffen. Dabei wird das vielbeklagte
Gefälle zwischen dem medienorientierten Kinderalltag und dem
traditionellen Schulalltag tatsächlich tendenziell abgebaut.
Dies geschieht jedoch weniger durch die Einführung der neuen
Medien in die Schule als durch eine Verschiebung des Lernziels
von der Objekt- zur Reflexionsebene. Es geht nicht mehr um das
substantielle Wissen, sondern um die
"Informationsverwertungskompetenz", die wiederum durch
eine handlungsorientierte Auseinandersetzung mit den neuen Medien
ausgebildet werden sollte (2). In der Erziehungswissenschaft wird
eine Argumentation entwickelt, die diesen Wandel legitimieren
soll: Es handelt sich um den Ansatz der konstruktivistischen
Lerntheorie und der darauf beruhenden Medienpädagogik. Der
gleichermaßen konstruktivistische Ansatz der "situierten
Kognition" kritisiert jedoch die Verschiebung zur
Reflexionsebene, weil das Ziel des Lernens im Erreichen der
sozial konstruierten Realität gesehen wird. Die neuen Medien
werden nur als ein Mittel dazu eingesetzt. Dieser Ansatz läßt
aber die Tatsache außer Acht, daß die Realität, zumal, wenn
sie sozial konstruiert ist, durch die Medien wesentlich
mitbestimmt ist (3).

Summary:
This contribution attempts to clarify some of the main issues
in the educational discussion about new media in Japan. First,
the author will outline some education-based arguments against
the effects of media. The arguments lead to reflections about the
situation of the contemporary life-world (Lebenswelt) as one that
is fully penetrated by the technical media (1). Regardless of the
wide-spread arguments against the media, new media was introduced
into schools through educational policy. The gap between the
media-oriented everyday life of the children and the traditional
school life was actually reduced. This was less the result of
establishing new media in schools than it was of shifting the
learning objective from the object level to the level of
reflection. Not substantial knowledge, but a competence to manage
information was demanded. Such competence was supposed to be
aquired by actively dealing with various new media (2). A theory
that is supposed to legimitize this change in the formation of
learning goals is developed in the subject of Educational
Science: the constructivistic learning theory and the theory of
media education that is based on it. The theory of "situated
learning", however, which is also constructivist, criticizes
the shift towards reflection. For this theory, the aim of
learning is to get to the socially constructed reality, and new
media should merely be used as a means for this end. Still, this
theory does not take account of the fact that the reality,
especially if it is socially constructed, is determined in part
by the media (3).

Marie B. Gillespie: Media, Minority
Youth and the Public Sphere
in: ZfE, 1. Jg. (1998) H. 1, S. 73-87
Zusammenfassung:
Dieser Artikel beschreibt ethnographisch, wie jugendliche
Angehörige von Migranten aus dem Pandschab (Indien) in London
Fernsehnachrichtensendungen nutzen, um einen Zugang zu der Welt
der Erwachsenen zu erreichen und zu deren politischem Diskurs.
Das "Habermas"sche Konzept der Öffentlichkeit wird in
diesem Beitrag als kritisches Instrument sowohl der Kulturanalyse
als auch der demokratischen Kommunikation verwendet. Weil das
Curriculum der Britischen Schulen keinerlei formale politische
Bildung vorsieht, wird besonders der Frage nachgegangen, wie
junge Menschen den Übergang aus der Abhängigkeit innerhalb der
Familie zu aktiven Bürgern in der politischen Arena und in der
Öffentlichkeit bewältigen. Für eine jugendliche Minderheit
haben besonders die Fragen der Nationalität, der Ethnie und des
aktiven Bürgertums eine größere Bedeutung, insbesondere dann,
wenn ihnen der Zugang zu diesen Mitteln, zur Teilnahme am
politischen Prozeß und der Öffentlichkeit erschwert und damit
auch die volle Einbürgerung verweigert wird. Wenngleich
britische Schulen formal wenig tun, um Schüler in die
öffentlichen Belange einzuführen, kann gezeigt werden, daß
besonders Schüler, die schon mit einer entsprechenden
kulturellen Bildung ausgestattet sind, die Angebote nutzen, die
ihnen die Nachrichtenmedien zugänglich machen; was nicht heißen
sollte, daß Schulen die politische Bildung vernachlässigen
können. Dieser Beitrag beurteilt die Relevanz von
"Habermas" Konzept der Öffentlichkeit für die Arten
alltäglicher Kommunikation, die junge Asiaten benutzen, wenn sie
sich allgemein und informell über die Nachrichten unterhalten.
Dabei wird davon ausgegangen, daß es für Erziehende ratsam ist,
die jungen Menschen in ihrer Eigentätigkeit zu unterstützen,
Einblicke in die informellen, kollaborativen und pädagogischen
Strategien zu erlangen, die die Jugend anwendet, um zu einem
Verständnis zu gelangen, wie sie in der bzw. für die Welt
tätig sein könnte. Der Artikel will folgenden Fragen anregen:
In welchem Ausmaß können die Diskussionen, die von jungen
Leuten geführt werden, über Auswirkungen von Nachrichten,
Politik und öffentlicher Belange als Anregungen für die
Öffentlichkeit angesehen werden, oder sogar schon als Keimzelle
einer Mini-Öffentlichkeit, die sich am Rand etabliert hat? Was
kann die Vorstellung von einer transnationalen Öffentlichkeit
potentiell bedeuten für eine sich in der Minderheit befindliche
ethnische Jugend, deren Sinn für nationale Zugehörigkeit und
Identität in ihrer Wahlheimat bedroht wird durch Rassismus und
Diskriminierung, und deren Identifizierungsmöglichkeiten die
nationalen kulturellen Grenzen zu überschreiten in der Lage
wäre? Welche Aufgabe obliegt Erziehenden, Jugendlichen dabei zu
helfen, in einer multikulturellen und zunehmend transnationalen
Gesellschaft an einer vielfältigen demokratischer Kommunikation
teilzunehmen?

Summary:
This article examines the ways in which young people use the
resources which news media provide as a means of gaining access
to the world of adult and political discourse, and to the public
sphere. The concept of the public sphere is used here both as a
critical tool of cultural analysis, and as a measure of
democratic communications. Given the lamentable lack of any
formal political education in the national curriculum of British
schools, the question of how young people make the transition
from dependent children in the family to active citizens in the
political arena, and in the public sphere, is posed rather
sharply. For minority youth, in particular, questions of
nationality, ethnicity and active citizenship assume even greater
importance especially when limited access to the resources
required for active participation in the political process and
public sphere effectively denies them full citizenship. However,
although British schools are doing little, in a formal sense, to
help to induct students into the public sphere, it will be argued
that young people, especially those with the cultural and
educational capital, are doing it for themselves through their
appropriation of the resources that news media provide them. This
is not to say that schools should neglect political education.
This article assesses the relevance of Habermas notion of
the public sphere for the kinds of everyday communicative
activities that young British Asians engage in as part of their
informal talk about news media. In doing so it is hoped that as
educators we might be in a better position to assist young people
in their self-empowerment by gaining insight into the informal,
collaborative, pedagogic strategies devised by youth themselves,
outside the confines of the classroom and beyond the constraints
of teacher-led curricular, in order to understand and act in/upon
the world. The article will address the following questions: to
what extent can the everyday debates that young people conduct
about news events, political affairs, and public issues be
considered to constitute an initiation into the public sphere, or
even an embryonic mini-public sphere nesting on the margins? What
is the potential significance of the notion of a transnational
public sphere for minority ethnic youth whose sense of national
belonging and identity in their country of settlement may be
threatened by racism and discrimination, and whose strongest
identifications may transcend national cultural boundaries? What
role can and should educators play in assisting their pupils to
participate in a plural public sphere of democratic communication
in a multicultural and in an increasingly transnational society?

Sigrid Nolda: Distanzierte
Familiaritäten
Zur möglichen Pädagogik von Fernseh-Familienserien
in: ZfE, 1. Jg. (1998) H. 1, S. 89-102
Zusammenfassung:
Das Verhältnis zwischen Pädagogik und Fernsehen ist nach wie
vor auf die Frage der vermittelten Inhalte und Werte sowie nach
der Realitätsadäquanz konzentriert. Was bisher weniger in den
Blick kam, sind die medienspezifischen Präsentationsformen, die
unterschiedliche Aneignungsweisen ermöglichen.
Am Beispiel von Familienserien wird dargestellt, wie über die
formalen Elemente der Serialität, der Narration und Repetition
sowie der Dialogizität und Montage in einem durch Überfülle
und Nebeneinander von neuen und wiederholten, naiven und
persiflierenden Serien geprägten Programm Rezeptionen
ermöglicht werden, die Familiarität mit Distanz verbinden und
dadurch bisher übersehene Bildungschancen enthalten. Die hier
als Möglichkeit bezeichnete Pädagogik von
Fernseh-Familienserien ist eine der Form, die bisher wenn
überhaupt eher anerkannten Kunstwerken und nicht
Trivialproduktionen zugebilligt wurde und die die bisherige
Konzentration kritischer Pädagogen auf Inhalte- und
Wertevermittlung durch das Fernsehen in Frage stellt.

Summary:
Pedagogy has always focused on two issues regarding
television: the question of what contents and values are
transported through television and how adequate television is
with regard to reality. Less attention has been paid to the
various forms of media-specific presentation and the different
means of reception that they enable.
By examining family-oriented television series, this paper
will show how reception is enabled through formal elements such
as serial structure, narration, and repetition as well as through
dialogues and montages within programs that are characterized by
a profusion and combination of new events and repeated ones, of
naive elements and ones that are complex and satirical. These
combinations make use of familiarity and distance and therefore
project educational possibilities which have remained hitherto
unnoticed. The pedagogical method that is drawn from
family-oriented television programming in this paper takes on a
form that has previously been associated with when it has
been taken into consideration at all recognized art work
and non-trivial productions. It therefore also calls into
question the concentration (even obsession) of Critical Pedagogy
on the transportation of contents and values through television.

Richard Münchmeier: Jugend als
Konstrukt
Zum Verschwimmen des Jugendkonzepts in der
"Entstrukturierung" der Jugendphase
Anmerkungen zur 12. Shell-Jugendstudie
in: ZfE, 1. Jg. (1998) H. 1, S. 103-118
Zusammenfassung:
Seit einer Reihe von Jahren gibt es eine jugendtheoretische
Debatte über den Strukturwandel der Jugendphase, die unter dem
Stichwort "Entstrukturierung" bzw.
"Als-Ob-Struktur" geführt wird. Damit ist gemeint,
daß die traditionellen gesellschaftlichen Bedingungen und
Verlaufsmuster der Jugendphase insbesondere durch die
gesellschaftlichen Krisen im Erwerbsarbeitsbereich destabilisiert
werden, so daß der Charakter von Jugend als
"Vorbereitungsphase" auf das (ökonomisch)
selbständige Erwachsenenleben ins Schwimmen gerät. Die Befunde
der 12. Shell-Jugendstudie (1997) werden daraufhin befragt, ob
sich Spuren finden lassen, die diese Thesen bestätigen könnten
und die darüber Auskunft geben, wie junge Menschen selbst diese
Prozesse erleben und damit umgehen. Es zeigt sich, daß mit Hilfe
aller empirischen Zugänge der Befund sich erhärtet, daß junge
Menschen heute sich primär von den Problemen der
Arbeitsgesellschaft betroffen, in ihren Lebensperspektiven
beeinträchtigt und in Orientierungsdilemmata versetzt fühlen.
Das Vertrauen in die Sinnhaftigkeit ihrer Jugendzeit im Sinne
einer Vorbereitungsphase für das spätere Leben wird damit
destabilisiert. Insbesondere Jugendliche in Ostdeutschland sowie
Mädchen sind davon betroffen. Mit "gemischten
Gefühlen" die persönliche Zukunft zu betrachten, scheint
die vorherrschende Reaktion auf die Ambivalenz der
Zukunftserwartungen zu sein. Damit bestätigen die Ergebnisse im
großen und ganzen die jugendtheoretische Debatte: Jugend
verliert die Verläßlichkeit ihrer gesellschaftlichen
Bedingungen, der zentrale Fokus des traditionellen
Jugendverständnisses nämlich die gelingende Verkoppelung
gesellschaftlichen und biographischer Zukunft löst sich
auf.

Summary:
For a number of years now there has been among theorizers of
youth an ongoing discussion about the structural change in
adolescence, which has come to be known as
"destructuring" ("Entstrukturierung) or
"as-if-structure". That is to say, traditional societal
conditions and patterns of progress of adolescence are seen as
being destabilized - in particular through current crises in the
sphere of gainful employment - so that the status of youth as a
"preparatory phase" for an (economically)
self-sufficient adulthood becomes undermined. With this in view,
the results of the twelfth Shell-Jugendstudie (1997) were
consulted for signs that might bear out such theories and provide
information about how young people themselves experience and deal
with these processes. It proved to be the case that access to
empirical data corroborated the findings that young people today
feel themselves to be primarily affected by the problems of
employment, impaired in their perspective on life, and brought
into dilemmas of orientation. The trust in the meaningfulness of
their adolescence in the sense of a preparatory stage for later
life becomes therefore destabilized. Young men in East Germany,
as well as young women, are particularly affected. To see their
personal future with "mixed feelings" appears to be the
predominant reaction to the ambivalence over expectations for the
future. These results confirm by and large the discussion of the
theorizers: youth is losing the reliability of its societal
conditions; the central focus of the traditional meaning of youth
- namely, the successful coupling of a societal and a
biographical future - is dissolving.

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